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Nach VW-Skandal EU-Parlament stimmt für Kompromiss bei Pkw-Abgastests

Das EU-Parlament hat den geplanten neuen Rahmen für realistischere Abgastests für Autos mit Dieselmotor akzeptiert. Umweltverbände hatten strengere Grenzwerte gefordert, Politiker sprechen von einem „Sieg der Vernunft“.

Abgastests Auto Quelle: dpa

Das EU-Parlament hat der Einführung neuer Abgastests für Neuwagen ab 2017 grünes Licht gegeben. Mit knapper Mehrheit lehnten es die Abgeordneten am Mittwoch in Straßburg ab, den Kompromiss zwischen EU-Staaten und EU-Kommission zurückzuweisen. Umweltverbände und die Bürgermeister mehrerer europäischer Großstädte wie Paris, Madrid und Mailand hatten die Parlamentarier dazu aufgerufen, ein Veto einzulegen und für strengere Vorgaben zu kämpfen. Mit der Einführung der neuen RDE-Abgastests auf der Straße sollen in der EU realistischere Ergebnisse erzielt und Manipulationsversuche verhindert werden. Das Thema hatte durch den Abgasskandal bei Volkswagen auf EU-Ebene weitere Brisanz erhalten.

Die europäischen Autobauer begrüßten die Entscheidung im Straßburger Plenum. Der EU-Abgeordnete Herbert Reul (CDU) nannte das Votum einen „Sieg der Vernunft“. Die neuen Werte könnten auch Städte und Gemeinden bei der Luftreinheit helfen. In Deutschland war zuletzt vor allem Stuttgart von hohen Schadstoff-Belastungen in der Luft betroffen.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Der im Oktober gefundene Kompromiss zwischen EU-Kommission und Mitgliedsländern sieht vor, dass ab 2017 neue Fahrzeugmodelle einen 110 Prozent höheren Wert (Faktor 2,1) bei Stickstoffoxiden aufweisen dürfen, bevor die Grenze ab 2020 auf 50 Prozent (Faktor 1,5) sinkt. Bei der Zulassung von Neuwagen sollen die Regeln ab 2019 beziehungsweise 2021 gelten. Die EU-Kommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, dass die Straßenmesswerte die vorgeschriebene Grenze von 80 Milligramm pro Kilometer um 60 Prozent gegenüber den Laborergebnissen überschreiten dürfen. Dies wurde von der Mehrheit der EU-Staaten aber abgelehnt.

„Das heutige Votum der EU-Parlamentarier ist eine gute Nachricht, für den Verbraucher und den Umweltschutz“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) laut einer Mitteilung. „Die Abgasmessungen im Straßenverkehr bringen den Kunden mehr Klarheit und Zuverlässigkeit.“ Die Anforderungen seien sehr ehrgeizig. „Im Vergleich zum heutigen Bestand bedeutet das eine Schadstoffsenkung von 78 Prozent. Bis 2020 werden dann weitere 29 Prozent reduziert.“

Umweltverbände kritisieren jedoch die schnelle Einführung der RDE-Tests, da sie mit dem Konformitätsfaktor in ihren Augen die heutigen Grenzwerte aufweichen. „Zwar wurden damit die Hürden für die Einführung der Schadstoffmessung im Verkehr ab 2017 beseitigt, aber das zu fatalen Bedingungen“, sagt Gerd Lottsiepen, Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). „Das unter Druck gesetzte Parlament kommt allein der Autoindustrie entgegen, auf Kosten der Gesundheit der Menschen. Denn laut dem heutigen Abstimmungsergebnis, darf der Ausstoß von Stickoxiden bei Dieselfahrzeugen ab 2017 doppelt so hoch sein wie der heutige Grenzwert.“ 

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