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Neues Höchstniveau Britische Notenbank hebt Leitzins an

Mit der strafferen Geldpolitik will die Bank of England die vergleichsweise hohe Inflation eindämmen. Quelle: dpa

Die britische Notenbank hat ihre Geldpolitik gestrafft. Wie die Bank of England in London mitteilte, steigt ihr Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent. Der höchste Stand seit der Finanzkrise.

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Die britische Notenbank verabschiedet sich von der Krisenpolitik und hebt die Leitzinsen auf den höchsten Stand seit fast einem Jahrzehnt an. Die Londoner Währungshüter setzten den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld am Donnerstag um einen Viertelpunkt nach oben auf 0,75 Prozent. So hoch war er letztmalig zu Zeiten der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2009. Mit der strafferen Geldpolitik will die Bank of England die vergleichsweise hohe Inflation eindämmen, die schon seit Monaten über der Zielmarke von zwei Prozent liegt. Sie signalisierte zugleich, wegen der Brexit-Unsicherheit weitere Zinsanhebungen nur sehr behutsam anzugehen.

„Eine moderate Straffung ist nun angemessen, damit die Inflation zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehrt und dort auch bleibt,“ begründete Notenbankchef Mark Carney die Entscheidung, die einstimmig ausfiel. Weitere Schritte würden aber lediglich graduell und in begrenztem Ausmaß erfolgen. Es bedürfe keines hohen Tempos. Seiner Einschätzung nach wird die Inflation voraussichtlich auch in der nächsten Zeit über dem Zielniveau der Währungshüter liegen. So wird nach Schätzungen der Notenbank in zwei Jahren eine Rate von 2,09 Prozent erwartet.

„Die Leitzinserhöhung war überfällig“, sagte Alexander Krüger, Chevolkswirt des Bankhauses Lampe. Ein Krisen-Leitzins sei trotz der Wachstumsdelle zu Jahresbeginn schon lange nicht mehr nötig. Kallum Pickering, Volkswirt bei der Berenberg Bank, ergänzte, im Mai 2019 könne es die nächste Zinserhöhung geben. Luke Bartholomew vom Investmenthaus Aberdeen Standard pflichtete ihm bei: „Es ist fast undenkbar, dass die Bank von England nachlegt mit weiteren Erhöhungen in den nächsten Monaten angesichts der Risiken am Horizont.“

Für den Preisauftrieb auf der Insel sorgt vor allem die schwächelnde Landeswährung Pfund, die seit dem Brexit-Votum im Sommer 2016 deutlich an Wert eingebüßt hat. Das verteuert Importe und zehrt in der Folge an der Kaufkraft der Briten. Zuletzt war die Inflation allerdings nicht weiter gestiegen. Im Juni lag die Teuerung bei 2,4 Prozent und verharrte damit auf dem Mai-Wert.
Die Wachstumsaussichten der britischen Wirtschaft stufte Carney positiv ein. Die Konjunkturschwäche zu Jahresbeginn sei nur vorübergehend gewesen und auf Faktoren wie etwa das damals kalte Wetter zurückzuführen. Im zweiten Quartal habe es beim Wachstum eine Wende gegeben. „Der Arbeitsmarkt ist stark.“ Die Erwerbslosigkeit sei auf den tiefsten Stand seit 42 Jahren gesunken und werde wohl noch weiter zurückgehen.

Carney mahnte aber wegen des bevorstehen Austritts des Landes aus der EU zur Vorsicht. Haushalte, die Geschäftswelt und die Finanzmärkte könnten von Nachrichten zum Brexit erheblich beeinflusst werden. Großbritannien verlässt voraussichtlich Ende März 2019 die Europäischen Union. Nach wie vor ist unklar, wie die wirtschaftlichen Beziehungen zur EU künftig gestaltet werden. Carney deutete an, dass die Leitzinsen auch in den unterschiedlichsten Scheidungsszenarien steigen könnten. „Daher müssen wir dafür nicht unser Pulver trocken halten.“

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