Ost-Ukraine Kiew startet neuen "Anti-Terror-Einsatz"

Der ukrainische Übergangspräsident Turtschinow hat weitere Militär-Einsätze gegen Separatisten angeordnet. US-Außenminister Kerry pocht derweil auf stärkere Anstrengungen Moskaus zur Entspannung der Lage.

Ukraine geht wieder gegen Separatisten vor
Der
Die vom Westen unterstützte Regierung in Kiew geht davon aus, dass die Separatisten massiv von Russland unterstützt werden. Quelle: AP
Moskautreue Separatisten halten nach wie vor in mehreren Orten der Ost-Ukraine Verwaltungsgebäude besetzt. Sie fordern einen föderalen Staat mit weitgehenden Autonomierechten für das russisch geprägte Gebiet. Quelle: AP
Am Dienstag nahmen Hunderte Menschen in Slawjansk an der Beerdigung dreier prorussischer Kämpfer teil, die am Ostersonntag unweit der Stadt bei einer Schießerei getötet worden waren. Quelle: AP
Medienberichten zufolge wurde in Slawjansk zudem ein US-Journalist von bewaffneten prorussischen Kräften gefangen genommen. Das US-Magazin „Vice“ teilte mit, mit dem Außenministerium in Washington in Kontakt zu stehen, „um die Sicherheit und den Schutz für unseren Freund und Kollegen Simon Ostrovsky zu gewährleisten“. Quelle: AP
US-Außenminister John Kerry von Russland mehr Anstrengungen zur Beruhigung der Lage angemahnt. In einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zeigte er sich „zutiefst besorgt über den Mangel an positiven russischen Schritten zur Deeskalation“ im Osten des Landes. Quelle: AP
Zuvor hatte US-Vizepräsident Joe Biden bei einem Besuch in Kiew mit Hilfszusagen für die Ukraine der prowestlichen Führung demonstrativ den Rücken gestärkt. Er versprach der Ex-Sowjetrepublik politische und wirtschaftliche Hilfe. So sicherte das Weiße Haus dem nahezu bankrotten Land weitere Finanzmittel für den demokratischen Wandel zu. 50 Millionen US-Dollar sollten in das Land fließen, um etwa freie Wahlen und anstehende Verfassungsreformen zu unterstützen. Quelle: AP

Angesichts zunehmender Gewalt in der Ostukraine will die Regierung in Kiew wieder militärisch durchgreifen. Der über Ostern ausgesetzte „Anti-Terror-Einsatz“ werde wieder aufgenommen, kündigte Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Dienstag mit. Er verwies auf den Fund zweier Leichen unweit der Stadt Slawjansk, die Spuren von Folter aufgewiesen hätten. Die Opfer sollen von prorussischen Separatisten verschleppt worden sein. Dem Verteidigungsministerium zufolge wurde zudem ein Überwachungsflugzeug der Armee bei einem Einsatz über Slawjansk beschossen.

Der geplante „Anti-Terror-Einsatz“ droht das Genfer Abkommen der vergangenen Woche zu untergraben, das eine Beilegung der Krise vorsieht. Nach dem Stufenplan sollen die Konfliktparteien von Gewalt absehen. Prorussische Aufständische sollen besetzte Gebäude in der Ostukraine räumen. Die Separatisten wollen jedoch nicht weichen.

Am Dienstag nahmen Hunderte Menschen in Slawjansk an der Beerdigung dreier prorussischer Kämpfer teil, die am Ostersonntag unweit der Stadt bei einer Schießerei getötet worden waren. Viele der Gäste nutzten die Gelegenheit, um ihrem Ärger über die Regierung in Kiew Luft zu machen und Moskau um Unterstützung zu bitten. Slawjansk wird inzwischen von prorussischen Separatisten kontrolliert.

Vor diesem Hintergrund mahnte US-Außenminister John Kerry in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow stärkere Anstrengungen des Kremls zur Entspannung der Lage an. Moskau lasse positive Schritte vermissen. So erhärteten sich Beweise, wonach Separatisten in der Region weiter immer mehr Gebäude besetzten und Journalisten und andere Zivilisten gefangen nähmen, sagte Kerry.

Laut dem US-Außenministerium appellierte er zudem an Lawrow, die prorussischen Besetzer im Gegenzug für eine Amnestie zur Niederlegung ihrer Waffen und zum Rückzug aufzurufen. Moskau müsse ferner seine Rhetorik zügeln und den Dialog mit der Regierung in Kiew sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa suchen, forderte der US-Chefdiplomat.

US-Vizepräsident Joe Biden schlug zuvor bei einem Besuch in Kiew ähnliche Töne an. Es sei an der Zeit, dass Moskau „aufhört zu reden und anfängt etwas zu unternehmen“, um die Spannungen abzubauen. Russland müsse unverzüglich handeln. „Wir werden nicht zulassen, dass dies ein Prozess mit offenem Ende wird“, sagte er.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk sagte über Russland: „Kein Land sollte sich aufführen wie ein bewaffneter Räuber. Russland sollte sich an seine internationalen Zusagen und Verpflichtungen halten. Sie sollten sich nicht verhalten wie Gangster in modernen Zeiten.“ Russland weist sämtliche Vorwürfe zurück. Außenminister Sergej Lawrow warf den USA vor, in der Ukraine eine von Kämpfern gestützte Regierung zu fördern.

Biden stärkte der Führung in Kiew den Rücken. Die Ukraine könne mit weiteren 50 Millionen Dollar (gut 36 Millionen Euro) für politische und wirtschaftliche Reformen rechnen. Elf Millionen davon sollen für die Abwicklung der Präsidentschaftswahl am 25. Mai verwendet werden. Die USA unterstützen die prowestliche Regierung bereits mit Kreditgarantien von einer Milliarde Dollar.

Zugleich mahnte Biden die neue Regierung, „den Krebs der Korruption zu bekämpfen, der derzeit Ihr System befallen hat“. So müssten die Gerichte reformiert und eine ausgewogene Beziehung zwischen Präsident und Parlament gefunden werden. Neben Jazenjuk traf Biden auch Turtschinow sowie eine Gruppe von Abgeordneten und drei Kandidaten für die Präsidentschaftswahl.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%