Lotto, das Milliardengeschäft Wie Bund und Länder beim Glücksspiel kassieren

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Sechs Richtige für Lotto-Chefs

Solche Zweitlotterien hätten inzwischen „einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent im Onlinegeschäft“, sagt Sundermann. „Wir haben in den vergangenen Jahren Hunderttausende Lotto-Spieler an illegale Anbieter verloren“, klagt auch Westlotto-Chef Andreas Kötter. Auf rund 800 Millionen Euro Umsatz taxiert er derlei „Schwarzlotterien“, die „dem Gemeinwohl schaden“. Für den Westlotto-Chef ist der Frontverlauf der nächsten Jahre damit klar: „Es geht um Gut gegen Böse, legale gegen illegale Anbieter.“

Doch ganz so eindeutig ist die Rollenverteilung nicht. Denn auch gegenüber den staatlichen Spielmachern regt sich Kritik. „Die Lotto-Taliban fürchten um ihre Pfründe“, sagt etwa der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki.

„Es gibt immer noch genug Lotteriegesellschaften, in denen die Geschäftsführer wie Sonnenkönige auftreten, und genug Landesregierungen, die die Lotto-Mittel als eine Art Schattenhaushalt betrachten“, so Kubicki.

Tatsächlich sind die Länder die größten Profiteure des Zahlenspiels. Von den 7,3 Milliarden Euro, die die Mitglieder des Deutschen Lotto- und Totoblocks im vergangenen Jahr einnahmen, wurde rund die Hälfte an Spieler ausgeschüttet. 2,9 Milliarden Euro flossen per Lotteriesteuer an die Länder oder wurden direkt in Sozial-, Kultur- und Sportprojekte investiert. Das weckt Begehrlichkeiten.

Was deutsche Haushalte verdienen – und wofür sie es ausgeben
Haushaltsbruttoeinkommen Quelle: dpa
Einkommen aus nichtöffentlichen Transferzahlungen und Untervermietung Quelle: REUTERS
Einnahmen aus Vermögen Quelle: obs
Einkommen aus öffentlichen Transferzahlungen Quelle: dpa
Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit Quelle: dpa
Konsumausgaben Quelle: dpa
Bekleidung, Schuhe Quelle: dpa

Erst vor wenigen Tagen verschaffte eine Anfrage der bayrischen Grünen-Politikerin Claudia Stamm eine Ahnung von den finanziellen Gepflogenheiten bei Lotto-Bayern. Stamm wollte vom bayrischen Finanzministerium wissen, wie hoch die Provisionen sind, die an die Leiter sogenannter Bezirksstellen fließen. Diese würden im Schnitt jeweils rund 141 Lotto-Buden betreuen und sich um die Verwaltung, „Beratung und Schulung der Vertriebsorgane“ ihres Sprengels kümmern, teilten die Finanzministerialen mit.

Erst auf Nachfrage rückten sie aber konkrete Provisionszahlen heraus: Insgesamt 14,9 Millionen Euro wurden demnach 2015 an die 25 bayrischen Bezirksstellen ausgeschüttet. Von den durchschnittlich knapp 600.000 Euro pro Bezirksstelle dürften vor allem deren Leiter profitieren. „Die verdienen Unsummen“, sagt eine Kioskbetreiberin.

Andernorts stürmen eher die Spitzenkräfte unter den staatlichen Losverwaltern die Jackpots. Bei einigen der Lotto-Granden summieren sich Jahresgehalt und Pensionsansprüche auf den Gegenwert eines Sechsers im Lotto.

So verdiente der im Frühjahr in den Ruhestand verabschiedete Westlotto-Chef Theo Goßner 2015 rund 323.000 Euro. Sein Nachfolger Kötter verbuchte als Mitglied der Westlotto-Geschäftsführung Bezüge von 295.000 Euro. Auch in Berlin musste das Führungsdoppel mit jeweils rund 190.000 Euro nicht darben. 170.000 Euro ließ sich 2015 selbst das kleine Bremen seinen Lotto-Frontmann kosten.

Dass sich derlei gut dotierte Posten nicht unbedingt in den Jobdatenbanken der Arbeitsagenturen finden, liegt auf der Hand. Vorteilhafter für den Bewerbungsprozess scheinen da schon gute Beziehungen zur Politik zu sein.

Seit Jahrzehnten pflegen Parteien und Landesregierungen entbehrliche, aber verdiente Würdenträger an die Spitzen der Lottogesellschaften zu befördern. So wacht in Brandenburg Exfinanzstaatssekretär Horst Mentrup über den Spielbetrieb. In Rheinland-Pfalz leitet der frühere Innenstaatssekretär Jürgen Häfner das Geschäft mit den Kreuzchen. Die saarländische Glückszentrale wird derweil von Michael Burkert, zuvor Präsident des Stadtverbandes Saarbrücken, und von Peter Jacoby, dem Exfinanzminister des Landes, gesteuert. Und im Ländle erfüllte sich für Marion Caspers-Merk, einst Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2013 der Traum vom Lotto-Glück – als Chefin von Lotto Baden-Württemberg.

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