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Mehr Insolvenzen in der Türkei Erdogan, Präsident der Krise

Türkei: Zahl der Unternehmens-Insolvenzen steigt Quelle: AP

In der Türkei steigt die Zahl der Insolvenzen. Die Regierung in Ankara tut so, als sei die Krise bereits überstanden. Dabei könnte das Schlimmste noch bevorstehen.

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Von Insolvenzen könne keine Rede sein, betont Necmettin Kaymaz von der Agentur Turkey Invest vor einer Gruppe deutscher Journalisten in Istanbul. Die Zahl, es seien so um die 300 Unternehmen, liege absolut im Rahmen normaler wirtschaftlicher Aktivität. Lieber verweist er auf die langfristigen Potenziale der Türkei: die junge Bevölkerung, die Brückenfunktion zwischen Ost und West, die niedrige Staatsverschuldung.

Gestiegene Importpreise? Kemal Yillikci, Direktor des größten türkischen Flugzeugherstellers Turkish Aerospace Industries, (TAI) zuckt mit den Schultern. „Natürlich sind unsere Kosten gestiegen, aber die geben wir eben an unsere Kunden weiter.“ Unsere Kunden? Das ist die türkische Regierung.

Etwas über drei Monate ist es nun her, dass die türkische Lira innerhalb weniger Tage abstürzte. Anlass war ein Disput zwischen Washington und Ankara über einen inhaftierten amerikanischen Pastor. Weil der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan dessen Freilassung ablehnte, kündigte US-Präsident Donald Trump Strafzölle via Twitter an. Politik 2018 eben. Die türkische Lira rauschte daraufhin um über 20 Prozent abwärts.

Die tiefere Ursache der Krise findet sich jedoch unter anderem in den steigenden Zinsen in den USA. Das führt dazu, dass aus allen Schwellenländern Kapital abfließt. Ähnlich erging es in den vergangenen Monaten auch Argentinien, Indien oder Mexiko. In der Türkei aber befeuerte der Präsident die Krise immer wieder, indem er die Unabhängigkeit der Zentralbank in Frage stellte. Erdogan sieht eine internationale Zinslobby am Werk, die die Türkei kleinhalten will. Hohe Zinsen seien ein Mittel, um das Wachstum zu bremsen. Zumindest sagt er das gegenüber seinen Wählern. Durch die gefallene Lira aber gerieten türkische Unternehmen unter großen Druck. Die sind mit über 240 Milliarden Dollar im Ausland verschuldet. Durch den Kursverfall sprangen die Zinslasten massiv an.

Inzwischen ist der amerikanische Pastor frei, die Zentralbank hat die Zinsen auf 24 Prozent angehoben und die türkische Lira sich tatsächlich erholt. Für einen Euro bekommt man mittlerweile noch sechs türkische Lira. Auf dem Höhepunkt der Krise im August waren es zeitweise acht Lira. Berat Albayrak, seit Mai türkischer Finanzminister und seit 2004 Schwiegersohn von Präsident Erdogan, verkündete vor zwei Wochen, man habe die „ökonomische Attacke abgewehrt“. Ist die Krise also vorüber?

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