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Norman Atlantic Zahl der Toten könnte deutlich größer sein

Auf der Unglücksfähre „Norman Atlantic“ sollen sich illegale Einwanderer versteckt haben. Das könnte bedeuten, dass es beim Brand des Schiffes weit mehr Tote gegeben hat als bislang angenommen.

Unglücksfähre soll nach Italien geschleppt werden. Quelle: dpa

Italienische Ermittler befürchten eine höhere Zahl von Todesopfern an Bord der ausgebrannten Adria-Fähre „Norman Atlantic“. Bei der systematischen Durchsuchung des Schiffs würden womöglich weitere Leichen entdeckt, sagte Staatsanwalt Giuseppe Volpe. Er ordnete an, die Fähre ins italienische Brindisi zu schleppen. Bisher wurden zehn der mehr als 400 Menschen an Bord tot geborgen. Bei der Bergung verunglückten zudem zwei albanische Seeleute tödlich.

Volpe sagte, es gebe Beweise, dass Flüchtlinge als blinde Passagiere an Bord der „Norman Atlantic“ gereist seien. Unter den 49 Geretteten, die am Montag in Bari ankamen, seien zwei Afghanen und ein Syrer gewesen, von denen einer bereits politisches Asyl beantragt habe.

Die schlimmsten Schiffsunglücke aller Zeiten
Der in zwei Teile gebrochene Öltanker "Prestige" ist im November 2002 vor der Nordwestküste Spaniens bei Caion gesunken. Das Schiff war mit 77 000 Tonnen Öl beladene. Knapp zehn Jahre nach dem Untergang des Öltankers beginnt am 16. Oktober 2012 der Prozess um die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens. Bei dem Verfahren vor dem Landgericht in der nordwestspanischen Hafenstadt La Coruña sind der griechische Kapitän, der erste Offizier und der Maschinist des Schiffes sowie der ehemalige Chef der Hafenbehörden angeklagt. Quelle: dpa
Costa ConcordiaAm 13. Januar 2012 lief die Costa Concordia gegen 19 Uhr Ortszeit aus dem Hafen von Citavecchia aus. Sie befand sich unter dem Kommando von Kapitän Francesco Schettino auf einer Kreuzfahrt durch das westliche Mittelmeer auf dem Weg nach Savona. Das Schiff rammt einen Felsen, ein 70 Meter langer Riss entsteht und der Ozeanriese ist kurz darauf nicht mehr manövrierfähig. Quelle: dapd
Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 4229 Menschen an Board. Bis in die frühen Morgenstunden wird evakuiert. Die Zahl der Toten hält sich zunächst in Grenzen, wird aber letztendlich auf 30 beziffert. Quelle: dapd
Eines der größten Schiffsunglücke der vergangenen Jahre war der Untergang der „MV Princess of the Stars“ im Juni 2008. Der Taifun „Fengshen“ hatte das Schiff zum Kentern gebracht. Fast 800 der 850 Passagiere starben, lediglich 57 Menschen konnten gerettet werden. Quelle: dpa
In dem Meerenge von Messina rammte im Januar 2007 ein Frachter die Fähre „Segesta Jet“. Vier Besatzungsmitglieder, darunter der Kapitän, kamen ums Leben. Als Ursache machte die Polizei später menschliches Versagen des Kapitäns aus. Dieser rettete allerdings auch durch ein Manöver in letzter Sekunde das Leben der Passagiere. Quelle: dpa
Der norwegische Frachter „ Rocknes“ sank im Januar 2004, Ursache für die Havarie war vermutlich ein Leck. Zwölf der insgesamt 30 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, drei wurden tot geborgen. Nach 24 Stunden stellten die Rettungsmannschaften die Suche nach den noch vermissten Seeleuten ein. Das 166 Meter lange Schiff sollte Steine nach Emden bringen. Quelle: REUTERS
2001 hatte der Öltanker Baltic Carrier nach einer Kollision mit einem Frachter in der Kadetrinne zwischen Dänemark und Deutschland Öl verloren. Die Kadetrinne ist eine der meistbefahrenen und unfallträchtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Jeden Tag passieren rund 200 Schiffe das Seegebiet in der Ostsee. Die Baltic Carrier-Katastrophe reiht sich in eine Kette von Öltanker-Katastrophen ein. Quelle: AP

Die „Norman Atlantic“ war mit mehr als 400 Menschen an Bord am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg vom griechischen Hafen Patras in die italienische Stadt Ancona in Brand geraten. Während der Sturm das qualmende Schiff in Richtung der albanischen Hafenstadt Vlore trieb, wurden bei einer dramatischen, 36 Stunden dauernden Rettungsaktion die meisten der Passagiere und Besatzungsmitglieder mit Hubschraubern von Bord geholt.

Zunächst war nicht klar, wie viele Menschen ursprünglich an Bord waren. Gerettet wurden 427 Menschen, darunter die 56 Besatzungsmitglieder, wie die niederländische Bergungsfirma Smit Salvage mitteilte. Die ursprüngliche Aufstellung hatte allerdings 422 Passagiere und 56 Mannschaftsmitglieder aufgelistet.

Für einige der Geretteten war die Odyssee am Dienstag noch nicht zu Ende. Ein Schiff, das 39 Überlebende an Bord genommen hatte, durfte wegen schlechten Wetters nicht wie geplant im italienischen Manfredonia anlegen, sondern musste zwölf Stunden weiter nach Tarent fahren. Ein Schiff der italienischen Marine mit 180 Geretteten blieb im Unglücksgebiet in Bereitschaft anstatt umzukehren. Sowohl griechische als auch italienische Behörden haben Strafermittlungen eingeleitet.

Bislang zwölf Tote bestätigt

Die „Norman Atlantic“ treibt bereits den dritten Tag manövrierunfähig in der Adria. Am Dienstagmorgen versuchte ein albanischer Schlepper, die Fähre in Schlepptau zu nehmen. Dabei riss das Tau jedoch und erschlug zwei Seeleute, wie der Polizeisprecher der Hafenstadt Vlore mitteilte. Damit ist die Zahl der Toten bei dem Fährunglück auf zwölf gestiegen.

Ein Sprecher der Bergungsfirma Smit sagte, Löschmannschaften durchsuchten die „Norman Atlantic“, um verbliebene Brandnester zu löschen. Aus dem Wrack steige immer noch Rauch auf. Am frühen Morgen sei ein Tau an der Fähre angebracht worden. Ob die beiden Albaner bei dieser Aktion zu Tode kamen, war zunächst nicht klar. Der Sprecher sagte, Smit warte auf leistungsstärkere Schlepper, die das 186 Meter lange Schiff in einen Hafen bringen könnten.

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