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Ludovic Subran Der Reformdruck auf Frankreich muss bleiben

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Insolvenzen in Deutschland drohen zu wachsen

Die OECD warnt vor einer neuen Rezession. Für wie wahrscheinlich halten sie ein Abrutschen in eine neue Krise?

Damit rechne ich nicht. Allerdings erwarten wir in Deutschland nur noch ein Wachstum von 1,2 Prozent in 2015.

Woran liegt’s?

Die schwache Konjunktur in den Euro-Ländern und eine schwächere Nachfrage in den typischen Exportländern gehen auch an Deutschland nicht spurlos vorbei. Ein zu großer Teil des Wachstums in Deutschland hängt vom Export ab, der Konsum im Land ist zu niedrig. Die schwache Nachfrage macht den deutschen Unternehmen zu schaffen. Erstmals seit Jahren rechnen wir im kommenden Jahr in Deutschland mit mehr Insolvenzen. Während in diesem Jahr die Zahl der insolventen Firmen in Deutschland insgesamt noch um sechs Prozent zurückgegangen sind, werden diese im kommenden Jahr um zwei Prozent auf voraussichtlich 24 979 Fälle zunehmen.

Welche Sektoren sind besonders betroffen?

Wir rechnen vor allem mit mehr Insolvenzen im Einzelhandel und bei solchen Unternehmen, die vom Export abhängen, vor allem solche die nach Russland exportieren. Die Krise in der Ukraine macht den deutschen Unternehmen zu schaffen. Auch in Russland selbst nimmt die Zahl der Insolvenzen 2015 zu. Wir rechnen dort mit einem Plus von zehn Prozent. Auch in China wird die Zahl der Unternehmen, die insolvent gehen um fünf Prozent zunehmen.

Aber im Vergleich steht Deutschland noch relativ gut da?

Das stimmt. Vor allem im Vergleich zu Frankreich. Dort erreichen wir in diesem Jahr eine Rekordzahl von Firmeninsolvenzen in Höhe von 62.000. Seit der Finanzkrise hat es das Land nicht geschafft, diesen Trend umzukehren. Auch in Spanien ist die Zahl der Firmeninsolvenzen rückläufig, wenn sie auch noch auf einem hohen Niveau liegt. In diesem Jahr liegt die Zahl der insolventen Firmen bei knapp 6000. Das sind aber immerhin 27 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Botschaft an Deutschland aber ist: ein Wirtschaftswachstum von knapp über einem Prozent reicht nicht, um den Trend zurückgehender Insolvenzen zu halten.

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Dazu kommt: die Kosten für Insolvenzen haben seit der Krise in 2008 in Deutschland zugenommen. Lagen die durchschnittlichen Kosten 2008 noch bei 800.000 Euro, sind sie in diesem Jahr auf durchschnittlich 1,3 Millionen Euro gestiegen, weil die Unternehmen größer sind, die Pleite gehen – in diesem Jahr etwa die Hansa Group mit einem Umsatz von 80 Millionen Euro oder auch Weltbild und Strauss Innovationen. Der Wettbewerb deutscher Unternehmen untereinander wird härter. Und es kommen neue Konkurrenten vor allem aus den Euro-Ländern wie etwa Spanien hinzu, die langsam wieder wettbewerbsfähiger werden.

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