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Neues Rettungspaket Willkommen in der Transferunion!

Die Euro-Finanzminister ignorieren die wirtschaftliche Realität und geben ein weiteres Rettungspaket über 130 Milliarden Euro für Athen frei. Damit setzen sie einen Teufelskreis in Gang.

Griechenland bleibt eine Baustelle. Daran ändert auch das zweite Rettungspaket nicht, das die Euro-Finanzminister auf den Weg brachten. Quelle: dapd

Der politische Wunsch nach europäischer Einheit ist der Eurozone derart wichtig, dass wirtschaftliche Realitäten ausgeblendet werden. Das ist das Ergebnis des Gipfeltreffens der Euro-Finanzminister. Wolfgang Schäuble und seine Amtskollegen haben in der Nacht zu Dienstag den Weg für ein zweites Rettungspaket für Griechenland über 130 Milliarden Euro frei gemacht – obwohl das Land weder einen funktionierenden Staatsapparat hat, noch eine Chance, in den kommenden Jahren wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen zu können.

Das neue Rettungspaket für Griechenland

Wie schon das erste Rettungspaket wird auch die neuerliche Hilfsaktion keine Kehrtwende bringen, sondern lediglich die Pleite des Landes verzögern. Mit der Bewilligung des zweiten Rettungspaketes begeben sich die Euro-Retter damit in einen Teufelskreis. Die Eurogruppe, mit Deutschland als Hauptlastenträger, muss in den kommenden Jahren weitere zig Milliarden an Garantien für Athen ausstellen – um die alten Kredite zu schützen. Ein Euro-Aus der Griechen können sich die vermeintlichen Euro-Retter nun nicht mehr leisten, zu hart würde eine Pleite Griechenlands die deutschen, französischen und finnischen Steuerzahler treffen.

„Das kriegen die Griechen nie im Leben hin“

„Die Retterei wird sich fortsetzen", so Hans-Werner Sinn gegenüber der WirtschaftsWoche. Der Präsident des Münchner ifo-Instituts geht von einer dauerhaften Finanzierung Griechenlands mit Geld aus Deutschland aus. "Man wird Deutschland bedrängen", ergänzte Sinn im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Athen habe keine Chance, sich als Mitglied der Währungsunion zu erholen, weil dazu dort die Preise und Löhne fast um die Hälfte sinken müssten. „Das kriegen die Griechen nie im Leben hin, denn sie haben starke Gewerkschaften. Der Zug ist in Richtung Transferunion abgefahren“, so Sinn.

Zukunftsszenarien für Griechenland

„Europa muss Griechenland noch weitere zehn bis 20 Jahre alimentieren“, sagt Ansgar Belke, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Wolfgang Reitzle, Vorstandschef des Dax-Konzerns Linde glaubt gar: „Es dauert mindestens eine Generation, bis das Land wieder auf den Beinen ist.“

Wie desolat die Lage in Griechenland ist, dokumentierte zuletzt auch die Troika – bestehend aus Vertretern der EU, der EZB und des IWF – in ihrem Bericht zu Griechenland.

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