Ökonomenstreit Zoff um den Euro

Der offene Protestbrief von 172 Ökonomen gegen die Euro-Rettung ist berechtigt. Er sollte zu denken geben, ob es sich lohnt, am Euro festzuhalten.

„Das ist schlimmste Stammtisch-Ökonomie“
Prof. Dr. Walter Krämer, leitet das Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund und hat den Protestbrief initiiert. Seine Begründung:
Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, hat den Protestbrief der Ökonomen von Walter Krämer redaktionell und begleitet und unterschrieben. Darin steht:
Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, kritisiert dagegen seine Kollegen: „Der Aufruf schürt lediglich Ängste und zeigt keinen einzigen Weg zur Lösung der Probleme auf.“ Quelle: dpa
Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, findet kritische Worte: Diese Aktion habe „mit ökonomischer Argumentation nichts zu tun“, sagte Hüther. Quelle: dapd

Ein Team von 7 Ökonomen um den Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, und den Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, wirft Sinn und dessen Mitstreitern Panikmache auf „Stammtischniveau“ vor. Eine Gruppe von 15 Ökonomen um den Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts, Martin Hellwig, und die ehemalige Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro fordert in ihrem Aufruf zur Bildung einer europäischen Bankenunion auf – und widerspricht damit Sinn und Co.

10 Gründe gegen den Euro
Das Portemonnaie ist schwerer geworden Quelle: dapd
Lieb gewonnene Sprichwörter sind nicht mehr gültig Quelle: AP
Eine Sammlung der im Dezember 2010 erhältlichen Ein-Euro Münzen der 17 Eurostaaten Quelle: dpa
Unser Vermögen wurde halbiert Quelle: dpa/dpaweb
Den politischen Talkshows gehen die Themen aus Quelle: REUTERS
Die Deutschen zahlen noch mit der Mark Quelle: AP
Keiner hat uns mehr lieb Quelle: dpa

Als sei das alles nicht genug, platzte am Freitagabend auch noch der Sachverständigenrat mit einem Sondergutachten zur Euro-Krise in die muntere Debatte. In ihrem Gutachten warnen die fünf Wirtschaftsweisen vor einer übereilten Einführung einer Bankenunion, bei der Haftung und Kontrolle auseinanderfallen. Zugleich werben sie erneut für ihren Schuldentilgungsfonds, der auf die Vergemeinschaftung von Staatschulden durch Euro-Bonds hinaus läuft.

Ökonomen haben sich zu lange rausgehalten

Der interessierten Öffentlichkeit dürfte es bei diesem Wirrwarr von Meinungen, Aufrufen und gegenseitigen Beschimpfungen schwer fallen, die Übersicht zu behalten. Noch schwieriger dürfte es für die meisten sein, zu beurteilen, wer Recht hat. Festigen dürfte sich dagegen der Eindruck, dass sich die Zunft der Ökonomen vor allem durch Eins auszeichnet: durch Uneinigkeit und Streit.

Die Instrumente zur Euro-Rettung

Der Zwist wäre gar nicht schlimm, bestünde nicht die Gefahr, dass die Regierung den streitenden Haufen nun erst recht links liegen lässt und den Weg in die Transfer- und Haftungsunion fortsetzt. Das wäre fatal. Ohnehin ist es kein Ruhmesblatt für die deutsche Nationalökonomie, dass sie sich - bis auf wenige Ausnahmen – jahrelang in ihrem Elfenbeinturm verkroch und schweigend zusah, wie Politiker und Notenbanker die Währungsunion stabilitätspolitisch entkernten und zu einer Haftungs-und Schuldenunion umbauten. Immerhin geht es hier nicht um eine subalterne, jederzeit reversible Reform. Es geht um den wichtigsten Stützpfeiler der marktwirtschaftlichen Ordnung: Die Stabilität der Währung und der Staatsfinanzen. Von beiden hängt nicht nur der Wohlstand unserer, sondern auch der der nachfolgenden Generationen ab.

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