Norwegens Energieminister Terje Aasland Wie Norwegen Deutschlands Gasversorgung unterstützen will

Norwegens Rolle bei der Energieversorgung Europas wird wichtiger Quelle: imago images

Russland dreht den Gashahn ab. Wer kann Deutschland nun schnell helfen? Hier spricht Norwegens Energieminister Terje Aasland über verfügbare Kapazitäten, neue Lösungswege und das LNG-Terminal Hammerfest.

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Terje Aasland, 57, ist Mitglied der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und seit März 2022 Norwegens Energie- und Erdölminister. Seit Beginn der Energiekrise im vergangenen Jahr, spätestens seit Kriegsausbruch in der Ukraine, bemüht sich die Bundesregierung um zusätzliche Lieferungen aus dem Land.

Die Bundesregierung hat wegen einer drohende Gas-Mangellage die Alarmstufe erhöht, nachdem Gazprom seine Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 zurückgefahren hat. Kann Norwegen kurzfristig zusätzliches Gas nach Deutschland liefern?

Der Krieg in der Ukraine hat in erster Linie zu einer humanitären Krise geführt. Darüber hinaus hat es die Energiesituation in Europa ernsthaft beeinträchtigt. In dieser Situation ist Norwegen ein zuverlässiger und sicherer Exporteur von Öl und Gas. Wir unterstützen unsere europäischen Freunde dabei, so schnell wie möglich unabhängig von russischem Öl und Gas handeln zu können.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2022, von Januar bis April, hat Norwegen fast 15 Milliarden Kubikmeter (BCM) Erdgas nach Deutschland exportiert, fast doppelt so viel wie 2021. Wird Norwegen dieses Produktionsniveau halten können?
Generell haben wir noch nie so viel Pipeline-Gas vom norwegischen Festlandsockel exportiert wie jetzt. Und die Regierung unterstützt die Bemühungen der Unternehmen, eine hohe Betriebszeit aufrechtzuerhalten und so viel Gas wie möglich auf den europäischen Markt zu liefern. Einige der Betreiber auf dem norwegischen Festlandsockel konnten Anpassungen vornehmen, um diesem veränderten Umfeld besser gerecht zu werden. Sie injizieren jetzt weniger Gas in die Lagerstätte, um die Ölförderung zu erhöhen, sondern leiten mehr Gas durch die Pipelines. Und wenn ein Unternehmen in dieser sehr schwierigen Situation neue Lösungswege findet, werden wir sie unterstützen und ihre Anfragen schnell bearbeiten. Das ist uns wichtig.

von Jannik Deters, Daniel Goffart, Florian Güßgen, Max Haerder, Henryk Hielscher, Theresa Rauffmann, Jürgen Salz, Christian Schlesiger, Thomas Stölzel

Wo liegt der geografische Schwerpunkt Ihrer Gas-Förderung?
Der wichtigste Fokus der norwegischen Regierung liegt nun auf der Erschließung des norwegischen Festlandsockels, um sicherzustellen, so dass wir fast alle profitablen Ressourcen fördern können, die durch Exploration nachgewiesen wurden. Und einige der Unternehmen prüfen jetzt Projekte, die ihre Gaslieferungen ab 2024 und 2025 erhöhen können. Die Krise im Energiesektor wird langfristige Auswirkungen haben. Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass in neue Gasproduktionskapazitäten investiert wird.

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In Ihrer jüngsten gemeinsamen Erklärung mit den EU-Kommissaren Timmermans und Kadri haben Sie erwähnt, dass Sie sich geeinigt haben, in Zukunft enger zusammen zu arbeiten. Was bedeutet das konkret – insbesondere im Hinblick auf die Lieferungen für den nächsten Winter?
Die Europäer und wir haben ein gemeinsames Interesse daran, die Gasförderung kurzfristig zu maximieren und so viel Erdgas wie möglich auf den europäischen Markt zu bringen. In Norwegen haben wir eine anhaltende Debatte darüber geführt, ob wir in die weitere Gasproduktion investieren oder das Geschäft auflösen sollten. Daher ist das Signal, das Herr Timmermans und Frau Simson gesendet haben, für uns sehr wichtig, um den norwegischen Festlandsockel auch über 2030 hinaus weiterzuentwickeln.

Und die Deutschen?
Generell führen wir mit den Deutschen einen guten Dialog über ihre Energiesituation. Sowohl von deutscher als auch von norwegischer Seite ist es wichtig, darüber zu sprechen, wie wir kurzfristig und in Zukunft Energiesicherheit in Europa aufbauen können. Die wichtigste Aufgabe besteht jetzt darin, sicherzustellen, dass die Unternehmen alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine hohe Betriebszeit zu gewährleisten und ihre Gasproduktion zu maximieren.

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Die LNG-Anlage Hammerfest war nach einem Brandunfall im September 2020 außer Betrieb. Jetzt, Anfang Juni, ist sie wieder ans Netz gegangen. Welche Rolle werden LNG-Lieferungen bei der Unterstützung Deutschlands spielen?
Hammerfest LNG wird zusätzliche 6 Milliarden Kubikmeter Erdgas (BCM) auf den Markt bringen. Unabhängig davon, wo die Lieferungen angelandet werden, wird diese Produktion zum europäischen Markt beitragen. Das staatseigene Unternehmen Gassco untersucht verschiedene Möglichkeiten zur Erhöhung der Gasexportkapazität aus der Barentssee. Die Alternativen sind eine erhöhte LNG-Produktion in Hammerfest, eine neue Pipeline oder die Investition in eine Ammoniakproduktion als Möglichkeit, Erdgas aus der Barentssee in den Weltmarkt zu exportieren. Aber darauf haben wir jetzt noch keine abschließende Antwort. Gassco arbeitet daran, diese Fragen zu beantworten.

Welche Lehren haben Sie seit Beginn des Krieges in der Ukraine gezogen?
Für uns ist wichtig, dass wir unsere Gasproduktion in den kommenden Jahren steigern. Daher unterstützen wir jede entsprechende Anstrengung norwegischer Unternehmen. Aber am Ende sind es die Unternehmen, die diese Entscheidungen treffen müssen. Politisch gibt es einen neuen Impuls für die Energiekooperation in ganz Europa. Die schwierige Situation in der Ukraine zeigt sehr deutlich, dass wir in Zukunft noch enger zusammenarbeiten müssen.

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