Norman Atlantic Mehr als 250 Menschen warten noch auf Rettung

Rund um die Uhr sind die Retter im Einsatz. Dichter Rauch und Dunkelheit erschweren jedoch ihre Arbeit. Der Albtraum der an Bord der „Norman Atlantic“ festsitzenden Menschen nimmt nur langsam ein Ende.

„Eine der schwierigsten Rettungsaktionen“ - Angst auf Adria-Fähre. Quelle: REUTERS

Rund 24 Stunden nach dem Ausbruch eines Feuers an Bord einer Adria-Fähre harren noch immer mehr als 250 Menschen auf dem Schiff aus. Die Rettungskräfte waren zwar durchgängig im Einsatz, doch Dunkelheit und dichter Rauch machten ihnen zu schaffen. Wie die italienische Marine am frühen Montagmorgen mitteilte, wurden bislang 221 Menschen von der „Norman Atlantic“ gerettet. 257 weitere befanden sich demnach jedoch noch auf dem Schiff. Der Marine zufolge wurden inzwischen Ärzte an Bord gebracht.

Die Fähre der griechischen Anek Lines war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien, als am frühen Sonntagmorgen nordwestlich der Insel Korfu vermutlich auf dem Autodeck ein Feuer ausbrach. Das Schiff trieb anschließend manövrierunfähig zwischen der italienischen und albanischen Küste. 478 Menschen waren insgesamt an Bord, darunter wahrscheinlich auch 18 Deutsche. Sturm und hohe Wellen hatten den Hilfseinsatz erschwert. Bis Mitternacht waren 190 Menschen nach Marine-Angaben gerettet worden.

Die meisten der Geretteten wurden mit Hubschraubern auf andere Schiffe gebracht, die zur Hilfe geeilt waren. Mehrere Menschen, darunter eine Schwangere und Kinder, kamen ins Krankenhaus. Nach offiziellen Angaben starb ein Grieche beim Sprung von Bord.

Die schlimmsten Schiffsunglücke aller Zeiten
Der in zwei Teile gebrochene Öltanker "Prestige" ist im November 2002 vor der Nordwestküste Spaniens bei Caion gesunken. Das Schiff war mit 77 000 Tonnen Öl beladene. Knapp zehn Jahre nach dem Untergang des Öltankers beginnt am 16. Oktober 2012 der Prozess um die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens. Bei dem Verfahren vor dem Landgericht in der nordwestspanischen Hafenstadt La Coruña sind der griechische Kapitän, der erste Offizier und der Maschinist des Schiffes sowie der ehemalige Chef der Hafenbehörden angeklagt. Quelle: dpa
Costa ConcordiaAm 13. Januar 2012 lief die Costa Concordia gegen 19 Uhr Ortszeit aus dem Hafen von Citavecchia aus. Sie befand sich unter dem Kommando von Kapitän Francesco Schettino auf einer Kreuzfahrt durch das westliche Mittelmeer auf dem Weg nach Savona. Das Schiff rammt einen Felsen, ein 70 Meter langer Riss entsteht und der Ozeanriese ist kurz darauf nicht mehr manövrierfähig. Quelle: dapd
Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 4229 Menschen an Board. Bis in die frühen Morgenstunden wird evakuiert. Die Zahl der Toten hält sich zunächst in Grenzen, wird aber letztendlich auf 30 beziffert. Quelle: dapd
Eines der größten Schiffsunglücke der vergangenen Jahre war der Untergang der „MV Princess of the Stars“ im Juni 2008. Der Taifun „Fengshen“ hatte das Schiff zum Kentern gebracht. Fast 800 der 850 Passagiere starben, lediglich 57 Menschen konnten gerettet werden. Quelle: dpa
In dem Meerenge von Messina rammte im Januar 2007 ein Frachter die Fähre „Segesta Jet“. Vier Besatzungsmitglieder, darunter der Kapitän, kamen ums Leben. Als Ursache machte die Polizei später menschliches Versagen des Kapitäns aus. Dieser rettete allerdings auch durch ein Manöver in letzter Sekunde das Leben der Passagiere. Quelle: dpa
Der norwegische Frachter „ Rocknes“ sank im Januar 2004, Ursache für die Havarie war vermutlich ein Leck. Zwölf der insgesamt 30 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, drei wurden tot geborgen. Nach 24 Stunden stellten die Rettungsmannschaften die Suche nach den noch vermissten Seeleuten ein. Das 166 Meter lange Schiff sollte Steine nach Emden bringen. Quelle: REUTERS
2001 hatte der Öltanker Baltic Carrier nach einer Kollision mit einem Frachter in der Kadetrinne zwischen Dänemark und Deutschland Öl verloren. Die Kadetrinne ist eine der meistbefahrenen und unfallträchtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Jeden Tag passieren rund 200 Schiffe das Seegebiet in der Ostsee. Die Baltic Carrier-Katastrophe reiht sich in eine Kette von Öltanker-Katastrophen ein. Quelle: AP
Als der indische Kapitän des Öltankers „Erika“ um Hilfe funkt, ist es schon längst zu spät: 20 000 Öl laufen im Dezember 1999 vor der bretonischen Küste aus. Die Mannschaft kann in letzter Minute gerettet werden, die Tiere an der auf 400 Kilometern verschmutzten Küste nicht. Der Ölkonzern Total und die für die Sicherheitsüberprüfung zuständige Firma RINA wurden wegen Leichtfertigkeit bei der Inspektion zu 375 000 und 175 000 Euro Strafe verurteilt. Quelle: REUTERS
Über Nacht sollte 1994 die Estonia von Talinn nach Stockholm fahren. Aus zunächst ungeklärter Ursache trat Wasser in das Innere und brachte das 1980 gebaute Kreuzfahrtschiff kurz darauf zum Kentern. Die Bugklappe hielt, so hieß es später, der rauen See nicht stand. Obwohl nach nur einer Stunde Hilfe kam, überlebten nur 137 der knapp 1000 Passagiere. Die Ermittlungen erstreckten sich über zehn Jahre. Unter anderem kam raus, dass die Estonia für illegale Militärtransporte diente, die vom estischen Außenminister genehmigt worden waren. Der Estonia-Untergang gilt als die schwerste Schiffskatastrophe der Nachkriegszeit. Quelle: Presse
Die Exxon Valdez fuhr unter amerikanischer Flagge und lief 1989 auf Grund. Damit wurde eine der größten Umweltkatastrophen der Geschichte ausgelöst. Quelle: AP
Die Wilhelm Gustloff war eines der größten Passagierschiffe seiner Zeit. 1945 war es als Lazarettschiff umfunktioniert und von U-Boot-Torpedos getroffen. Insgesamt 9000 Menschen starben. Bei keinem Schiffsunglück zuvor oder danach starben so viele Menschen. Quelle: BundesarchivDeutsches Bundesarchiv
Mit der Titanic ist unmittelbar der Ausdruck „unsinkbar“ verbunden. Das britische Passagierschiff war bei der Fertigstellung am 2. April 1912 das größte Schiff der Welt. Auf ihrer Jungfernfahrt kollidierte die Titanic am 14. April 1912 etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland mit einem Eisberg und sank nach dem Zusammenstoß im Nordatlantik. Obwohl für die Evakuierung mehr als zwei Stunden Zeit zur Verfügung standen, starben zwischen 1490 und 1517 der über 2200 an Bord befindlichen Personen – hauptsächlich wegen der unzureichenden Zahl an Rettungsbooten und der Unerfahrenheit der Besatzung. Quelle: dpa

Die Flammen an Bord der Fähre seien unter Kontrolle, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Es könnte jedoch weitere Glutnester im Inneren des Schiffes geben, und es qualme weiter. Das italienische Marine-Schiff „San Giorgio“ übernahm am Sonntagabend die Einsatzleitung. Wohin die Fähre geschleppt wird, war noch nicht ganz klar - möglicherweise ins süditalienische Brindisi.

Über die Ursache des Brandes auf dem Schiff wurde weiter spekuliert. Möglicherweise waren Laster überladen. Lkw-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass einige Fahrzeuge Olivenöl geladen hätten und dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen.

Bei einer Kontrolle sollen Mängel auf dem Schiff festgestellt worden sein, unter anderem an Sicherheitstüren und bei der Beleuchtung. Der Schiffsbauingenieur Giorgos Margetis sagte dem griechischen Sender Skai, die Schäden könnten aber nicht gravierend gewesen sein - andernfalls wäre die „Norman Atlantic“ am Auslaufen gehindert worden. Die Reederei hatte betont, dass das Schiff fahrtüchtig gewesen sei.

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