Neuer Stresstest Banken auf dem Prüfstand

Wie würden Europas Banken auf die nächste Krise reagieren? Diese Frage soll beim neuen Stresstest beantwortet werden. Diesmal wollen die Aufseher ganz genau hinsehen.

Der neue Stresstest könnte zum Qualitätssiegel für die Banken werden. Quelle: dpa

Die Szenarien, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die Europäische Bankenaufsicht (EBA) beim neuen Stresstest aufstellen, haben es in sich: Die 124 größten Banken aus den 28 EU-Ländern müssen nachweisen, dass sie bei einer drei Jahre andauernden Rezession über genügend Eigenkapital verfügen.

Zu den simulierten Schocks gehören unter anderem sinkende Immobilienpreise von bis zu 20 Prozent, fallende Aktienkurse, schwankende Währungen oder höhere Renditen für Anleihen.

Bank of America muss 17 Milliarden Dollar Strafe zahlen
Bank of AmericaWankende Großbanken brachten das Weltfinanzsystem 2008 an den Rand des Zusammenbruchs. Dubiose Hypotheken-Deals hatten den Weg dafür bereitet. Doch die Vergangenheit holt die Geldhäuser ein - der Bank of America (BoA) droht nun gar die höchste Strafe aller Zeiten. Dem „Wall Street Journal“ zufolge steht das Finanzinstitut kurz vor einem Vergleich mit dem US-Justizministerium über knapp 17 Milliarden US-Dollar (rund zwölf Milliarden Euro), davon neun Milliarden Dollar in bar. Das wäre der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und einem Unternehmen. Bereits im März musste BoA 9,5 Milliarden Dollar nach einer Klage der Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency zahlen. Die US-Behörden sind bei der Bestrafung von Großbanken nicht eben zimperlich - zumindest, wenn es um Geldstrafen geht. Welche Banken ebenfalls Rekordgeldbußen zahlen mussten, erfahren sie auf den folgenden Seiten. Quelle: REUTERS
Goldman SachsDie US-Großbank hat die Finanzkrise trotz viel Kritik an ihren Geschäftsmethoden vergleichsweise gut überstanden. Ende August 2014 handelte das Geldhaus mit den US-Aufsichtsbehörden und den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac, die im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise von der US-Regierung mit insgesamt 187 Milliarden Dollar gerettet werden mussten, einen Vergleich aus. 2005 und 2007 hatte Goldman Sachs den beiden Gesellschaften zusammengeschnürte minderwertige Immobilienkredite verkauft. Laut Einigung muss Goldman diese Papiere für 3,15 Milliarden Dollar zurückkaufen. Damit zahlt die Bank 1,2 Milliarden Dollar mehr, als die Kreditportfolios derzeit wert sind. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Citigroup leistet für fragwürdige Hypothekengeschäfte eine sieben Milliarden Dollar schwere Abbitte. Nach Ansicht der US-Justiz hatte die Bank den Käufern verschwiegen, wie schlecht es um die in verbrieften Wertpapieren enthaltenen Hauskredite gestanden habe. Wie die US-Großbank mitteilte, zahlt sie 4,5 Milliarden Dollar an US-Behörden und gewährt zudem Finanzierungshilfen und -erleichterungen für Hausbauer im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Der Vergleich verhagelt der Citigroup das zweite Quartal. In dem Zeitraum verbucht die Bank eine Vorsteuerbelastung von 3,8 Milliarden Dollar. Mit dem Vergleich hätten sich alle anhängigen zivilrechtlichen Hypothekenermittlungen erledigt, erklärte Bankchef Michael Corbat. Der Vergleich erlaube der Bank, sich „auf die Zukunft zu fokussieren, nicht auf die Vergangenheit“. Quelle: dpa
CommerzbankWie die "New York Times" berichtet, droht der Commerzbank wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Sanktionen eine Geldstrafe von mindestens 500 Millionen Dollar (370 Millionen Euro). Die Commerzbank hatte bereits eingeräumt, dass sie wegen ihrer Geschäfte mit Ländern wie dem Iran im Visier der US-Behörden steht. Wann die Verhandlungen mit den US-Behörden abgeschlossen sein werden, ist noch unklar. Quelle: dpa
Die französische Großbank BNP Paribas steht wegen Sanktionsbruch und Geldwäschevorwürfen im Fokus der US- Justizbehörden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal drohen der Bank Bußgelder bis zu einer Höhe von zehn Milliarden Dollar. Die Bank soll Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Sudan, Kuba und andere Länder umgangen haben. Es wäre die zweithöchste Strafe, die je gegen eine Großbank verhängt wurde, die Höchststrafe wegen Geldwäsche lag bislang bei 1,9 Milliarden Dollar. Nachfolgend eine Reihe von Banken, die für verschiedene Vergehen schon Milliarden an Geldbußen zahlen mussten. Quelle: REUTERS
Gegen die britische Großbank Barclays verhängte die britische Finanzaufsicht die erste Geldstrafe wegen Manipulation des Goldpreises. Barclay zahlt 26 Millionen Pfund, überführte Barclays-Händler muss 96.000 Pfund Strafe zahlen und erhielt Berufsverbot. Wegen der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor musste Barclays bereits im Sommer 2012 stolze 290 Millionen Pfund zahlen, umgerechnet 350 Millionen Euro. Der damalige Barclays-Chef Bob Diamond nahm kurz danach seinen Hut. Quelle: REUTERS
Die größte Schweizer Bank UBS zahlt rund 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) und damit die zweithöchste Geldstrafe, zu der eine Schweizer Bank jemals verdonnert wurde. Die UBS hatte zudem im Jahr 2009 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Bürgern der Zahlung von 780 Millionen Dollar zugestimmt, dabei aber keine Schuld zugegeben. In Deutschland soll die UBS wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung 200 Millionen Euro Strafe zahlen. Ende 2012 musste die UBS wegen des sogenannten Zockerskandals eine Strafe von 36,7 Millionen Euro zahlen und erhebliche Kontrollauflagen erfüllen. Die Bank wird damit für "System-und Kontrollfehler" bestraft. Zugleich wurden der UBS durch die Schweizer Finanzmarktbehörde FINMA scharfe Kontrollen im Investmentbanking auferlegt. Ohne diese Mängel wären die betrügerischen Transaktionen des Händlers Kweku Adoboli früher entdeckt worden. Quelle: REUTERS

Ausfallrisiko für Staatsanleihen

In den aufgestellten Szenarien simulieren die europäischen Aufseher einen kumulierten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 2,1 Prozent im Euro-Raum, und zwar im Testzeitraum von 2014 bis 2016. In diesem Jahr sieht ein Szenario vor, dass die europäische Wirtschaft um 0,7 Prozent sinkt. Für 2015 wird ein Rückgang des Wirtschaftswachstums von 1,5 Prozent simuliert, für 2016 eine minimale Erholung gegenüber dem Vorjahr von 0,1 Prozent. Beim vergangenen Stresstest war nur ein BIB-Rückgang von 0,4 Prozent angenommen worden. Deshalb war der Test von Experten als viel zu lasch kritisiert worden. 

Auf Kritik war auch gestoßen, dass die Regulierer den Ausfall von Euro-Staatsanleihen mitten in der Schuldenkrise zum Tabu erklärt hatten. Diesmal sollen in dem Stresstest Staatsanleihen und Bundesanleihen abgewertet werden. Selbst bei Staatsanleihen, die die Banken bis zum Ende ihrer Laufzeit halten wollen, wird ein Ausfallrisiko einkalkuliert.

Das sind die größten Banken Europas

Kapitallücken stopfen

Nachweisen müssen die Banken auch in diesen simulierten Krisensituationen eine Eigenkapitalquote von 5,5 Prozent. Nach Angaben der EBA liegt diese Quote derzeit im Schnitt bei 11,7 Prozent. Entstehen in diesen Szenarien Kapitallücken, müssen die Institute versuchen, sich frisches Geld zu besorgen - etwa bei Investoren oder von ihren Heimatstaaten.  

Die EZB gibt den Banken nach dem laufenden Stresstest bis zu neun Monate Zeit, um eventuelle Kapitallöcher zu stopfen. Sie können dabei auch so genanntes zusätzliches Kernkapital verwenden, etwa „CoCo-Bonds“, also Zwangsanleihen. Diese sollen nur eingesetzt werden können, wenn die Zeichner an den Verlusten der Bank beteiligt werden, sobald die Kapitalausstattung unter 5,5 Prozent fällt.

Der Stresstest bildet den Abschluss einer dreistufigen intensiven Überprüfung der größten Banken der Eurozone durch die Europäische Zentralbank und durch die EBA, die für die Banken außerhalb der Eurozone zuständig ist. Das gemeinsame Ergebnis soll im Oktober veröffentlicht werden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%