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Nach der Parlamentswahl in Griechenland Was die griechische Wirtschaft bremst

Griechenland hat gewählt: Das Linksbündnis Syriza hat bei der Parlamentswahl einen historischen Wahlsieg errungen. Die nächste Megabaustelle wartet aber schon.

Griechenland ist am schlechtesten in die EU integriert
Mann mit griechischer Flagge Quelle: dapd
Blick auf Warschau Quelle: dpa
Blick auf Riga Quelle: dpa
Blick auf das ungarische Parlament Quelle: dpa
Platz in Vilnius, Litauen Quelle: AP
Ein Mädchen winkt mit der schwedischen Flagge Quelle: dpa
Urmas Paet und Frank-Walter Steinmeier Quelle: dpa

Die offizielle Ankündigung klang vielversprechend. Vor einem Jahr gelobte die damalige griechische Regierung, Exporteuren binnen 90 Tagen die Mehrwertsteuer zurückzuerstatten, die sie auf Materialien und Vorprodukte zahlen müssen. Die Realität heute sieht anders aus. „Ich habe Kunden, die warten seit 350 Tagen auf die Rückerstattung“, sagt Exportberater Aris Sklavounos, Gründer der Export Academy in Athen.

Weil es um immerhin 23 Prozent auf den Wert von Vorprodukten geht, suchen griechische Unternehmen nach Notlösungen. „Olivenölproduzenten kaufen ihre Korken nun in Portugal, weil sie bei Importen von der Mehrwertsteuer befreit sind“, erzählt Sklavounos. „Es ist absurd, dass der Staat solche falschen Anreize setzt.“

Reaktionen in den Medien

Das Beispiel illustriert, wie lang der Weg Griechenlands bis zu einer wirtschaftlichen und politischen Gesundung noch ist. Erst recht nach der Parlamentswahl, bei der das Linksbündnis Syriza einen historischen Wahlsieg errang. Denn die nächste Baustelle wartet schon.

Im Jahr sechs der griechischen Krise gibt es zwar Fortschritte bei der Haushaltspolitik. 2015 könnte die öffentliche Hand – wenn die bisherige Planung nicht über den Haufen geworfen wird – erstmals seit 40 Jahren kein Defizit mehr aufweisen. Aber das Wirtschaftswachstum stockt nach wie vor, auch weil es an Exporten fehlt, ohne die keine nachhaltige Erholung möglich ist. Mehr noch: In vielen Bereichen ist Hellas von Importen abhängig und kann sich nicht selbst versorgen. Die neue Regierung muss sich dringend um dieses Problem kümmern, das in der öffentlichen Debatte viel zu wenig thematisiert wird.

Griechenlands Schwächen

Andere Krisenländer haben die Wende dank eines Exportbooms geschafft. Irland, Spanien und Portugal weisen mittlerweile Exportüberschüsse aus. Griechenland dagegen hat sein Leistungsbilanzdefizit nur geschrumpft, indem es die während der Boomjahre aufgeblähten Importe zurückfuhr. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen dümpeln real auf dem Niveau von 2008. Kein Land in der EU führt relativ zur Wirtschaftsleistung so wenig aus wie Griechenland, Tourismus und Schifffahrt eingerechnet.

Ökonomen der EU-Kommission haben errechnet, dass Griechenlands Ausfuhren ein Drittel unter dem Wert liegt, der angesichts seines Bruttoinlandsprodukts, der Größe seiner Handelspartner und deren Entfernung zu erwarten wäre. „Entsetzlich schlecht“ lautet ihr Urteil über die griechische Exportleistung.

Kein Kredit von der Bank

Was sind die Ursachen? Exportberater Sklavounos kommt bei dem Thema aus dem Erzählen nicht mehr heraus. Vor knapp zwei Jahren hat sich der 49-Jährige selbstständig gemacht, nach fast zwei Jahrzehnten beim deutschen Baustoffhersteller Knauf. In Crashkursen macht er nun in seiner Export Academy im Athener Stadtteil Alimos, auf halbem Weg zwischen der Akropolis und dem alten Flughafen Ellinikon, Unternehmen fit für den Export.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Ein Problem ist der Mangel an großen Betrieben. Ein Drittel der Wertschöpfung findet in Unternehmen mit maximal zehn Mitarbeitern statt – in Portugal liegt der Anteil bei 22 Prozent, in Deutschland bei 15 Prozent. Selbst wenn Kleinunternehmen gute Ideen haben und im Ausland Kunden finden, fehlt es oft am Geld. „Die Banken sind nicht bereit, kleine und mittlere Unternehmen zu finanzieren“, beobachtet Sklavounos. Und die wenigen meist größeren Unternehmen, die an Kredite gelangen, zahlen dafür weit mehr als die europäische Konkurrenz. Griechische Firmen wendeten in den vergangenen vier Jahren drei Prozentpunkte mehr für einen Kredit auf als der Durchschnitt in der Euro-Zone, ermittelte die Europäische Zentralbank.

Meist haben die Banken jedoch gar kein Interesse an einem Geschäft. Sklavounos berichtet von einem Kunden, einem Spezialisten für Glaskuppeln, der bei der Bank eine Garantie für den Export an eine saudische Baufirma bekommen wollte. „Die Firma sollte 110 Prozent des Betrags deponieren, um die Garantie zu bekommen“, erinnert sich Sklavounos.

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