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Luxemburg Juncker sieht keinen Grund für Rücktritt

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Karriereende schwer vorstellbar

Politiker vor und nach dem Rücktritt
Christian WulffDer ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hält am 21. November 2012 auf Einladung der Hochschule für Jüdische Studien an der Uni Heidelberg seine erste größere öffentliche Rede seit seinem Rücktritt im Februar 2012. Wulff stürzte über die sogenannte "Causa Wulff" - selbst die Staatsanwaltschaft ermittelte bereits wegen der ungeklärten Finanzierungen privater Aufenthalte und drohte ihm mit der Aberkennung seiner politischen Immunität. Anschließend machte seine Frau mit ihrem Streit mit dem Suchmaschinenriesen Google und der Veröffentlichung ihre Buches von sich Reden. Quelle: AP
Karl Theodor zu GuttenbergDer ehemalige Verteidigungsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg gab vergangenes Jahr wegen seiner Plagiatsaffäre um seinen ermogelten Doktortitel sämtliche politischen Ämter ab. Seit dem Dezember 2011 ist er ehrenamtlicher Berater der EU-Kommissarin für die "Digitale Agenda". Es gibt Gerüchte, dass KTG ins Europa-Parlament einziehen möchte, einen politischen Neubeginn "auf der untersten Ebene" hat er jedenfalls ausgeschlossen. Quelle: AP
Horst KöhlerDer Ökonom und CDU-Politiker Horst Köhler war sechs Jahre lang deutscher Bundespräsident, bis er wegen seinen Äußerungen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan (" dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege") in die Kritik geriet. Im Mai 2010 nahm er deshalb seinen Hut. Bis auf eine Rede an der Universität Tübingen hielt er sich nach seinem Rücktritt bedeckt. Köhler ist jedoch Schirmherr mehrerer wohltätiger Verbände und Stiftungen wie des Wettbewerbs Jugend forscht oder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Quelle: AP
Ulla SchmidtDie SPD-Politikerin Ulla Schmidt musste im Oktober 2009 ihre Job als Gesundheitsministerin an den Nagel hängen, weil sie ihren Dienstwagen samt Fahrer im Urlaub benutzt und sich das Auto dann auch noch hat stehlen lassen. Seit Februar 2010 ist sie als Abgeordnete der SPD im Bundestag Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der NATO und ehrenamtliches Mitglied der deutschen UNESCO-Kommission. Sie sitzt außerdem in zahlreichen Ausschüssen. Quelle: AP
Rudolf ScharpingRudolf Scharping hatte eine sehr ansehnliche Politkarriere absolviert: drei Jahre lang Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, dann vier Jahre lang Verteidigungsminister, zwischendrin war er noch Bundesvorsitzender der SPD und Kanzlerkandidat. 2002 stolperte er allerdings endgültig über seine Affären: Die Fotos, die ihn und seine Lebensgefährtin im Pool beim Plantschen zeigten, während seine Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, gaben ihm den Rest und er trat zurück. Seit 2005 ist er Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer. Quelle: AP
Lothar SpäthLothar Späth war lange Jahre Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg. Von 1978 bis 1991 hatte er das Amt inne. Dann stolperte er über die sogenannte "Traumschiff-Affäre": Er hatte sich Urlaubsreisen sponsern lassen. Der CDU-Politiker trat zurück und wurde im Juni 1991 Geschäftsführer der Jenoptik GmbH in Jena. Quelle: dpa
Rezzo SchlauchDer ehemalige Grünenpolitiker Rezzo Schlauch arbeitet derzeit als Anwalt und sitzt im Beirat des Energieversorgers EnBW. Seine politische Karriere musste er aufgeben, weil er dienstlich erworbene Flugmeilen für einen Urlaub genutzt hatte. Aus dieser Affäre wäre er vielleicht noch heil heraus gekommen, hätte er nicht seinen Parteikollegen Cem Özdemir für das gleiche Vergehen massiv kritisiert. Quelle: AP

So lange Luxemburg wirtschaftlich florierte, schien das niemanden zu stören. Doch in den vergangenen Jahren hat das Großherzogtum, mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, auch wenn es das wohlhabendste Land der EU bleibt. Das Land kämpft mit der Abwanderung von Industrie. Obwohl alle politischen Parteien sich einig sind, Luxemburg als Finanzplatz zu erhalten, ist schwer vorhersehbar, welche Folgen die jüngst angekündigte Aufgabe des Steuergeheimnisses hat.

In diesem Jahr wird Luxemburgs Wirtschaft nach Schätzungen der EU-Kommission gerade einmal um 0,8 Prozent wachsen, nach einem noch schwächeren Plus von 0,3 Prozent im vergangenen Jahr. Die Staatsverschuldung lag im europäischen Vergleich 2012 mit 20,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwar extrem niedrig, tendiert aber nach oben. Für das kommende Jahr prognostiziert die EU-Kommission einen Anstieg auf 25,2 Prozent des BIP.

Juncker hat sich in den vergangenen Jahren relativ wenig um die heimischen Probleme gekümmert, da er bis zum Beginn des Jahres als Eurogruppen-Chef mit der Rettung der Währungsunion vollauf beschäftigt war. "Niemand macht sich eine Vorstellung davon, welche Belastung mit diesem Amt verbunden war", sagt ein hoher EU-Beamter. Juncker verbrachte immer wieder gesamte Arbeitstage am Telefon, um die Rettungsaktionen für Griechenland und die anderen Programmländer zu koordinieren.

Europa



Die Geheimdienstaffäre war einer der Gründe, warum Juncker den Vorsitz der Eurogruppe niederlegte. Der 58-Jährige ist aber auch gesundheitlich angeschlagen und kokettiert in der Öffentlichkeit schon mal mit seinen Nierensteinen. Weniger offen geht er mit seinem Verhältnis zum Alkohol um. Wer als Journalist schreibt, er hänge "an der Flasche", muss mit Repressalien rechnen. In Brüssel kursieren Anekdoten, wie er mit seinem suchthaften Zigarettenkonsum bei EU-Gipfeln Feueralarm im Justus-Lipsius-Gebäude auslöste.

Angesichts seines ausgeprägten Egos ist es schwer vorstellbar, dass Juncker seine Karriere beendet und mit noch nicht einmal 60 Jahren zum Politrentner wird..

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