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Macron lädt nach Versailles „Das ist schon eine besondere Veranstaltung“

Um den Investitionsstandort Frankreich zu bewerben, lädt Macron rund 200 Unternehmenschefs zum Dîner ins Schloss Versailles. Seit einigen Wochen wir gegen die Reformpläne des Staatschefs gestreikt. Quelle: REUTERS

Frankreich streikt seit Wochen gegen den Staatschef und dessen Reformpläne. Fast 200 Unternehmenschefs nehmen seine Einladung dagegen gerne an. Im Vorfeld des Wirtschaftsforums im Schweizerischen Davos lässt Emmanuel Macron heute Abend für sie zum dritten Mal den Tisch im Königsschloss Versailles decken. Der Präsident will Werbung für den Investitionsstandort Frankreich machen. Der ständige zweite in Europa hinter Deutschland soll auf das Siegerpöstchen. Aus Deutschland reist unter anderem Hans-Dieter Kettwig nach Versailles, der Geschäftsführer des Windanlagen-Herstellers Enercon aus Aurich. Die WirtschaftsWoche hat ihn vorab nach seinen Erwartungen gefragt.

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Herr Kettwig, der französische Präsident hat Sie zum Dîner ins Königsschloss von Versailles eingeladen. Fühlen Sie sich geehrt?
Keine Frage, das ist schon eine besondere Veranstaltung. Vor allem freuen wir uns über die Gelegenheit, der höchsten Staatsebene die für uns wichtigen Belange wie Energiewende und Klimaschutz in Frankreich vortragen zu können.

Sie sind nicht zum ersten Mal dabei. Wie darf man sich den Rahmen vorstellen?
Bei dem Treffen handelt es sich um einen regelmäßig stattfindenden Austausch des französischen Präsidenten mit ausgewählten Vertretern großer internationaler Unternehmen. Man stellt seine Aktivitäten vor, unterhält sich über relevante Themen und tauscht Meinungen dazu aus.

Da wird nicht nur diniert. Der ganze Tag in Versailles steht unter dem Motto „Choose France“. Der französische Präsident möchte Investoren anlocken. Was macht Frankreich für Enercon attraktiv?
Frankreich engagiert sich für Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Der Ausbau der Onshore-Windenergie spielt bei der Umsetzung der Energiewende eine zentrale Rolle. Wir wollen unser Engagement in Frankreich gerne verstärken und das Land darin unterstützen, die Energiewende zum Erfolg zu führen.

Hans-Dieter Kettwig, Geschäftsführer des Windanlagen-Herstellers Enercon, ist zum Dîner ins Schloss Versailles eingeladen. Frankreich gehört zu den Kernmärkten des Unternehmens. Quelle: PR

Frankreich ist der wichtigste Auslandsmarkt für Enercon. Seit 2003 haben Sie dort - inklusive Überseegebiete - rund 2000 Windenergieanlagen installiert. In Deutschland herrscht dagegen Flaute, trotz Klimaschutzpaket. Sind die Bedingungen im Atomstromland Frankreich tatsächlich besser?
Frankreich gehört zu unseren internationalen Kernmärkten mit überwiegend positiven Rahmenbedingungen. Auch im vergangenen Jahr konnten wir daher unsere Installationen dort auf einem zufriedenstellenden Niveau halten, während unser Heimatmarkt in eine schwere Krise geriet und der Aufbau neuer Anlangen nahezu zum Erliegen kam. Aber die Onshore-Windindustrie steht auch in Frankreich vor zunehmenden Herausforderungen – Veränderungen beim Vergütungssystem, steigender Kostendruck, Fragen zur Akzeptanz …, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Branche muss sich auch in Frankreich auf einen Wandel einstellen.

Können Sie dem französischen Präsidenten schon weitere konkrete Projekte ankündigen?
Wir wollen gegenüber Präsident Macron unsere Bereitschaft bekräftigen, unser Engagement in Frankreich zu verstärken. Frankreich wird innerhalb unserer Neuausrichtung auf internationale Märkte eine besondere Rolle spielen. Wir pflegen unsere Kontakte zu unseren Kunden, darunter auch große Energieversorger wie EDF und Engie, die sich mittlerweile sehr stark den Erneuerbaren zuwenden.

Wollen Sie dort auch produzieren?
Wir arbeiten bereits mit einem exklusiven Produktionspartner in Frankreich zusammen. In Longueil-Sainte-Marie (rund 80 Kilometer nördlich von Paris, Anm. d. Red) lassen wir seit 2012 Betonsegmente für Hybridtürme herstellen und sorgen damit für erhebliche Wertschöpfung vor Ort. Weitere tiefere Wertschöpfung ist derzeit nicht geplant.

Frankreich ist für seine streikwilligen Gewerkschaften bekannt, wie man seit Anfang Dezember wieder sieht. Schreckt Sie das als Unternehmer nicht ab?
Nein. Als global tätiges Unternehmen müssen wir uns auf eine Vielzahl an länderspezifischen Besonderheiten einstellen.

Deutsche Unternehmer sind häufig beeindruckt, wie sehr sich Politiker in Frankreich für das Vorankommen der Wirtschaft in ihrem Land engagieren. Fehlt Ihnen das manchmal in Deutschland?
Die europäische Windindustrie kämpft auf einem immer globaleren Weltmarkt um Marktanteile. Das Engagement von Präsident Macron, auch im Hinblick auf eine echte europäische Industriepolitik, ist wichtig und begrüßenswert. Strategische Zukunftsbranchen wie die Windindustrie in Europa zu halten, muss oberste Priorität einer solchen Industriepolitik sein.

Sollte es so etwas wie ein Dîner in Versailles auch in Deutschland geben?
Ich denke nicht, dass es in Deutschland daran mangelt, dass zu wenig geredet wird. Im Gegenteil: Vor dem Hintergrund des massiven Markteinbruchs hat es allein in den vergangenen Monaten etliche Krisentreffen auf Bundes- und Landesebene gegeben. Viele konstruktive Lösungsvorschläge wurden dabei diskutiert. Nun müssen wir gemeinsam in die Umsetzung kommen. Daran müssen wir zügig arbeiten, dann wird es auch in Deutschland onshore weitergehen können.

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