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Mario Draghi EZB-Chef will im Herbst über Anleihenkäufe beraten

Der Druck wächst, doch Europas Währungshüter halten den Kurs. Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent. Im Herbst will die EZB jedoch über ihre stärkste geldpolitische Waffe, die Anleihenkäufe, beraten.

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Mario Draghi, EZB-Präsident Quelle: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt vorerst in Deckung, will im Herbst aber über die Zukunft der Anleihenkäufe beraten. Die Währungshüter hielten am Donnerstag auf ihrer Ratssitzung in Frankfurt an der Option fest, ihr billionenschweres Kaufprogramm im Notfall erneut zu verstärken.

Die Diskussion über die Zukunft der vor allem in Deutschland umstrittenen Transaktionen solle "im Herbst geführt werden", sagte EZB-Chef Mario Draghi. Sie sind derzeit die stärkste geldpolitische Waffe der Notenbank im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation. Offen blieb aber, wann eine Entscheidung fallen könnte.

Dies zeige, "dass es die EZB mit der geldpolitischen Wende nicht besonders eilig hat", kommentierten die Volkswirte der Landesbank Helaba. Der Aktienmarkt reagierte erleichtert. Der Dax weitete seine Gewinne aus und lag zeitweise ein Prozent im Plus.

Im Juni hatte die EZB einen ersten Mini-Schritt in Richtung Kurswende gewagt und weitere Zinssenkungen vorerst ausgeschlossen. Manche Experten hatten nun einen zweiten kleinen Schritt erwartet.

"Ein sehr erhebliches Ausmaß an Konjunkturförderung ist immer noch nötig", sagte Draghi. Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone müsse sich erst noch in höheren Inflationsdaten niederschlagen. Die Teuerung werde für einige Monate auf dem aktuellen Niveau verharren.

Diesen Ländern droht die Überschuldung
LibanonIn den vergangenen 50 Jahren gab es eine starke Landflucht, sodass die meisten Libanesen in den Städten wohnen. Die Hauptstadt Beirut hat rund 1,5 Millionen Einwohner. Insgesamt leben im Libanon rund vier Millionen Menschen. Quelle: dpa
Die Staatsschulden betragen 140 Prozent des BIP – der Libanon gehört damit zu den am höchst verschuldetsten Ländern der Welt. Etwa 40 Prozent der Staatsausgaben werden allein für Zinsen und Schuldentilgung aufgewendet. Auch Subventionen für den staatlichen Energieversorger sowie die Lohnausgaben für dem öffentlichen Sektor belasten die Staatskasse erheblich. Quelle: dpa
Auch die Flüchtlingskrise belastet den Staatshaushalt stark: Im Libanon befinden sich momentan mehr als eine Millionen registrierte Flüchtlinge. Für ein Land mit vier Millionen Einwohnern kaum zu stemmen. Darüber hinaus leidet das Land unter Korruption und einem ineffizienten Verwaltungssystem. Ein vor kurzem veröffentlichter Dokumentarfilm der Heinrich-Böll-Stiftung bezeichnete den arabischen Mittelmeerstaat als „tickende Zeitbombe“. Quelle: AP
Der Libanesische Bürgerkrieg dauerte von 1975 bis 1990 und forderte etwa 90.000 Todesopfer. In dieser Zeit flohen rund 800.000 Libanesen aus dem Land. Im Jahr 2006 befand sich der Libanon für 33 Tage im Krieg mit Israel, nachdem die islamische Miliz Hisbollah eine Militärbasis in Israel mit Raketen angegriffen hatte, worauf Israel wiederum mit Luftangriffen reagierte. Quelle: dpa
Auch Jordanien ist von der Flüchtlingskrise besonders stark betroffen. In dem syrischen Nachbarland befinden sich 600.000 Syrer sowie 60.000 Iraker. Für ein Land mit 6,6 Millionen Einwohnern nicht finanzierbar. Jordanien ist somit auf internationale Hilfsgelder angewiesen, die jedoch nur schleppend fließen. Quelle: dpa
Nach der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 sowie dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde Jordanien zum Aufnahmeland für palästinensische Flüchtlinge. Heute sind schätzungsweise die Hälfte der Jordanier palästinensischer Abstammung. Jordanien ist stark von Energieimporten abhängig: Wichtig ist besonders Erdgas, das Ägypten bisher zu Vorzugspreisen geliefert hat. Da durch die Anschläge auf die Erdgaspipeline auf dem Sinai nur noch sehr eingeschränkt Erdgas von dort bezogen werden kann, muss Jordanien seither Schweröl und Diesel aus der Region zu Weltmarktpreisen zukaufen – mit Auswirkungen auf den Staatshaushalt. 2015 betrug die Staatsverschuldung 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2011 waren es noch 71 Prozent gewesen. Zudem macht eine hohe Arbeitslosenquote dem Land zu schaffen. Quelle: dpa
Die verlassene Felsenstadt Petra gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist von großer Bedeutung für den jordanischen Tourismus. Wasser ist in Jordanien ein rares Gut: Das Königreich gehört zu den fünf wasserärmsten Ländern der Welt. Quelle: dpa

Im Juni lag sie im Währungsgebiet lediglich bei 1,3 Prozent. Die EZB strebt aber knapp zwei Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an. "Wir müssen beständig sein und geduldig, weil wir noch nicht da sind", so Draghi.

Ihren Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließen die Euro-Wächter auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder erwerben seit März 2015 Staatsanleihen und andere Wertpapiere - momentan 60 Milliarden Euro pro Monat. Dieses Tempo soll noch bis mindestens Ende 2017 beibehalten werden. Das Gesamtvolumen ist auf 2,28 Billionen Euro angelegt.

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