WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Meisterflüsterer Auf der Suche nach einer neuen Strategie für Frankreich

Jean Pisani-Ferry versucht bei Frankreichs Präsident François Hollande die Reformlust zu wecken. Er weiß, dass er einen langen Atem braucht.

Francois Hollande Quelle: dpa

Angela Merkel gehört sicher nicht zum Fan-Club von Jean Pisani-Ferry. Dessen Forderung, Euro-Bonds als „natürliche Gegenleistung“ für die Vorabkontrolle der nationalen Haushalte durch die EU-Kommission einzuführen, stößt bei der Kanzlerin auf Widerstand. Eine Vergemeinschaftung der Risiken in der Währungsunion? Das liegt jenseits der roten Linie der Kanzlerin.

Was die Deutschen mit Frankreich verbinden
Was die Deutschen mit den Franzosen verbindenAm 22. Januar jährt sich der Elysee-Vertrag zum 50. Mal. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Botschaft am Montag in Paris das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Deutschen den französischen Nachbarn identifizieren. Quelle: dpa
Wir Deutschen erinnern uns gerne an die Dinge, die in der langen Beziehung mit Frankreich über den Rhein zu uns kamen: Vor allem an die französische Küche. Egal ob Käse, Austern (im Bild) oder Coq au Vin - La cuisine francaise zählt zu den Begriffen, die am häufigsten bei der Umfrage genannt wurden. Quelle: REUTERS
Die Baguette wurde bei 27 Prozent der Befragten am häufigsten genannt.
Auch an Wein denken die Deutschen besonders häufig, nämlich 32 Prozent der Befragten. Nicht verwunderlich: Weine aus Frankreich dominieren den Weltmarkt. Im Bild: Eine Degustation in Beaune, im Weingebiet Burgund. Quelle: REUTERS
Auch oft genannt: Der Eiffelturm, das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. 37 Prozent der Befragten dachten spontan als erstes an dieses Monument aus Stahl und Schrauben, das im 19. Jahrhundert gebaut wurde. La Tour Eiffel zählt zu den größten Touristenmagneten der Stadt. Quelle: Reuters
Auf dem ersten Platz: Die Hauptstadt Paris, die bei 56 Prozent der Befragten als erstes genannt wird. Das wirtschaftliche und politische Zentrum Frankreichs verbindet wie wenige Hauptstädte auf der Welt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Landes. Der Arc de Triomphe und das Büroviertel La Défense (beides im Bild) sind ein gutes Beispiel dafür. Quelle: REUTERS

Der französische Präsident François Hollande und Ministerpräsident Manuel Valls schätzen Pisani-Ferry dafür umso mehr. Der Ökonomieprofessor und Gründer des einflussreichen Brüsseler Thinktanks Bruegel ist seit 2013 ihr Strategieberater. Doch wer glaubt, Pisani-Ferry würde den regierenden Sozialisten nach dem Mund reden oder Argumentationshilfe für Reformschwächen und die notorischen Überschreitung der Verschuldungsgrenze liefern, der irrt. „Seit 15 Jahren macht Frankreich Versprechungen und hält sie nicht“, kritisiert der 63-Jährige. Das Land habe „ein schweres Glaubwürdigkeitsproblem“. Hollande hielt die Kritik nicht davon ab, 2014 persönlich eine Studie bei Pisani-Ferry in Auftrag zu geben, die einen passenden Titel trägt: „Frankreich in zehn Jahren: Die Baustellen des Jahrzehnts“.

Der Sohn des ehemaligen Ministers Edgar Pisani studierte zunächst Ingenieurwissenschaften und Mathematik, ehe er die Ökonomie entdeckte. „Unser Ziel ist nicht, es allen recht zu machen“, sagt der Ökonom über sich und seinen Stab von 40 Mitarbeitern bei France Stratégie. Die von ihm geführte Behörde hat die Aufgabe, Gesetzesvorhaben zu begleiten, aber auch Perspektiven zu liefern, die über eine Legislaturperiode hinausreichen .„Wir sind Wegbereiter und stoßen Debatten an, die zu Veränderungen führen können.“ Gerade erst hat seine Truppe eine Studie vorgelegt, dass bis 2022 jährlich bis zu 830 000 neue Stellen vor allem in Pflegeberufen und im IT-Sektor geschaffen werden könnten.

Der in Boulogne-Billacourt südwestlich von Paris geborene Familienvater ist überzeugter Europäer und Sozialdemokrat. Beide Eigenschaften sind in einem Land, das die EU zunehmend als Fußfessel für den großzügigen Sozialstaat empfindet und Sozialdemokraten als in Wolle gewaschene Konservative ansieht, keine natürlichen Voraussetzungen für eine Karriere unter einer sozialistischen Regierung. Ist seine Berufung also ein Zeichen, dass der Reformwille bei Hollande nicht ganz verschwunden ist?

So erhielt Pisani-Ferry etwa die Aufgabe, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer der wichtigsten, aber auch umstrittensten Reformen der Regierung zu bewerten: die steuerliche Entlastung der Arbeitgeber um Milliardenbeträge, wenn sie neue Jobs schaffen. Auch die Notwendigkeit der zum Jahreswechsel im Parlament verabschiedeten Gebietsreform hat er mit Fakten untermauert. Unter anderem im Elsass, das nicht mit den finanziell schwächeren Regionen Lothringen und Champagne-Ardennes fusionieren wollte, nahm er Kritikern den Wind aus den Segeln. Ab 2016 soll Frankreich nur noch 13 statt 22 Regionen haben und so mittelfristig zehn Milliarden Euro an Verwaltungskosten sparen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%