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London Anschlag auf das politische Herz Großbritanniens

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„Mir war sofort klar, dass etwas nicht in Ordnung ist“

Ein Autofahrer war mit seinem Fahrzeug zunächst auf der Westminister-Brücke neben dem Parlament in eine Menschenmenge gerast und hatte eine Frau getötet und mehrere Menschen, darunter drei französische Teenager, verletzt. Später krachte das Auto in den Gitterzaun des Parlaments, der männliche Fahrer drang in den Innenhof des Parlamentsgebäudes ein und griff einen Polizisten mit einem Messer an, wurde daraufhin von anderen Polizisten erschossen.

Parlamentarier, die gerade dabei waren zu einer Abstimmung zu eilen, wurden von den Schüssen aufgeschreckt und rannten, um sich in Sicherheit zu bringen. Einer von ihnen, der konservative Abgeordnete Tobias Ellwood aus Bournemouth versuchte den verletzten Polizisten noch durch Mund-zu-Mundbeatmung zu retten, doch vergeblich. Ellwoods blutverschmiertes Gesicht zeugte von Verzweiflung und Erschöpfung.

Pressestimmen zu den Anschlägen von London

Die Labour-Abgeordnete Mary Creagh war gerade von ihrem Büro zum Parlamentsgebäude unterwegs, als sie die Schüsse hörte. Durch einen Seiteneingang gelang ihr die Flucht in die U-Bahn-Station von Westminster. „Mir war sofort klar, dass etwas nicht in Ordnung ist“, erklärte sie später. Geistesgegenwärtig kämpfte sie sich durch die Menschenmassen bis zum Stationsleiter vor: „Es gibt einen Terroranschlag auf das Parlament“, erklärte sie ihm und überredete ihn, den Bahnhof schließen zu lassen. Die Tory-Abgeordente Niki Morgan hielt sich gerade in ihrem Büro im Nebengebäude des Parlaments auf, als sie Schüsse und laute Schreie hörte. „Ich hörte wie jemand rief: Sofort auf den Boden legen! Das habe ich dann auch getan.“ Der Schock war ihr auch Stunden später noch anzumerken.

Die Polizei riegelte das Gelände sofort großräumig ab und leitete den Verkehr um, die Sirenen der Krankenwagen heulten, überall flackerten die Blaulichtsignale der Polizeifahrzeuge, Hubschrauber kreisten über dem Palast von Westminister und das Riesenrad London Eye wurde unverzüglich gestoppt. Mehrere Menschen waren in den Kabinen gefangen – Fernsehaufnahmen zeigten noch Stunden später Touristen, die in den verglasten Gondeln nervös auf und ab gingen.

Ein Sprecher der Londoner Börse steckte im Regierungsviertel in einem Taxi fest – seine Verlobte hielt sich gerade im Unterhaus auf. Erst als er sie per Handy erreicht hatte, konnte er wieder aufatmen. Stundenlang saßen mehrere hundert Menschen im britischen Parlament fest, Abgeordnete und ihre Mitarbeiter, Journalisten, Touristen und Schülergruppen – alle in einer unfreiwilligen Zwangsgemeinschaft, durften das Gebäude aus Sicherheitsgründen nicht mehr verlassen.

Erst drei Stunden später wurde es evakuiert – rund 1000 Menschen wurden langsam über die Straße in die Kathedrale Westminister Abbey geleitet.

Während die Polizei weiter unter Hochdruck ermittelte und der Sicherheitsstab Cobra tagte, trat gegen Abend zumindest rein äußerlich wieder etwas mehr Ruhe ein. Die Pendler strömten nach Hause, die Panik ließ nach. Doch die Folgen dieses Tages werden noch lange nachwirken.

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