Olympia-Kandidatur 2024 Hamburg ist die bessere Wahl

Die Hansestadt vertritt Deutschland als Bewerber um die Sommerspiele 2024. Eine Entscheidung gegen den Großstadtgestus und für die überzeugendere Idee.

Der DOSB hat seine Empfehlung für die deutsche Bewerberstadt für die Olympischen Spiele 2024 abgegeben: Es ist Hamburg. Quelle: dpa

Wer wissen will, warum Politiker überall auf der Welt beim Wort Olympia diesen euphorischen Blick bekommen, sollte sich an Ken Livingstone erinnern. Der ehemalige Londoner Bürgermeister, einer der Glücklichen, der die Spiele 2012 in die britische Hauptstadt holte, sagte zu den Folgen der Gastgeber-Krönung einfach nur die folgenden zwei schönen Sätze: „I didn't bid for the Olympics because I wanted three weeks of sport. I bid for the Olympics because it's the only way to get the billions of pounds out of the government to develop the east end."

Die geplante "Olympic City" auf dem Kleinen Grasbrook in Hamburg

Quelle: dpa

Man kann den Punkt auf Deutsch in aller Kürze so zusammenfassen: Es geht bei Olympia nicht so sehr um Sport, es geht um Extra-Milliarden für die Stadt. Ken Livingstone gebührt der Dank, diese Wahrheit ganz uneuphorisch ausgesprochen zu haben.

Natürlich sind Olympische Spiele zu allererst Sport, ein Fest für Athleten und ein Fixpunkt der Weltöffentlichkeit. Aber die Spiele heute sind eben viel mehr: je nach Austragungsort und Gastgeberland globale Imagepolitur (siehe Sotchi, Peking) oder eben sehnsüchtig erhoffte Sonderkonjunkturprogramme für ehrgeizige Metropolen (siehe London).


Letzteres wären sie auch für Hamburg, die Stadt, die nun das Vertrauen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) hat, um Deutschland auf der Weltbühne zu vertreten. Das städtebauliche Konzept an der Elbe ist faszinierender, ambitionierter und zugleich nicht überdimensioniert oder fern jeder Realität. Es erinnert an die guten urbanen Beispiele von München 1972 und Barcelona 1992.
In Berlin wären die Spiele die Fortsetzung des Länderfinanzausgleichs mit anderen Mitteln gewesen, eine Sanierung des Bestehenden. So also hat sich der DOSB für den weltweit eher unbekannten Kandidaten und gegen die globale Marke Berlin entschieden. Das ist mutig und nachvollziehbar zugleich.

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Nachvollziehbar, weil niemand ein zweites Debakel wie bei der Münchener Kandidatur für die Winterspiele 2022 erleben will, als die Bürger die Bewerbung per Abstimmung kippten. Diesmal soll die Bevölkerung nicht Bürde, sondern Motor der Kampagne sein, und in Hamburg mit seiner Mischung aus Selbstverliebtheit, Stolz und Wirtschaftskraft ist das gegeben.
Die Wahl Hamburgs ist aber dennoch mutig. Denn im Wettbewerb gegen Städte wie Boston, Rom, Paris, Istanbul oder Doha hätte Berlin mit lässiger Metropolen-Selbstverständlichkeit gepunktet. Nun stattdessen Hamburg. Die Bereitschaft und die Möglichkeit, auch 2028 wieder anzutreten, ist ja gegeben. Vielleicht wird dieser Mut belohnt.

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