Österreich Regierung verspielt Vertrauen in den Finanzplatz

Mit der Abwicklung der Hypo Alpe Adria hat die österreichische Regierung dem Standort geschadet. Jetzt droht die Abwanderung ausländischer Geldgeber.

Finanzminister Jörg Schelling Quelle: AP

Den einen Reinfall hat Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling noch nicht verkraftet, da ist schon der nächste in Sicht. Eine „einzigartige Blamage“ sahen Beobachter darin, dass das Verfassungsgericht der Alpenrepublik das Gesetz zum Schuldenschnitt für Anleihegläubiger der Pleitebank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) kassiert hat. Nun müssen die sogenannten nachrangigen Anleihegläubiger doch Geld bekommen. Und schon in wenigen Wochen könnte sich das Drama fortsetzen: Dann geht es wieder um die Hypo Alpe Adria. Diesmal können Investoren auf die Rückzahlung ihres Geldes hoffen, das sie in erstrangige Anleihen der pleitegegangenen Bank investiert hatten. Auch hier stehen die Chancen gut, dass das Verfassungsgericht ein von der Regierung verkündetes Zahlungsmoratorium kippt.

Die Veränderung von Österreichs BIP

Internationale Investoren reiben sich die Augen, wie in Wien Politik gemacht wird. „Mit ihren fragwürdigen Gesetzen und Entscheidungen“, heißt es etwa bei der Münchner BayernLB, „beschädigt die Regierung den Ruf des Investitionsstandorts Österreich.“ Die BayernLB, die einstige Mutter der HGAA, hat sich mit Wien inzwischen im Rahmen eines Vergleichs geeinigt. Von den ausstehenden 2,4 Milliarden Euro an Krediten fließen immerhin gut 1,2 Milliarden Euro an die Isar zurück.

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
Reichstag Quelle: dpa
Gracht in Amsterdam Quelle: AP
Akropolis Quelle: AP
Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS
Eiffelturm und Feuerwerk Quelle: dpa
Vancouver Lake Quelle: AP
Platz 6: ItalienItaliens Schulden sind mit 2,75 Billionen Euro immens hoch. Schließlich ist das mehr, als die italienische Volkswirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. Die Schulden im Verhältnis zum BIP liegen bei 139,5 Prozent. Die 60,8 Millionen Italiener sind im Durchschnitt pro Kopf mit 46,757 US-Dollar (rund 45.000 Euro) verschuldet. Quelle: dpa
Platz 5: BelgienNoch höher sind die Schulden pro Einwohner allerdings in Belgien. Hier beträgt die Pro Kopf-Verschuldung 47.749 US-Dollar (44,338 Euro). Die absoluten Staatsschulden belaufen sich auf 375 Milliarden Euro. Das entspricht ziemlich genau der Wirtschaftsleistung des Landes. Quelle: dpa
Platz 4: SingapurDas asiatische Land gilt als wirtschaftlicher Vorreiter in der Region. Allerdings ist die Schuldenlast des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates hoch: Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 56.980 US-Dollar (52,910 Euro). Insgesamt liegen die Staatsschulden bei 106,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Quelle: dpa
Platz 3: USAMehr als eine Billion Dollar Defizit stand in den Haushaltsbüchern der USA, als Obama Präsident wurde. Noch im letzten Jahr schoben die Vereinigten Staaten von Amerika einen gigantischen Schuldenberg in Höhe von 18,195 Billionen US-Dollar vor sich her - das waren 58,604 US-Dollar (54,418 Euro) pro Kopf. Mittlerweile hat sich das Haushaltsloch verringert. Wegen höherer Einnahmen und geringerer Ausgaben werde nun nur noch mit einem Defizit von 455 Milliarden Dollar (413 Milliarden Euro) gerechnet. Im kommenden Haushaltsjahr soll das Loch dann bei 429 Milliarden Dollar und damit bei 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Quelle: dpa
Platz 2: IrlandGetoppt wird die Pro-Kopf-Verschuldung nur noch von Irland und einem weiteren Land. Das Euro-Land hat infolge der Finanzkrise eine Pro-Kopf-Verschuldung von über 60,000 US-Dollar aufgebaut. Die Gesamtschulden betragen 121 Prozent des irischen BIP. Zahlen, über die der Spitzenreiten nur lachen kann... Quelle: dapd
Platz 1: JapanJapans Verschuldung beträgt inzwischen über zehn Billionen US-Dollar. Das sind 199 Prozent des BIP - oder 79,525 US-Dollar (73,844 Euro) pro Einwohner. Quelle: dpa

Investoren halten sich aus Österreich raus

Michael Grahammer, Chef der Bank Hypo Vorarlberg hat gerade eine internationale Investorenkonferenz in Zürich besucht. Der Tenor sei gewesen: „Österreich fassen wir nicht mehr an.“ Vor allem außereuropäische Akteure wie US-Fonds können schwer einschätzen, inwieweit man Österreich noch trauen kann. Investoren verfolgten den Fall sehr genau, heißt es bei der Ratingagentur Moody’s, und seien zuletzt bei Engagements in Österreich vorsichtiger geworden. Schon im vergangenen Sommer hatten die Ratingagenturen österreichische Banken deutlich herabgestuft. Standard & Poor’s etwa senkte das langfristige Kreditrating der Bank Austria von A- auf BBB+.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Doch das ist nicht die einzige Sorge. Denn inzwischen leidet auch die Konjunktur. Um gerade mal 0,5 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr wachsen, schätzt Stefan Schiman vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung in Wien. „Der private Konsum und die Industrieproduktion sind nach wie vor schwach“, sagt der Ökonom. Die Staatsverschuldung stieg zuletzt auf 90 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Auch deutsche Investoren sind verschreckt. „Österreichische Anleihen sind für uns zwar kein Tabu, allerdings halten wir uns derzeit zurück“, sagt Immo Querner, Finanzvorstand des Versicherers Talanx aus Hannover, zu der auch die Hannover Rück und die HDI gehören. Derzeit prüfe man die Kreditwürdigkeit des Landes. „Inwiefern wir unsere österreichischen Bestandsanlagen weiter zurückfahren, werden wir nach Abschluss entscheiden“, sagt Querner. In Wien wird man darauf mit Spannung warten.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%