WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Patrick Morris "Was zählt, ist der Profit"

Der Hedgefondsmanager Patrick Morris über die Kritik an seiner Branche und das gespannte Verhältnis zwischen Profit und Moral im griechischen Schuldendrama.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Patrick Morris Quelle: PR

WirtschaftsWoche: Mr. Morris, bei den Verhandlungen um einen Schuldenschnitt für Griechenland pochen einige private Gläubiger darauf, voll ausgezahlt zu werden. Ist Rendite ein Menschenrecht?

Morris: In den Augen der Investoren tun diese Hedgefonds genau das Richtige: Rendite erwirtschaften – mit allen Mitteln. Die philosophische Debatte darüber, ob das richtig oder falsch ist oder ob die Interessen einiger weniger privater Investoren wichtiger sind als das Allgemeinwohl – diese Debatte führen diese Hedgefonds nicht. Sie argumentieren vielmehr, ihre Rechte könnten nicht einfach missachtet werden, nur weil es jetzt plötzlich als opportun erscheint oder weil einige Leute extrem davon profitieren würden.

Ihr Image als gierige und skrupellose Kapitalisten bestätigen die Hedgefonds damit ja wunderbar.

Diese amerikanischen Hedgefondsmanager denken anders als die Europäer: Was zählt, ist der Profit, nicht die Moral. Sie stehen auf dem Standpunkt, wenn ihr zahlen könnt, dann zahlt. Selbst wenn es für Deutschland und Frankreich schmerzlich ist, das notwendige Geld für Griechenland aufzubringen, selbst wenn eine Rezession in Europa die Folge wäre oder die Euro-Zone auseinanderbrechen würde. Das Allgemeinwohl interessiert sie dabei herzlich wenig.

Könnten die Hedgefonds damit vor einem Gericht Erfolg haben?

Ich würde dringend davon abraten, bei einem europäischen Gericht zu versuchen, das Recht einiger reicher nicht europäischer Investoren durchsetzen zu wollen. Selbst wenn die Fakten für sie sprechen, wäre das ein verlorener Kampf. In Europa wird individuelles Recht nicht über das Allgemeinwohl gestellt. In Amerika wäre das anders. Hier könnte man so eine Klage wagen. Die Aussichten auf Erfolg stünden gut.

Die Investoren gingen ja nun nicht pleite, wenn sie auf einen Teil ihres Geldes verzichten würden. Sie machen auf jeden Fall Profit. Schließlich haben sie sich gegen einen Ausfall abgesichert.

Darum geht es nicht. Wenn man das traditionelle institutionelle Investmentgeschäft verlässt und in alternative Asset-Bereiche einsteigt, dann herrschen dort andere Regeln. Das Einzige, was dort zählt, ist: Wie groß ist der Profit am Ende des Jahres? Daran misst sich der Erfolg der Manager und an sonst gar nichts. Nicht von ungefähr kommt es immer wieder zum Insiderhandel in der Branche. Selbst Fondsmanager Raj Rajarantnam war der Überzeugung, nur im Interesse seiner Investoren gehandelt zu haben. Er argumentiert noch heute, er habe die besten verfügbaren Informationen eingeholt, um den Gewinn für die Investoren zu maximieren. Für solche Leute ist das nicht unmoralisch und schon gar nicht illegal.

"Sie kämpfen für die Interessen der Investoren"

Patrick Morris wirft den Hedgefonds vor, die Rettung Griechenlands zu verzögern. Quelle: dapd

Rajarantnam wurde wegen Insiderhandels zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Vor Kurzem sind weitere Hedgefondsmanager wegen des gleichen Verdachtes vom FBI festgenommen worden. Ist die Szene wahnsinnig oder schlicht kriminell?

Ist das wahnsinnig? Es ist die Philosophie dieser Hedgefonds: Sie kämpfen für die Interessen ihrer Investoren und schützen deren Rechte. Mit der Ankündigung, vor dem Europäischen Gerichtshof klagen zu wollen, halten sie Griechenland die Pistole an den Kopf. Es ist eine Drohgebärde. Ich halte das für sehr gefährlich. Sie verzögern bewusst den gesamten Prozess der Rettung Griechenlands. Sie beeinflussen damit die Märkte, sie setzen die europäische Währung unter Druck, beeinflussen die Höhe der Zinsen, die europäische Staaten für ihre Anleihen zahlen müssen. Das ist die Politik der Drohung: Diese Hedgefonds sagen, okay, wollt ihr uns jetzt voll ausbezahlen, oder wollt ihr den Zusammenbruch der Euro-Zone in Kauf nehmen und uns später weniger zahlen.

Ist eine schärfere Regulierung der Hedgefonds, die derartige spekulative Geschäfte verbietet, nicht längst überfällig?

Mit ihrem Verhalten zwingen diese Hedgefonds die Regierungen zu mehr Regulierung. Sie zeigen damit, welch große Gefahr sie für das Allgemeinwohl sind. Wenn sie Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy jetzt dermaßen unter Druck setzen, hat das negative Folgen für die gesamte Hedgefondsbranche.

Europa



Welche?

Mehr Regulierung trifft die gesamte Branche negativ. Das kann nicht in unserem Interesse sein. Wenn Hedgefonds demnächst bestimmte Informationen über ihre Geschäfte an die Börsenaufsicht geben müssen, trifft das alle Hedgefonds – auch solche, die wie Hagin Investment nicht im Anleihegeschäft tätig sind. In gewisser Weise haben aber die Notenbanken auch Mitschuld an der derzeitigen Situation. Die Fed und die EZB pumpen seit einiger Zeit sehr viel Geld ins System. Das lockt natürlich viele spekulative Investoren an, die damit kurzfristig Profit machen wollen – auf Kosten von anderen qualitativ und finanziell besser aufgestellten Fonds.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%