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Ökonom Juan Ramos Rallo "Die spanische Regierung will gar nicht sparen"

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Falsche Lösungsansätze

Ministerpräsident Mariano Rajoy Quelle: dpa

Mit der Wahl des Sozialisten Francois Hollande zum französischen Präsidenten rückt Europa vom Sparkurs ab. Auch Spanien unterstützt den Wunsch Frankreichs, dass mehr Geld für Investitionen in die Hand genommen wird. Begrüßen Sie das?

Nein. Ich verstehe zwar den französischen Präsidenten, doch der Lösungsansatz ist falsch. Wir dürfen nicht glauben, dass das Ausgeben von mehr Geld alle unsere Probleme löst. Wir brauchen Reformen. Und wir müssen weiter auf der Ausgabenseite sparen. Der Weg, den Frankreich, Spanien, Griechenland und Portugal gegangen sind, nämlich kreditfinanziert Wachstum zu genieren, hat Europa doch erst in die Schuldenkrise geführt. Wenn wir vom Sparkurs abrücken, bewegen wir uns noch näher an den Abgrund.

Die Märkte sehen Spanien längst am Abgrund. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen liegen wieder über der kritischen Marke von sieben Prozent. Wie lange kann Spanien noch ohne den Rettungsschirm auskommen?

Das Problem ist nicht der reine Wert. Eine Refinanzierung ist bis zu einem Renditesatz von bis zu zehn Prozent möglich. Allerdings zeigt der Renditesatz ganz deutlich, dass das Vertrauen in unser Land schwindet. Nicht nur in die Regierung, sondern auch in unsere Unternehmen und unsere Bürger. Ich habe große Sorgen, dass schon bald nicht nur der Staat vom Kapitalmarkt ausgeschlossen sein wird, sondern auch die Privatwirtschaft.

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    Könnten Eurobonds den Druck von Spanien nehmen?

    Ich halte Eurobonds nicht für den richtigen Weg. Das bestraft diejenigen, die gut haushalten und wirtschaften. Deutschland sollte nicht für die Unfähigkeit der spanischen Politiker aufkommen müssen. Wenn unser Land einfach nicht die richtigen Reformen auf den Weg bringt, muss es dafür gerade stehen.

    Europa



    Die Befürworter von Eurobonds argumentieren, Deutschland profitiere am meisten von der Gemeinschaftswährung und könne zur Verantwortung gezogen werden.

    Es wäre cool, wenn die Deutschen unsere Fiesta weiter bezahlen. Wenn man das noch Fiesta nennen kann, was hier gerade abläuft: hohe  Jugendarbeitslosigkeit, marode Banken... Nein, im Ernst: Das ist nicht nur unfair, sondern auch schlecht für das Gemeinschaftsgefühl in Europa. Jeder Kerzenständer muss seine eigene Kerze halten. Und das ist möglich. Wer seriöse Politik macht, ein freundliches Investitionsklima schafft und Reformen durchsetzt, bekommt von den Märkten Vertrauen und Geld. Wenn Spanien nicht dazu in der Lage ist, seine eigenen Rechnungen zu begleichen, hat es das Land auch nicht verdient, im Euro zu bleiben.

    In unserem ersten Gespräch im März sagten sie: Spaniens Perspektive ist düster. Sehen Sie heute überhaupt noch einen Silberstreif am Horizont?

    Die Lage ist schlecht. Und sie wird immer schlimmer. Ich sehe einfach nicht, dass die spanische Gesellschaft bereit ist, sich einzugestehen, dass wir nach den fetten Jahren nun Opfer erbringen müssen. Wir müssen den Gürtel enger schnallen, wir sind einfach insgesamt ärmer als etwa im Jahr 2007. Doch wir geben nach wie vor ähnlich viel Geld aus wie in den goldenen Jahren, leben mit Krediten und Schulden.

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