Palma de Mallorca Deutsche müssen Touristensteuer zahlen

Auf Mallorca ist die umstrittene Touristensteuer in Kraft getreten. Die Besucher der besonders bei Deutschen und Engländern beliebten spanischen Ferieninsel müssen ab sofort mehr zahlen.

Deutsche Urlauber entspannen am Plaja-de-Muro-Strand auf Mallorca. Quelle: dpa

Pro Person und Nacht werden für Mallorca-Touristen bis zu zwei Euro fällig. Zusätzlich werden zehn Prozent Mehrwertsteuer erhoben. Die Einführung der neuen Abgabe war vom Parlament der Balearen in Palma de Mallorca im Frühjahr beschlossen worden. Die Steuer gilt auch für die Nachbarinseln Menorca, Ibiza und Formentera.

Der Verband der Hoteliers auf Mallorca (FEHM) klagt, die Maßnahme werde der Wettbewerbsfähigkeit der Balearen schaden.

Je nach Art der Herberge werden pro Person und Nacht zwischen 0,50 und 2,00 Euro fällig. In der Nebensaison wird der Betrag halbiert. Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren sind von der Abgabe befreit.

Auch Passagiere von Kreuzfahrtschiffen müssen die Kreditarte oder das Portemonnaie zücken. Theoretisch müssen auch Urlauber blechen, die Privat-Wohnungen oder -Häuser mieten. Die meisten dieser Immobilien sind allerdings nicht als Ferienunterkunft angemeldet.
In Deutschland müssen Urlauber in vielen Ferienregionen für ihren Aufenthalt eine Kurtaxe bezahlen. Kurorte, Erholungsorte und sonstige Fremdenverkehrsgemeinden können eine solche Kommunalabgabe erheben. Mit der auch Gäste- oder Ortstaxe genannten Gebühr werden Urlaubsangebote finanziert sowie Kurparks, Strände und andere öffentliche Einrichtungen unterhalten.

Spaniens Baustellen
Spanien hat wie die anderen südeuropäischen Euro-Länder von den niedrigen Zinsen in der Währungsunion profitiert und einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Ähnlich wie in Irland bildete sich eine Immobilienblase, die mit einem lauten Knall platzte: Der Bausektor fiel in sich zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Quelle: REUTERS
Seit 2008 stieg die Arbeitslosenquote von knapp über zehn auf fast 25 Prozent. Bei den Jugendlichen ist fast jeder Zweite arbeitslos. Hatten bislang vor allem ungelernte Arbeitskräfte in der Bauwirtschaft und im Servicebereich ihren Job verloren, trifft es jetzt auch qualifizierte Kräfte. Nach einem schwachen Wachstum in der ersten Jahreshälfte 2011 befindet sich Spaniens Wirtschaft jetzt wieder in der Rezession. In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 Prozent schrumpfen. Quelle: dpa
Das Hauptproblem: Fortbildungsprogramme und Arbeitsvermittlung wurden bislang vernachlässigt, Teilzeitverträge existierten bislang fast gar nicht. Auf Seiten der Arbeitnehmer haben sich zu viele Angestellte in komfortablen Bedingungen eingenistet. Flexibilität und Mobilität bei Stellensuchenden sind so gut wie gar nicht ausgeprägt. Quelle: REUTERS
Ausgerechnet die Hochqualifizierten bewegen sich nun – mit fatalen Folgen für Spanien. Weil Jobs und Perspektiven für Akademiker fehlen, schauen sich junge Iberer zunehmend im Ausland nach Jobs um. In Deutschland könnte sie fündig werden. Die Bundesregierung warb im vergangenen Herbst um spanische Ingenieure. Mit Erfolg. Bis zum Jahresende 2011 bewarben sich mehr als 14.000 junge Iberer um einen Job zwischen Hamburg und München. Spanien droht nun der „brain drain“. Quelle: dpa
Ein weiteres Problem: Spaniens Regierungschef legt ein hohes Reformtempo vor – doch die Kommunal- und Regionalregierungen zeigen keinerlei Sparbereitschaft. Während die Zentraladministration seit 2001 ihr Personal um 22 Prozent reduziert habe, sei die Belegschaft der autonomen Gemeinschaften um 44 Prozent und die der Gemeinden um 39 Prozent gestiegen, rechnete Antonio Beteta vor, der Staatssekretär für öffentliche Verwaltungen. Quelle: REUTERS
Höhere Sozialausgaben und sinkende Steuereinnahmen aufgrund der Rezession und der Abwanderung von Hochqualifizierende führen zwangsläufig zu einem Anstieg der Verschuldung. Die Gesamtverschuldung liegt derzeit mit knapp 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar unter dem Schnitt der Eurozone, aber diese Zahl dürfte bis 2014 rasant wachsen. Die Ratingagentur Moody’s geht davon aus, dass die Verschuldung bis Jahresende bei rund 80 Prozent des BIPs liegen wird. Quelle: dpa
Auch die Finanzmärkte sind skeptisch. Zwar haben die großzügigen Geldausleihen der Europäischen Zentralbank (EZB), bei der sich vor allem südeuropäische Banken mit Liquidität versorgt haben, auch die Renditen spanischer Staatsanleihen auf ein erträgliches Niveau gedrückt. Doch die Anleger verlangten von Spanien zuletzt wieder höhere Renditen als für Italien – ein deutliches Zeichen des Misstrauens. Quelle: REUTERS

Einer aktuellen Umfrage der Stiftung Warentest unter 111 Reisezielen zufolge verlangen die ostfriesischen Nordseeinseln Juist, Borkum und Langeoog sowie Baden-Baden (Baden-Württemberg) und Bad Kissingen (Bayern) die höchsten Kurtaxen. Erwachsene müssen hier pro Tag 3,50 Euro bezahlen. Die niedrigste Kurtaxe erhebt demnach Kassel-Bad Wilhelmshöhe (Hessen) mit 50 Cent für Erwachsene. Inselurlauber zahlen in Burg auf Fehmarn mit 1,80 Euro am wenigsten, auf Usedom sind zwischen 1,85 und 2,50 Euro pro Tag fällig, in Binz auf Rügen 2,60 Euro.

Auch eine Reihe von Städten bittet Touristen mit einer Kulturförderabgabe, Übernachtungssteuer oder Kulturtaxe - der sogenannten Bettensteuer - zur Kasse. Vorreiter war Köln, wo Touristen fünf Prozent auf den Bruttoübernachtungspreis draufzahlen. In Berlin sind es fünf Prozent auf den Nettoübernachtungspreis. In anderen Städten wie Dresden und Hamburg sind gestaffelte Eurobeträge zu zahlen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%