Nuklearmaterial Atomgipfel warnt vor schmutzigen Bomben

Die internationale Gemeinschaft fürchtet den Einsatz schmutziger Bomben durch Terroristen. Sie will radioaktives Material künftig besser kontrollieren. Die Kanzlerin mahnt mehr Anstrengungen an.

Angela Merkel zusammen mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinisto und anderen Ministern bei der Eröffnung des Atomgipfels in Den Haag. Quelle: dpa

Staats- und Regierungschefs aus rund 50 Staaten wollen an diesem Dienstag einen stärkeren Schutz von Nuklearmaterial vereinbaren. Bei dem dritten Atomgipfel, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnimmt, diskutiert die Runde im niederländischen Den Haag darüber, wie Terroristen und anderen Kriminellen der Zugang zu radioaktiven Stoffen versperrt werden kann. Dahinter steckt die Angst vor einer sogenannten schmutzigen Bombe. Bei dieser Art von Waffe wird einem herkömmlichen Sprengsatz Nuklearmaterial beigemischt. Am Nachmittag soll eine Abschlusserklärung zum Treffen veröffentlicht werden.

„Skrupellose Terroristen werden sich nicht scheuen, jede Waffe zu nutzen, die sie in die Hände bekommen“, sagte der niederländische Ministerpräsident und Gipfelchef Mark Rutte am Montag zu der möglichen Beimischung von radioaktivem Material zu herkömmlichen Sprengsätzen. In den vergangenen Jahren habe es echte Fortschritte bei der Sicherung von Strahlenquellen gegeben. 2000 Tonnen waffenfähiges Material seien aber noch immer im Umlauf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft um Abbau und Sicherung von Atommaterial trotz erster Erfolge mit klaren Worten als unbefriedigend. „Die Vision des amerikanischen Präsidenten (Barack Obama), der ausgesprochen hat, dass es sozusagen gar keine nuklearen Gefahren mehr gibt - von dieser Vision sind wir leider noch weit entfernt“, sagte Merkel. Es gebe schon erste Erfolge wie bei der Sicherung medizinischer Strahlenquellen, denn auch daraus könnten schmutzige Bomben gebaut werden, aber die Fortschritte ließen „sehr zu wünschen übrig“.

Obama kommentierte in einem Interview zum Gipfel: „Es gibt immer noch zu viel nukleares Material in der Welt, das in die falschen Hände fallen könnte. Deshalb ist dieser Gipfel so wichtig.“ Er hatte das Format initiiert, bei dem diesmal Staats- und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern diskutieren, wie verhindert werden kann, dass Terroristen in den Besitz von Nuklearmaterial oder Atombomben gelangen.

Überschattet wurde der Gipfel vom Konflikt um die Annexion der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Krim durch Russland. Die Staatschefs der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen (G7) trafen sich deswegen am Rande zu einem Sondertreffen.

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An einem der großen Erfolge der vorherigen beiden Atomsicherheitsgipfel in den USA und in Südkorea hatte noch der abgesetzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch mitgewirkt. Er veranlasste in Abstimmung mit US-Präsident Barack Obama, sämtliches hoch angereichertes Uran aus dem Land bringen zulassen. Russland hatte im Vorfeld zugesichert, das Material zu schwach angereichertem Uran abzubauen, das nicht zur Herstellung von Atomwaffen verwendet werden kann. Eine ähnliche Abmachung wurde auch mit Mexiko umgesetzt.


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