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Nach EZB-Entscheidung Finanzexperten warnen vor Enteignung der Sparer

EZB-Chef Mario Draghi darf künftig faktisch unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern kaufen, um deren Zinskosten nach unten zu drücken. Was Top-Geldprofis Anlegern jetzt raten.

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So sparen die Deutschen
„Die Deutschen sind für ihren enormen Spareifer bekannt. Umso erfreulicher ist es, dass noch mehr Menschen die Notwendigkeit erkannt haben, finanzielle Rücklagen zu bilden – gerade auch in wirtschaftlich stürmischen Zeiten wie aktuell“, sagt Bertil Bos, Managing Director der Bank of Scotland in Deutschland. In einer repräsentativen Studie hat das Meinungsforschungsinstitut das Spar- und Anlageverhalten der Bundesbürger untersucht. Dabei zeigten sich große Unterschiede in den einzelnen Regionen. Wie die Deutschen mit Geld umgehen, hängt auch von ihrem Wohnort ab. Doch gängige Vorurteile zeigten sich dabei nicht. Quelle: Sparerkompass Deutschland 2012Eine forsa-Studie im Auftrag der Bank of Scotland Quelle: dpa
Selbstbewusste BayernDie Einwohner Bayerns (41 %) halten sich häufig für „gut“ oder „sehr gut“ informiert. Männer sind dabei selbstbewusster als Frauen: 38 % der Männer geben an, beim Thema Finanzen „gut“ oder „sehr gut“ im Bilde zu sein. Gefragt worden war: „Wie schätzen Sie Ihren Informationsstand ein, wenn es um Finanzangelegenheiten und Geldanlagen geht?“ Quelle: dpa
Unsichere SchwabenDie Menschen in Baden-Württemberg (30 %) schätzen ihren Wissensstand besonders oft als „gering“ oder „sehr gering“ ein. Bei den Frauen fühlen sich nur 29 % umfassend informiert, dafür gibt fast jede vierte Bundesbürgerin (24 %) an, keine oder nur geringe Finanzkenntnisse zu besitzen. Das überrascht, denn eigentlich beurteilen die Menschen in Westdeutschland (34 %) ihr Finanzwissen etwas häufiger als „gut“ oder „sehr gut“ als die Bundesbürger im Osten der Republik (30 %). Gefragt worden war: „Wie schätzen Sie Ihren Informationsstand ein, wenn es um Finanzangelegenheiten und Geldanlagen geht?“ Im Bild: Blick auf Stuttgart mit dem Fernsehturm. Quelle: dpa
Geschickte Sachsen-AnhalterDie Menschen in Sachsen-Anhalt sind von ihrem Finanzgeschick überzeugt. Als „sehr gut“ bewerten ihren Umgang mit Geld 57 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt ihren Umgang mit Geld. Generell glauben die Bürger in Ostdeutschland (48 %) etwas häufiger als die Menschen im Westen der Republik (43 %), sehr gut mit Geld umgehen zu können. Frauen (47 %) sind dabei übrigens von ihrem Finanzgeschick etwas mehr überzeugt als Männer (40 %). Im Bild: Das Hundertwasserhaus in Magdeburg. Quelle: dpa
Fleißige RheinländerDie Menschen in Westdeutschland (58 %) geben häufiger an, regelmäßig Geld zurückzulegen als die Menschen im Osten der Republik (54 %). Am fleißigsten sparen die Rheinländer und Westfalen. Der Anteil der Menschen, die regelmäßig Geld zurücklegen, liegt in Nordrhein-Westfalen bei 63 Prozent – das ist Spitze. Im Bild: Die Rheinwiesen in Düsseldorf. Quelle: dpa
Faule BerlinerDie Berliner und die Brandenburger vergessen es am häufigsten, den Freistellungsauftrag für Zinserträge einzureichen. Sie sind zudem die faulsten Sparer. Der Anteil der Menschen, die regelmäßig Geld zurücklegen, liegt bei nur 42 Prozent. Im Bild: Der Berliner Reichstag. Quelle: dpa
Optimistische PfälzerDie Menschen in Rheinland-Pfalz (53 %) und in Hessen (47 %) bewerten ihre finanzielle Situation besonders häufig als „gut“ oder „sehr gut“. Im Bild: Der Mainzer Dom. Quelle: dpa

Dass die Europäische Zentralbank sich den gestern verkündeten Einschränkungen unterwirft (das Kaufprogramm soll nur  Ländern zugutekommen, die sich unter den Euro-Rettungsschirm begeben und ein Reformprogramm akzeptieren, die Liquiditätsschwemme soll außerdem sterilisiert, das Geld  also wieder eingesammelt werden), mögen die Märkte nicht so ganz glauben.

So viel kostet Europa

Die Börsen gehen davon aus, dass ­ reichlich Geld in die Märkte fließen wird, vor allem über Banken, die die Staatsanleihen an die EZB abdrücken. Der Dax hat dies Donnerstag und am Freitagmorgen mit dem Sprung über 7200 Punkte bereits vorweg genommen.

Aktien bleiben weiter attraktiv. Das sehen auch die Teilnehmer des WirtschaftsWoche-Anlage-Roundtables so. Die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Jens Ehrhardt, Pimco-Deutschland-Chef Andrew Bosomworth, Volkswirt Thomas Mayer und Pictet-Anlagestratege Alfred Roelli sind sich weitgehend einig, dass die Inflation anziehen dürfte, die Zinsen von den Notenbanken aber unten gehalten werden.

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    „Zinsen flach wie ein Brett im Wasser“

    Die Zentralbanken halten die Zinsen im Zusammenspiel mit den Regulierungsbehörden niedrig, sie „legen den Zins einfach flach wie ein Surfbrett im Wasser“, sagt Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer. Das Phänomen heißt „finanzielle Repression“: Die Staaten entwerten ihre Schulden und reduzieren ihre Zinslast ­ auf Kosten der Zinsanleger, die für ihre Investments weniger bekommen als die Inflationsrate, faktisch also langsam enteignet werden.

    „Wir bekommen negative Realzinsen, die Zeche zahlt der Sparer. Nur so wird die Entschuldung der Staaten funktionieren“, sagt Vermögensverwalter Bert Flossbach aus Köln.

    „Sachwerte kaufen“

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    Bargeld Quelle: Sebastian_Wolf
    Goldbarren und -münzenDas Edelmetall ist die Notfallreserve außerhalb des Finanzsystems schlechthin. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, hofft, dass er kleinere Goldmünzen gegen Lebensmittel oder Medikamente tauschen kann, wenn Banken ihn nicht mehr mit Bargeld versorgen. Verwahren Anleger ihr Gold allerdings im Bankschließfach, kann es nach einer Bankpleite dauern, bis sie Zugriff bekommen. In Krisenzeiten fällt der Goldpreis mitunter. Großanleger wie Hedgefonds müssen ihren Goldbestand verkaufen, um flüchtende Anleger auszuzahlen. Da in Panikphasen andere Anlagen wie Aktien oder Anleihen stark an Wert verlieren oder illiquide werden, ist Gold dann eine der wenigen Anlagen, die sie noch zu Geld machen können. Quelle: dpa
    Spareinlagen: Sparkassen/VolksbankenIhren Kunden versprechen Sparkassen, Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken, dass sie Pleiten der zu ihrer jeweiligen Gruppe gehörenden Institute im Vorfeld verhindern. Meist geschieht das über Fusionen von schwachen mit stärkeren Mitgliedern. Kommt es zu keiner Pleite, muss auch kein Geld gerettet werden. Dadurch sollen auch Zertifikate und Anleihen vor einem Totalverlust sicher sein. Das ist ein Unterschied zu anderen Einlagensicherungssystemen. Die Solidarität funktionierte bislang, könnte aber bei der Schieflage großer Institute überstrapaziert werden. Quelle: dpa
    Fresenius Quelle: Pressebild
    Deutsche Börse Quelle: dapd
    Investmentfonds Quelle: Wolfgang - S - Fotolia
    Sparschwein Quelle: Edel Rodriguez

    Entgehen könnten Anleger dem nur mit Aktien, so der Fondsmanager und Vermögensverwalter Jens Ehrhardt. „Aktien sind im Vergleich zu Bonds so attraktiv wie nie zuvor. Und da der Zins unten bleibt, ist das auch kein temporäres Phänomen. Da lachen einen Dividendenpapiere wie Nestlé oder Coca-Cola mit drei Prozent oder mehr Dividendenrendite geradezu an“, sagt Flossbach. Er hat anhand von 30 Aktien berechnet, dass solide Dividendentitel im Schnitt über die nächsten Jahre sogar 30 Prozent im Kurs verlieren könnten.

    Anleger würden dank der Dividenden dennoch keinen Verlust machen. „Das ist der Puffer, den Top-Unternehmen bieten. Ganz einfach: Sachwerte kaufen, liquide Dividendenaktien“, sagt Flossbach. Technologiewerte findet er günstig, in seinen Fonds hält er etwa Microsoft. Konsumaktien wie Nestlé oder Haushaltsmittelhersteller Reckitt Benckiser sieht er als „Tresor-Werte“, geeignet zur Wertaufbewahrung für Anleger.

    Die Reaktionen zum OMT-Programm

    „Kauft die Schweiz Aktien?“

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      Alfred Roelli, Anlagestratege der größten Schweizer Privatbank Pictet, berichtet in der neuen WirtschaftsWoche von Überlegungen in der Schweiz, ein Viertel der Währungsreserven in einen Staatsfonds zu investieren. „Das könnte ein wichtiges Signal für Aktien sein,“ sagt Roelli. Andrew Bosomworth , der beim weltgrößten Anleihemanager Pimco das deutsche Portfoliomanagement leitet, sagt, angesichts der langfristigen Perspektive der Renditen auf dem Rentenmarkt habe Pimco als Anleihespezialist jetzt bewusst Aktienfonds aufgelegt. „Wir erleben eine Krise der Währungssysteme und damit eine Renaissance echter Werte.“

      Liquidität treibt Kurse

      Vermögensverwalter Ehrhardt schaut bei der Auswahl der Aktienmärkte  traditionell zuerst auf die Entwicklung der Geldmengen: Starke Geldschöpfung der Zentralbanken spricht dafür, dass Liquidität an die Börsen fließt und Aktienkurse steigen. Sein Geldmengenindikator favorisiert folglich primär die USA und Deutschland – und gibt negative Signale für China.

      Europa



      Wichtige Aktienpositionen sind Technologiewerte, die Ehrhardt, auch wegen ihrer hohen Cash-Reserven noch als günstig einstuft, unter anderem Schwergewicht Apple, außerdem globale Nahrungsmittelkonzerne und  Goldförderer wie Agnico Eagle.

      Das komplette Gespräch und die Anlagestrategien und Favoriten der Finanzprofis lesen Sie in der neuen WirtschaftsWoche, die am Montag erscheint.

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