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Peter Bofinger und Thomas Mayer "Es knirscht im Euro-Raum"

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EZB sollte keine Staatsanleihen kaufen

Den Kauf von Staatsanleihen könnte die EZB nun aber schon auf ihrer Sitzung am Donnerstag dieser Woche beschließen.

Mayer: Ja, es knirscht im Euro-Raum. Bei den Anleihen der einzelnen Länder gibt es Zinsunterschiede je nach Ausfallgefahr. Wenn die EZB Staatsanleihen der Euro-Länder in einer Mischung kauft, die dem Kapitalanteil ihrer Mitgliedsländer entspricht, dann müsste sie von jedem Euro, den sie ausgibt, etwa für rund 25 Cent Bundesanleihen kaufen. Das treibt die Unterschiede weiter auseinander. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt schon unter 0,6 Prozent. Die würde dann schnell auf null sinken. Das kurzfristige Ende der Zinskurve ist schon negativ. Außerdem: Wenn die EZB wie angekündigt für eine Billion Euro Anleihen kaufen will, wo sollen die denn herkommen? Es gibt doch gar nicht so viele Neuemissionen!

Bofinger: Herr Mayer, es wird Sie jetzt wundern. Doch bei aller Sympathie, die ich für EZB-Präsident Draghi habe, diese großvolumigen Anleihekäufe und insbesondere den Kauf von Bundesanleihen halte auch ich nicht für gut.

Mayer: Das freut mich.

Bofinger: Rein ökonomisch könnte man sagen, es schadet nichts, drücken wir die Zinsen halt noch ein wenig nach unten. Aber bei dem Niedrigzinsumfeld, das wir in Deutschland bereits haben, hätte das negative Folgen für Versicherungen und Pensionsfonds, ja für die gesamte Altersversicherung hierzulande. Deshalb rate ich der EZB dringend davon ab, Staatsanleihen zu kaufen.

Wo genau liegen die Gefahren?

Bofinger: Wenn die EZB Anleihen von Staaten kauft, dann ist das sowohl ein politisches als auch ein ökonomisches Problem. Es zeigt, dass die EZB am Ende ist mit ihrem Handlungsspielraum. Die Fiskalpolitik muss handeln. Ich sehe noch Spielraum in Deutschland, die Nachfrage anzukurbeln. Deutschland hat das Problem, dass viele Leute aus der Mittelschicht keine Immobilien besitzen. Anleihen, Versicherungen, Pensionsfonds – das sind die Vermögensbestände des Mittelstands in Deutschland. Wenn diese Assets wegbrechen, dann gibt es massive Probleme.

Die größten Banken der Euro-Zone
Platz 10CaixaBankLand: Spanien Börsenwert: 24,1 Mrd. Euro Die spanische Investmentgesellschaft mit Sitz in Barcelona, befindet sich unter Kontrolle der Sparkasse "La Caixa". Früher hieß sie Criteria CaixaCorp. Sie ist an einigen der größten spanischen Unternehmen wie z.B. Gas Natural, Repsol YPF und Telefónica beteiligt. Quelle: dpa
Platz 9Crédit AgricoleLand: Frankreich Börsenwert: 29,8 Mrd. Euro Die Crédit Agricole mit Sitz in Paris ist die drittgrößte Bank in Frankreich und zählt zu den größten Geschäftsbanken in ganz Europa. Quelle: dpa
Platz 7Société GénéraleLand: Frankreich Börsenwert: 37,3 Mrd. Euro Die Société Générale zählt zu den wichtigsten und ältesten Geschäftsbanken in Frankreich. Weltweit arbeiten fast 160.000 Mitarbeiter für die Großbank mit Sitz in Paris. Quelle: REUTERS
Platz 8Deutsche BankLand: Deutschland Börsenwert: 33,8 Mrd. Euro Mit einer Bilanzsumme von 1.611 Milliarden Euro gilt die Deutsche Bank als das größte Kreditinstitut Deutschlands. Insgesamt sind mehr als 98000 Mitarbeiter für die1870 gegründete Bank tätig. im weltweiten Vergleich kommt die Deutsche Bank mit ihrem Börsenwert nur auf Rang 37. Quelle: dpa
Platz 6UniCreditLand: Italien Börsenwert: 39,0 Mrd. Euro Die 1998 gegründete UniCredit S.p.A. zählt zu den größten und wichtigsten Banken Italiens. Auf der ganzen Welt arbeiten rund 148.000 Angestellte für UniCredit. Quelle: Reuters
Platz 5Intesa SanpaoloLand: Italien Börsenwert: 41,2 Mrd. Euro Die Intesa Sanpaolo mit Sitz in Turin ist neben Unicredit das größte italienische Finanzinstitut. Die Bank ist 2006 aus einer Fusion der Sanpaolo IMI S.p.A. und der Banca Intesa entstanden. Quelle: REUTERS
Platz 4Allied Irish BankLand: Irland Börsenwert: 46,6 Mrd. Euro Das Institut gehört zu den größten in Irland und hatte entsprechend unter der Finanzkrise zu leiden. Im Dezember 2010 wurde die irische Regierung Anteilseigner der Bank. Quelle: SNL Financial Quelle: dpa

Mayer: Die Frage ist doch, würde ein Ankauf von Staatsanleihen die Konjunktur überhaupt anschieben? Wenn die EZB nach dem Kapitalanteil der einzelnen Euro-Länder Anleihen kauft, würden die deutschen Zinsen weiter fallen. Dadurch stiegen die Pensionsverpflichtungen der Unternehmen. Statt die Gewinne zu investieren, müssten die Betriebe sie in die Rückstellungen zur Finanzierung der Altersversorgung stecken. Es könnte genau das Gegenteil dessen passieren, was die EZB mit dem Kauf von Staatsanleihen bezweckt. Draghi könnte der Konjunktur schaden, statt sie anzukurbeln.

Die EZB will damit Deflation abwehren.

Mayer: Ist die Deflation tatsächlich so ein großes Problem? Ich halte nichts von dem Argument, Konsumenten verschöben Ausgaben, weil sie auf weiter sinkende Preise hoffen. Wer das neue iPhone haben will, der kauft es sich, obwohl er weiß, dass es bald billiger sein wird. Das eigentliche Problem sind die hohen Schulden. Bei niedriger Inflation lassen sich die hohen Schulden nicht weginflationieren. Die Länder müssen die Schuldenproblematik lösen.

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