Parlamentswahl Dänemark zeigt, dass Sparsamkeit Wachstum bringen kann

Die Dänen wählen am Donnerstag ein neues Parlament. Monatelang sah es nach einem Machtwechsel aus. Doch plötzlich ist der Ausgang völlig offen - weil die Reformen der Ministerpräsidentin endlich fruchten.

Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt Quelle: dpa

Ende Mai trat die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt vor ihr Volk um zwei Botschaften zu verkünden. Erstens: Am 18. Juni wird gewählt. Und zweitens: „Die wirtschaftliche Krise ist beendet.“ Mit anderen Worten: Das ist mein Aufschwung, wenn ihr wollt, dass es so weitergeht, dann müsst ihr mich wählen.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Ob die Sozialdemokratin damit die Wahl auch tatsächlich gewinnt, darüber lässt sich am Wahltag keine klare Prognose machen. Und genau darin liegt Thorning-Schmidts erster Erfolg. Denn über Monate hatte sie wie die hoffnungslose Verliererin ausgesehen, zeitweise lag ihr Bündnis in Umfragen bis zu 15 Prozentpunkte hinter den konservativen Herausforderern. Jetzt ist sie chancengleiche Kandidatin in einem der engsten Wahlkämpfe, den Kopenhagen je gesehen hat. Und das hat sie vor allem der Tatsache zu verdanken, dass ihr ebenso scharfes wie scharf kritisiertes Sparprogramm pünktlich im Wahljahr den Erfolg feiert, auf den die Dänen so lange gewartet haben.

Verhältnismäßig unbemerkt von der europäischen Öffentlichkeit ist Dänemark nach der Finanzkrise in eine der heftigsten Wirtschaftskrisen aller Länder des Kontinents gerutscht. Ebenso wie in Spanien oder Irland platzte hier 2008 eine ziemlich große Immobilienblase, die Preise rutschten um gut 20 Prozent in den Keller. Plötzlich war Dänemark das Land mit der weltweit höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Doch da das Land nicht Mitglied des Euroraumes ist, sorgte sich darum kaum einer. In Dänemark aber begann eine anhaltende Rezession, die auch den Haushalt des Landes belastete.  Bis 2008 hatte das Land jahrelang einen Haushaltsüberschuss erzielt, mit einem Mal galt  diese Stabilität mit entgegengesetzten Vorzeichen: Seit nunmehr sechs Jahren ist er Staatshaushalt des Landes defizitär.

Die wohlhabendsten Länder der Welt
Rang 14: DeutschlandDeutschland liegt, was den Wohlstand weltweit betrifft, auf Platz 14. Das ergibt der Legatum Prosperity Index. Betrachtet wurden dabei neben dem Faktor Wirtschaftswachstum sieben weitere Kernaspekte wie die Möglichkeiten für Unternehmer, die Regierungsarbeit, das Bildungssystem, die Gesundheit, die Sicherheitslage, die persönliche Freiheit und das Sozialkapital. Besonders gut schneidet Deutschland in puncto ökonomischer Wohlstand (Platz acht), Bildung (Platz zehn) und Gesundheit (Platz sieben) ab. Auch wenn die Toleranz gegenüber Immigranten und Minderheiten seit 2010 leicht abgenommen hat, zählt Deutschland hier immer noch zur Spitzengruppe – 2010 sagten noch 80 Prozent der Bevölkerung, Deutschland sei ein guter Ort für Immigranten, 2014 waren es nur noch 78. Die deutsche Regierung wird als sehr effizient gesehen und hat vergleichsweise hohe Rückendeckung aus der Bevölkerung. Für einen Platz in den Top 10 genügt all das aber nicht. Ein Grund dafür: In puncto innerer und äußerer Sicherheit belegt Deutschland nur Platz 22. Quelle: REUTERS
Rang 10: USADie USA sind – wie auch schon vor fünf Jahren – auf Rang zehn. Zwischenzeitlich hatte die immer noch größte Volkswirtschaft der Welt nur den zwölften Platz inne. Die Gründe für den neuerlichen Aufstieg sind laut dem Legatum Institute einfach auszumachen: Gerade aus ökonomischer Sicht konnte die USA stark zulegen und hat ganze sieben Plätze aufgeholt – damit belegt sie Rang 17 weltweit. Das resultiert aus der gesunkenen Arbeitslosigkeit und der besseren wirtschaftlichen Stimmung. Allerdings ist nicht alles rosig: Die USA, die wie kein anderes Land sonst Freiheit symbolisieren, rangieren nur auf Platz 21, was persönliche Freiheit betrifft. Nur 82 Prozent der Bürger glauben, selbstbestimmt in den Vereinigten Staaten leben zu können – 2011 waren es noch vier Prozent mehr. In Neuseeland, dem Spitzenreiter in dieser Kategorie, glauben 94 Prozent, ihr Leben selbstbestimmt führen zu können. Auch die Zahl der Amerikaner, die glauben, die USA sei ein guter Platz für Migranten und Minderheiten ist auf 82 Prozent gefallen. Damit gehören die USA zwar immer noch zur Spitzengruppe, aber gerade die Ausschreitungen in Ferguson sprechen dafür, dass der Wert in den nächsten Jahren weiter fallen könnte. Quelle: dpa
Rang 9: NiederlandeDie Niederlande konnten die neunte Platzierung halten. Aus ökonomischer Sicht belegt sie zwar nur Platz 25 – allerdings glänzt die Wirtschaft mit zahlreichen anderen Faktoren: In puncto sozialer Mobilität liegt sie in der Spitzengruppe. Gemessen wurde hierbei die Chance zwischen den verschiedenen sozialen Klassen im Vergleich zu den Eltern aufzusteigen. Auch die soziale Ungleichheit ist nahezu nirgendwo so niedrig wie in den Niederlanden. Das dürfte vor allem am exzellenten Bildungssystem liegen. Es rangiert weltweit auf Platz vier. Quelle: dpa
Rang 8: FinnlandFinnland hat einiges mit den Niederlanden gemein: Betrachtet man die ökonomische Leistung, ist Finnland ähnlich platziert wie die Niederlande, mit Rang 26 aber insgesamt das schwächste Land in der Spitzengruppe. Dafür glänzt Finnland ebenfalls mit einer hohen Mobilität und einer niedrigen Ungleichheit. Dazu gilt die finnische Regierung als eine der effektivsten weltweit. In puncto Sicherheit rangiert Finnland hinter Hong Kong und Island auf Platz drei. Gemessen wurde hierbei sowohl die innere als auch die äußere Sicherheit. Das Bildungssystem ist das sechstbeste der Welt. Quelle: Creative Commons - Tpienonen
Rang 7: AustralienLaut der Studie verfügt Australien über das beste Bildungssystem der Welt. Auch in anderen Bereichen ist die frühere britische Gefängniskolonie Spitzenreiter: So gilt in keinem Land dieser Welt die Macht als so gleichmäßig verteilt wie in Australien, gleiches gilt für die politischen Rechte. Daraus resultiert, dass der Ausbruch eines Bürgerkriegs nirgendwo unwahrscheinlicher ist. Interessant ist ein Blick auf die Sicherheitslage in Australien: 80 Prozent der Männer geben an, sich bei Nacht alleine sicher zu fühlen; bei den Frauen sind es nur 54 Prozent. Damit erreicht Australien die zweitgrößte Differenz weltweit. Auffällig: Auch die anderen Länder mit einer ausgeprägten Differenz sind Hocheinkommensländer. Im weltweiten Durchschnitt beträgt die Differenz zwischen Mann und Frau 13 Prozent – in Australien ist sie doppelt so hoch. Quelle: REUTERS
Rang 6: SchwedenIn Sachen Bildung wird Schweden europaweit immer wieder als Vorbild genannt. Laut Studie belegt es aber nur Rang 16 und steht damit sechs Plätze hinter Deutschland. Trotzdem: Die hohe soziale Mobilität und die niedrige Ungleichheit bedingen eine Top-Platzierung. Auch aus ökonomischer Sicht steht Schweden gut da. Weltweit rangiert es auf Platz vier. Das dürfte mitunter daraus resultieren, dass kein anderes Land der Welt Unternehmern so viele Möglichkeiten gibt wie Schweden. Unterstützt werden Unternehmer beispielsweise finanziell sehr stark bei Innovationen. Quelle: dpa
Rang 5: KanadaKanada ist bekannt für seine farbenprächtigen Landschaften, für große Seen, Berge und gigantische Wälder. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Bürger keines Landes dieser Welt zufriedener sind mit ihrer Umgebung: 95 Prozent der Kanadier geben an, dass sie die Natur dort schön finden – absoluter Höchstwert. Auch die Lebenszufriedenheit ist nirgendwo höher als in Kanada. In puncto persönlicher Freiheit und Zufriedenheit mit der Regierungsarbeit liegt Kanada weit vorne. Weniger ruhmreich: Ganz vorne rangiert Kanada bei der Differenz zwischen dem Sicherheitsempfinden von Mann und Frau: 91 Prozent der Männer geben an, sich bei Nacht alleine sicher zu fühlen, aber nur 62 Prozent der Frauen. gDas kanadische Bildungssystem ist laut Studie das zweitbeste der Welt. Damit liegt es knapp vor dem nächsten Land. Quelle: AP

Als Helle Thorning-Schmidt 2011 Ministerpräsidentin wurde und die Regierungsverantwortung damit vom konservativen Lager ins sozialdemokratische wechselte, mussten liberale Ökonomen daher das schlimmste befürchten: Teure Konjunkturprogramme, noch höhere Schulden, am Ende gar eine Spirale südeuropäischen Ausmaßes? Doch Thorning-Schmidt entschied sich anders, von Außen muss es fast so scheinen als habe sie sich am deutschen Sozialdemokraten und Arbeitsmarktreformer Gerhard Schröder (SPD) orientiert. Die umstrittene Kürzung der Versorgungsleistungen für Arbeitslose führte sie fort. Statt vier Jahre lang Geld vom Staat zu bekommen, gibt es nur noch zwei Jahre lang volle Unterstützung. Das klingt immer noch ziemlich komfortabel, für dänische Verhältnisse aber war es ziemlich rabiat.

Zudem senkte Thorning-Schmidt die Steuerlast für Unternehmen. Heute zeigt sich, dass die Sozialdemokratin so den Kern dessen stärkte, was vor der Krise das dänische Erfolgsmodell ausgemacht hatte: „flexicurity“, die Mischung aus einem beweglichen Arbeitsmarkt und hohen Versorgungsleistungen. Doch war die Flexibilität etwas aus den Augen verloren worden. Die Dänen führten zwar jede Statistik an, wenn es um berufliche Auszeiten für Väter, pünktliche Feierabende und allgemeine Lebenszufriedenheit ging – aber auch die der höchsten Arbeitskosten in Europa.

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