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Norman Atlantic Ein deutsches Opfer nach Brand auf Adria-Fähre

Fünf Tage nach dem Fährunglück in der Adria ist klar: Unter den Opfern ist auch eine Deutsche. Das Wrack der ausgebrannten „Norman Atlantic“ erreicht Brindisi und wird dort erstmals von Ermittlern begutachtet.

Unglücksfähre soll nach Italien geschleppt werden. Quelle: dpa

Bei dem schweren Fährunglück in der Adria vor fünf Tagen ist auch eine Deutsche ums Leben gekommen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass eine deutsche Staatsangehörige unter den Opfern sei. Das Wrack der verunglückten „Norman Atlantic“ erreichte am Freitag den Hafen der süditalienischen Stadt Brindisi, wo erstmals von Ermittlern und Experten begutachtet wurde. Dabei wurde auch die Blackbox des Schiffes geborgen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Insgesamt sind bei dem Brand auf der mit rund 500 Menschen besetzten Fähre am vergangenen Sonntag 13 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch zwei Einsatzkräfte. Ob es sich bei der Deutschen um eines der bislang geborgenen Opfer handelt, war zunächst nicht klar. Auch über die Herkunft der Frau wurde nichts bekannt. Insgesamt 17 Deutsche konnten nach Angaben des Auswärtigen Amts gerettet werden.

Staatsanwalt Giuseppe Volpi betonte, die Zahl der Vermissten nach dem Feuer auf der Fähre liege bei 10 bis 15 Menschen. „Die offiziellen Zahlen kennen wir, wenn Griechenland sich entscheidet, uns eine zuverlässige Passagierliste zu geben“, sagte er laut Ansa. „Die optimistischste Voraussage sind zehn Vermisste.“

Die schlimmsten Schiffsunglücke aller Zeiten
Der in zwei Teile gebrochene Öltanker "Prestige" ist im November 2002 vor der Nordwestküste Spaniens bei Caion gesunken. Das Schiff war mit 77 000 Tonnen Öl beladene. Knapp zehn Jahre nach dem Untergang des Öltankers beginnt am 16. Oktober 2012 der Prozess um die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens. Bei dem Verfahren vor dem Landgericht in der nordwestspanischen Hafenstadt La Coruña sind der griechische Kapitän, der erste Offizier und der Maschinist des Schiffes sowie der ehemalige Chef der Hafenbehörden angeklagt. Quelle: dpa
Costa ConcordiaAm 13. Januar 2012 lief die Costa Concordia gegen 19 Uhr Ortszeit aus dem Hafen von Citavecchia aus. Sie befand sich unter dem Kommando von Kapitän Francesco Schettino auf einer Kreuzfahrt durch das westliche Mittelmeer auf dem Weg nach Savona. Das Schiff rammt einen Felsen, ein 70 Meter langer Riss entsteht und der Ozeanriese ist kurz darauf nicht mehr manövrierfähig. Quelle: dapd
Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 4229 Menschen an Board. Bis in die frühen Morgenstunden wird evakuiert. Die Zahl der Toten hält sich zunächst in Grenzen, wird aber letztendlich auf 30 beziffert. Quelle: dapd
Eines der größten Schiffsunglücke der vergangenen Jahre war der Untergang der „MV Princess of the Stars“ im Juni 2008. Der Taifun „Fengshen“ hatte das Schiff zum Kentern gebracht. Fast 800 der 850 Passagiere starben, lediglich 57 Menschen konnten gerettet werden. Quelle: dpa
In dem Meerenge von Messina rammte im Januar 2007 ein Frachter die Fähre „Segesta Jet“. Vier Besatzungsmitglieder, darunter der Kapitän, kamen ums Leben. Als Ursache machte die Polizei später menschliches Versagen des Kapitäns aus. Dieser rettete allerdings auch durch ein Manöver in letzter Sekunde das Leben der Passagiere. Quelle: dpa
Der norwegische Frachter „ Rocknes“ sank im Januar 2004, Ursache für die Havarie war vermutlich ein Leck. Zwölf der insgesamt 30 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, drei wurden tot geborgen. Nach 24 Stunden stellten die Rettungsmannschaften die Suche nach den noch vermissten Seeleuten ein. Das 166 Meter lange Schiff sollte Steine nach Emden bringen. Quelle: REUTERS
2001 hatte der Öltanker Baltic Carrier nach einer Kollision mit einem Frachter in der Kadetrinne zwischen Dänemark und Deutschland Öl verloren. Die Kadetrinne ist eine der meistbefahrenen und unfallträchtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Jeden Tag passieren rund 200 Schiffe das Seegebiet in der Ostsee. Die Baltic Carrier-Katastrophe reiht sich in eine Kette von Öltanker-Katastrophen ein. Quelle: AP

An Bord des verunglückten Schiffs waren blinde Passagiere. Die Passagierlisten stimmten nicht mit den tatsächlichen Fahrgästen überein. Deshalb ist unklar, wie viele Menschen noch vermisst werden.

Staatsanwalt Ettore Cardinali, der auch an der ersten Begutachtung des Schiffs teilnahm, erklärte, es sei durchaus möglich, dass im Inneren des Schiffs weitere Leichen gefunden würden. „Momentan ist es aus Sicherheitsgründen nicht möglich, ins Innere der „Norman Atlantic“ vorzudringen um zu überprüfen, ob dort weitere Leichen sind, was nicht ausgeschlossen werden kann.“ Laut Ansa ist die Identität von acht Opfern geklärt, fünf weitere sollen am Montag obduziert werden.

Das Team aus Experten und Ermittlern gelangte am Freitag über eine Feuerwehrleiter auf die Brücke des schwer beschädigten Schiffs, aus dessen Innern noch immer Rauch drang. „Wir haben eine erste Besichtigung gemacht, vor allem um die Zugangsmöglichkeiten zum Schiff zu überprüfen“, erklärte Cardinali. Gutachter sollen die „Norman Atlantic“ in den kommenden Tagen gründlicher untersuchen. Vor allem von der Blackbox erhoffen sich die Ermittler Erkenntnisse zur Brandursache, die nach wie vor unklar ist.

Die Staatsanwaltschaft in Bari weitete zudem ihre Untersuchungen aus. Sie ermittelt nun auch gegen vier weitere Besatzungsmitglieder und Verantwortliche der Schifffahrtsgesellschaft. Staatsanwalt Volpi schloss nicht aus, dass sich die Zahl der Verdächtigen weiter erhöhen könnte. „Wir ermitteln Tag für Tag und Minute für Minute, was passiert ist“, sagte er.

Bisher wurde gegen den Kapitän und den Besitzer der italienischen Reederei Visemar, die das Schiff an die griechische Anek Lines verchartert hatte, unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung ermittelt.

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