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Luftverschmutzung Griechen heizen nicht

Griechenland steht für Krise und Arbeitslosigkeit. Jetzt folgt aus der Wirtschaftskrise eine Luftverschmutzungskrise. Vielen Griechen ist das Öl zu teuer geworden und sind daher auf Brennholz umgestiegen. Mit Folgen.

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Viele Griechen heizen nicht mehr mit Öl, sondern mit Brennholz. Das hat einen Grund: Die Kosten werden zu hoch. Quelle: dpa

Im Januar dieses Jahres betrug die durchschnittliche Temperatur in Deutschland rund zwei Grad Celsius. Wenn es kälter wird, heißt es: Handschuhe, Mütze und Schal beim rausgehen, Heizung aufdrehen zuhause. Mindestens auf vier, dann bleibt es warm. In Athen sieht das anders aus. 44 Prozent aller Häuser mit zentraler Ölheizung heizen nicht. Der Grund: Die Kosten sind zu hoch. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der steigenden Energiepreise können sich viele Griechen die Heizungswärme nicht mehr leisten. Das teilte der griechische Energieversorger der Umweltbehörde EPA am Mittwoch mit.

Um der steigenden Heizölsteuer zu entgehen, greifen die Griechen auf Feuerholz zurück. Das hat Folgen: Die Smog-Belastung steigt. Ende Dezember hatte der griechische Gesundheitsminister Adonis Georgiades Alarm geschlagen. Die Luftverschmutzung hatte in fast allen Städten des Landes bedrohliche Ausmaße angenommen. Im Zentrum Athens und in den nördlichen Vororten wurden Werte von über 100 Mikrogramm Staubpartikel pro Kubikmeter gemessen.

In vielen Orten lagen Rauchschwaden über den Wohngebieten und die Luft hatte einen beißenden Geruch angenommen. Viele Menschen beklagten tränende Augen und ein Brennen im Hals. Die Bürger wurden aufgerufen zuhause zu bleiben, wenn sie mit Atemproblemen zu kämpfen hätten. Das Phänomen habe „bedrohliche Dimensionen angenommen“, besonders für Kinder und chronisch Kranke, teilte die Ärztekammer in Athen mit.

Wer wettbewerbsfähig ist und wer nicht
Platz 57: BulgarienBulgarien wird zurecht als das Armenhaus Europas bezeichnet. Unter 60 Ländern, die die Schweizer Wirtschaftshochschule IMD (International Institute for Management Development) nach ihren wirtschaftlichen Stärken und Schwächen miteinander verglichen hat, landet Bulgarien auf Platz 57 (Platz 54 im Jahr 2012). Damit ist Bulgarien das wirtschaftlich schwächste Land der Europäischen Union. Noch schlechter stehen nur noch Kroatien (Platz 58), das am 1. Juli der EU beitreten wird, Argentinien (Platz 59) und Venezuela (Platz 60) da. Wirklich gut schneidet Bulgarien nur beim Preisniveau ab, da belegt es im internationalen Vergleich Platz vier. In Disziplinen wie Beschäftigungsrate, Arbeitsmarkt, Bildung, Infrastruktur, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Gesundheit und Investments schafft es das osteuropäische Land nicht einmal unter die Top 30. Quelle: dpa
Platz 55: RumänienIm gleichen Atemzug mit Bulgarien wird stets Rumänien genannt. Das Land liegt im internationalen Vergleich auf Rang 55, im Vorjahr schaffte es Rumänien noch auf Platz 53 von 60 im World Competitiveness-Ranking. Von 21,35 Millionen Einwohnern haben 10,15 Millionen einen Job, die Arbeitslosenquote beträgt 6,8 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Rumäniens liegt bei 169,4 Milliarden Euro - im internationalen Vergleich macht das Platz 48 von 60. Beim BIP pro Kopf schafft es das Land mit 16.062 Euro auf Rang 46. Wirklich glänzen kann auch Rumänien nur beim Preisniveau, da landet es auf Platz neun von 60. Die zweitbeste Wertung bekommt das osteuropäische Land für seine Beschäftigungsquote: Hier liegt es im internationalen Vergleich auf Rang 33. Fragt man Unternehmen, was sie am meisten am Wirtschaftsstandort Rumänien schätzen, nennen 78,7 Prozent die offene und freundliche Art der Menschen. Eine kompetente Regierung lobten dagegen nur 11,5 Prozent und ein wirksames Rechtssystem attestierte dem Land niemand. Dafür lobten immerhin 52,5 Prozent der Befragten die Dynamik der Wirtschaft. Quelle: dpa
Platz 54: GriechenlandAuch Griechenland gehört weiterhin zu den Sorgenkindern Europas, konnte sich aber binnen eines Jahres von Rang 58 auf 54 verbessern. Griechenland muss auch 2013 weiterhin daran arbeiten, seinen aufgeblasenen Verwaltungsapparat zu verkleinern und den Finanzsektor wieder auf die Beine zu bringen. Auch in puncto Korruptionsbekämpfung und Steuersystem hat das Land noch einiges an Arbeit vor sich. Dementsprechend rangiert Griechenland, gerade was die Gesamtsituation der heimischen Wirtschaft angeht, auf Platz 60 von 60 Staaten. Auch beim BIP-Wachstum und der Kreditwürdigkeit gibt es nur Platz 60. Allerdings hat sich in Griechenland seit dem letzten Ranking auch einiges verbessert: So konnte das Land sein Image, die Anpassungsfähigkeit der Regierungspolitik und die Staatfinanzen verbessern sowie die Bürokratie verringern. Unternehmen schätzen an Griechenland besonders die gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie das allgemein hohe Bildungsniveau. Quelle: dpa
Platz 46: PortugalBinnen eines Jahres ging es für Portugal im IMD-Ranking von Platz 41 runter auf 46. Jetzt soll die rezessionsgeplagte Konjunktur mit Steueranreizen aufgepeppelt werden. Bei Firmeninvestitionen von bis zu fünf Millionen Euro seien Steuererleichterungen von 20 Prozent möglich, sagte Finanzminister Vitor Gaspar. Die Investitionen in Portugal sind zwar binnen eines Jahres von 10,20 Milliarden Dollar auf 13,79 Milliarden gestiegen, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft dennoch weiter. 2012 betrug der Rückgang noch 1,6 Prozent, 2013 waren es schon -3,2 Prozent. Dafür steht Portugal sowohl bei der technischen als auch der wissenschaftlichen Infrastruktur recht gut da. 71,9 Prozent der ausländischen Unternehmer nennen die portugiesische Infrastruktur den attraktivsten Grund, in das Land zu investieren. Weltspitze ist Portugal bei dem Verhältnis Schüler pro Lehrer und den Einwanderungsgesetzen. Auch bei den Ingenieuren belegt Portugal im Ranking Platz vier. Nur Arbeit gibt es für die Fachkräfte kaum, am wenigsten für junge Menschen (Platz 59 bei Jugendarbeitslosigkeit). Auch die Forschung und Förderung von Wissenschaft und Technik, Fortbildungen, Erwachsenenbildung, Börsengänge und der Export gehören zu Portugals Schwächen. Quelle: dpa
Platz 45: SpanienSpanien ist binnen eines Jahres von Platz 39 auf 45 abgestiegen. Im Jahr 2007 stand das Land noch auf Platz 26 der stärksten Volkswirtschaften. Ein deutsche Hilfsprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro soll die angeschlagene spanische Wirtschaft wieder auf die Beine bringen. Derzeit kämpft Spanien besonders mit seiner hohen Arbeitslosenquote (Platz 60 von 60), den Staatsfinanzen (Platz 59) und seinen Verwaltungsverfahren (Platz 56). Auch bei der Langzeitarbeitslosigkeit, Kapitalkosten, Sprachkenntnissen, dem Bankensektor und der Förderung von jungen Unternehmen steht Spanien mehr als schlecht da. Allerdings ist auch auf der iberischen Halbinsel nicht alles schlecht. So ist beispielsweise der Warenexport Spaniens binnen eines Jahres um 1,7 Prozentpunkte gestiegen. Insgesamt schafft es Spanien in neun Wirtschaftsdisziplinen unter die weltweiten Top Ten: Bei den Zinssätzen belegt Spanien unter 60 Ländern Platz drei, bei der Wechselkursstabilität und den Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen jeweils Platz sechs, beim Export von Dienstleistungen Platz acht. Sowohl bei den Direktinvestments in die Aktien heimischer Unternehmen als auch der durchschnittlichen Lebenserwartung und grünen Technologien schafft es Spanien auf Platz neun und bei der Bilanzsumme des Bankensektors sowie der Arbeitsproduktivität Platz zehn. Quelle: dapd
Platz 28: FrankreichFrankreich dagegen, das ebenfalls wirtschaftlich zu kämpfen hat, konnte sich um einen Platz verbessern. Von Rang 29 ging es hoch auf 28. Trotzdem muss Frankreich seinen Arbeitsmarkt reformieren, wenn es die Erwerbsquote steigern möchte. Weitere Probleme der Grande Nation sind der stetig zunehmende Brain Drain, also das Abwandern von Fachkräften, das stagnierende Wirtschaftswachstum, die geringe Zahl der Beschäftigten, Arbeitsbedingungen und Wochenarbeitsstunden sowie die Haltung gegenüber der Globalisierung. Zu Frankreichs wirtschaftlichen Stärken gehören dagegen die Vertriebsinfrastruktur (Platz eins von 60), die Energieinfrastruktur und die Gesundheitsausgaben (jeweils Platz zwei) sowie die Direktinvestments in Aktien heimischer Unternehmen, der Export von Dienstleistungen, Investments in ausländische Aktien, die Gesundheitsinfrastruktur und die Zahl der Breitbandnutzer (jeweils Platz vier von 60). Insgesamt schaffte es Frankreich in 40 Kategorien 20 mal unter die Top Ten der Welt. Quelle: dpa
Platz 17: IrlandIrland, dass sonst gerne in einem Atemzug mit Italien und Spanien genannt wird, überholt sogar Frankreich, was die wirtschaftliche stärke angeht. Binnen eines Jahres konnte sich die grüne Insel im IMD World Competitiveness-Ranking um drei Plätze verbessern. Das liegt besonders an den gestiegenen Investments, dem herrschenden Zinssatz, dem Wirtschaftswachstum und der Wechselkursstabilität. Auch bei grünen Technologien hat sich Irland laut der Studie seit 2012 verbessert. Zu den besonderen Stärken des rund 4,6 Millionen Einwohner starken Landes gehören Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen sowie deren Haltung gegenüber der Globalisierung, die Telefontarife, Belohnungen und Anreize für Investoren, dementsprechend auch die Anzahl an ausländischen Investoren und die Vergabe öffentlicher Aufträge (jeweils Platz eins von 60.) Schlecht steht es allerdings auch in Irland um die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, sowie das BIP pro Kopf bestellt. Quelle: dpa

Eine Studie der University of Southern California (USC) hat sich mit dem Heizproblem in Griechenland beschäftigt. Das Ergebnis: Die Wirtschaftskrise führt zu einer Luftverschmutzungskrise. Amerikanische und griechische Forscher haben herausgefunden, dass die Konzentration von Staubpartikeln in den wirtschaftlich am schwersten getroffenen Gebieten seit Beginn der Finanzkrise um 30 Prozent gestiegen ist.

Das hat möglicherweise langfristige gesundheitliche Auswirkungen. Denn die feinen Partikel haben weniger als 2,5 Mikrometer im Durchmesser. Das ist grade einmal 1/30 vom Durchmesser des menschlichen Haares. Dadurch dringen die Partikel tief in das Gewebe der Lunge ein.

Ölpreise und Arbeitslosigkeiten steigen

Frühjahrstipps zum Heizöl
Heizung runterdrehen, statt ausschaltenDie Heizung sollten Verbraucher nicht zu früh ausschalten. Im Frühling schwanken die Außentemperaturen meist sehr stark. Nach einem Kälteeinbruch benötigt die Heizung zusätzliche Anschub-Energie, um das gewünschte Temperaturniveau wieder zu erreichen. Quelle: 4iMEDIA; Total Deutschland Quelle: dpa
InspektionDas Frühjahr bietet sich an, um den Heizöltank einer Inspektion zu unterziehen. Beispielsweise kann eine Überprüfung des Grenzwertgebers, der vor Überfüllung des Tanks schützt, vor bösen Überraschungen bei der nächsten Öllieferung schützen. Wurde das Bauteil vor 1984 hergestellt, sollte ein Fachmann den Grenzwertgeber prüfen und gegebenenfalls austauschen. Quelle: Fotolia
ÖltankreinigungSpätestens nach zehn Jahren ist eine Öltankreinigung fällig. Der Frühling ist ein günstiger Zeitraum dafür, weil der Tank meist leer ist. Hausbesitzer sollten eine spezialisierte Firma damit beauftragen und keinesfalls selbst Hand anlegen. Quelle: Creative Commons-Lizenz
Erneuerung der HeiztechnikSteht der Austausch der Heizungsanlage bzw des Brenners an, sollten jetzt schnell Angebote eingeholt werden. Dem Institut für Wärme und Öltechnik zufolge geht bei einer veralteten Ölheizung bis zu ein Drittel der Energie verloren. Die Modernisierung der Heizungsanlage spart auf Dauer bares Geld, die Maßnahme amortisiert sich meist nach weniger als zehn Jahren. Dafür gibt es auch staatliche Finanzhilfe und Fördermittel, etwa vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle oder der Staatsbank KfW. Quelle: Fotolia
Im Preistief Öl bestellenEs ist ratsam, vor der Nachbestellung des Heizöls die Preisentwicklung genau zu beobachten. Eine geeignete Möglichkeit ist die Orientierung am Wunschpreis. Einige Mineralölhändler bieten diesen Service bereits im Internet an. Einfach den Wunschpreis eintragen und bei Erreichen die Bestätigung online erhalten. Quelle: dpa
GemeinschaftsbestellungBei der Bestellung größerer Mengen von Heizöl gewähren viele Heizölanbieter Rabatte. Beim Auffüllen der Vorräte lohnt es sich daher, in der Nachbarschaft den Heizölbedarf abzufragen, um dann gemeinsam eine größere Menge zu bestellen. Durch kürzere Anlieferwege können den Kunden oftmals lohnende Preisnachlässe gewährt werden. Quelle: dpa
Frühjahrsangebote beim ÖlEinige Heizölhändler werben in Frühjahr und Sommer mit Rabatten oder Zugaben. Verbraucher sollten öfter die Zeitung zur Hand nehmen oder im Internet nach regionalen Angeboten suchen. Quelle: dpa

„Die Menschen müssen sich warm halten, aber die steigende Arbeitslosigkeit und die steigenden Energiekosten machen ihnen zu schaffen“, erklärt Constantinos Sioutas, Leiter der Studie, in der Zeitschrift „Environmental, Science and Technology“. „Das Problem ist, dass die wirtschaftliche Not die Bewohner zwingt, qualitativ schlechte Kraftstoffe wie Holz und Abfall zum Heizen zu nutzen. Das verschmutzt die Umwelt.“ Besonders nach der Arbeit, wenn viele Menschen zuhause sind, steigt die Luftverschmutzung. „Holz ist billig, hat aber eine erheblich negative Auswirkung auf die Luftqualität“, sagte Sioutas.

Die Studie verdeutlicht, dass sich die Ölpreise in den vergangenen Jahren verdreifacht haben. Gleichzeitig steigt aber auch die Arbeitslosigkeit immer weiter. Momentan liegt die Quote bei rund 28 Prozent. Das ist höher als in allen anderen EU-Staaten. In der Euro-Zone war sie mit 12,1 Prozent im Oktober nicht einmal halb so hoch. Obwohl Griechenland seit 2010 von seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Hilfszusagen über 240 Milliarden Euro finanziell unterstützt wird, haben viele Einwohner vermehrt finanzielle Probleme.

Europa



Das zeigt sich an den Zahlen, berichtet die "Welt". Während diesen Winter 44 Prozent nicht heizen, waren es im vergangenen Jahr in Athen 11 Prozentpunkte weniger.

Um dem entgegenzuwirken, beschloss die griechische Regierung Ende 2013 eine neue Verordnung: Sobald erhöhte Werte von Staubpartikeln in der Luft gefunden werden, soll der Strom für Arbeitslose und notleidende Familien am betreffenden und an dem darauffolgenden Tag kostenlos sein. Anspruch sollen nach Angaben des Umweltministeriums alle Familien mit einem Jahreseinkommen von weniger als 12.000 Euro haben. Mit jedem Kind steige diese Grenze um 3000 Euro, hieß es.

(Mit Material von dpa) 

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