Negativer Einlagezins Draghis neues Instrument birgt viele Risiken

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird vermutlich bald einen negativen Einlagezins einführen - als eine Art Parkgebühr für Geld. Ob er hilft, ist mehr als fraglich.

Banken sollen ihr Geld nicht mehr kostenlos über Nacht bei der EZB parken Quelle: dpa

Die Zeichen verdichten sich. Seit Mitte der vergangenen Woche werden die Prognosen für eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang Juni immer konkreter. Gleiches gilt für den negativen Einlagezins, also eine Art Strafzins, den Banken zahlen, wenn sie ihr Geld über Nacht bei der EZB parken.

Der "Spiegel" nannte am Wochenende konkrete Zahlen. Unter Berufung auf EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hieß es, der Leitzins könnte von 0,25 weiter auf 0,15 Prozent gesenkt werden. Der Einlagezins liegt aktuell bereits bei null Prozent, er könnte auf minus 0,1 Prozent gedrückt werden.

Doch je konkreter die Zahlen werden, desto umstrittener sind die Maßnahmen. Denn ob der Negativzins auch die gewünschte Wirkung erzielt, ist höchst fraglich.

Der Einlagezins bestimmt, wie viel Geld die Banken bekommen, wenn sie Geld über Nacht bei der EZB parken, es also in Sicherheit bringen. Rutscht er ins Minus, müssen die Geldinstitute sich diese Sicherheit erkaufen, quasi eine Art Parkgebühr entrichten.

Eingelagert wird normalerweise Geld, welches die Banken gerade nicht brauchen. Besonders viel war es auf dem Höhepunkt der Krise, als die Unsicherheit unter den Geldhäusern hoch war und sich Banken gegenseitig kaum noch Geld liehen.

Weniger Sorgen

Zum einen will die EZB den Strafzins einführen, um die schwelenden Deflationssorgen in der Euro-Zone endlich loszuwerden. Trotz Leitzinsen auf einem Rekordtief von 0,25 Prozent liegt die Inflationsrate im Währungsraum seit Monaten weit unter der von der EZB angepeilten Preisstabilität bei knapp unter zwei Prozent. Im April waren es gerade mal 0,7 Prozent.

Auch die Wachstumszahlen sind weiterhin nicht üppig, von Januar bis März wuchs die Wirtschaft der Euro-Zone gerade mal um 0,2 Prozent. In einigen Ländern wie Portugal, Italien oder Griechenland schrumpfte die Wirtschaft im ersten Quartal sogar etwas.

Der Instrumentenkasten der EZB

Der Hauptgrund für die Parkgebühr ist allerdings ein anderer: Der Wechselkurs des Euro.

Die Notenbank möchte mit dem negativen Einlagezins das Aufwerten der Gemeinschaftswährung begrenzen. Zuletzt betonten mehrere Notenbanker, darunter EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesbank-Chef Weidmann, die Zentralbank würde den Wechselkurs genau beobachten.

Mit den niedrigeren Zinsen wollen sie die Gemeinschaftswährung unattraktiver machen, Anleger könnten aufgrund der niedrigen Verzinsung von Euro-Investments zurückschrecken, so das Kalkül. Das dürfte den Wechselkurs wieder etwas senken. Schon jetzt lastet die Diskussion um den Strafzins auf den Renditen für Bundesanleihen. Mittlerweile liegen die Zinsen nur noch bei 1,34 Prozent.

Mit den negativen Einlagezinsen macht die Zentralbank ihre Geldpolitik noch expansiver, als sie bereits ist. Die Hoffnung: Geld bei der EZB zu halten, soll sich nicht mehr lohnen.

Um die Parkgebühren zu vermeiden, arbeiten die Banken stattdessen lieber mit dem Geld. Sie sollen es in Form von Krediten weitergeben, unter anderem an andere Kreditinstitute oder Unternehmen, und damit für Wachstum sorgen. So zumindest die Theorie.

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