WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Peter Bofinger und Thomas Mayer "Es knirscht im Euro-Raum"

Seite 5/5

"Völlig absurde Sanktionen"

Sanktionen sieht der Stabilitätspakt doch bereits vor, sie werden nur nicht genutzt.

Bofinger: Ja, aber dabei handelt es sich um völlig absurde Sanktionen. Wenn ein Land ein überhöhtes Defizit hat und deswegen eine Geldbuße zahlen muss, dann wäre es der Regierung wohl auch egal, wenn sich das Defizit deswegen um weitere 0,5 Prozent erhöht. Stattdessen bräuchte man zielführende Sanktionen, etwa indem für das Land eine befristete Steuererhöhung angeordnet wird, um besonders hohe Defizite zurückzufahren. Das Gegenstück dazu wäre dann eine Form der Gemeinschaftshaftung. Beides gehört zusammen.

Mayer: Es ist wohl allen Verantwortlichen klar, dass der gegenwärtige Zustand der Währungsunion noch nicht stabil ist. Man kann aber durchaus darüber streiten, ob die einzelnen Länder wirklich bereit sind, so viel Souveränität abzugeben, dass daraus eine funktionierende Währungsunion wird. In Deutschland würde dies wahrscheinlich eine Volksabstimmung zur Änderung des Grundgesetzes voraussetzen. Da kann ich nur sagen: Viel Glück!

Das klingt so, als hielten Sie das für unmöglich?

Mayer: Nein, aber man sollte sich die Staaten anschauen, die einen solchen Weg schon beschritten haben: die Schweiz und die USA. In beiden Fällen endete das mit einer relativ starken Zentralgewalt. Insbesondere in den USA unter Präsident Roosevelt hat die Zentralmacht die Einzelstaaten entmachtet und eine Fiskalkompetenz aufgebaut, mit der sie den fiskalischen Ausgleich im Bundesstaat herstellen konnte. Eine gemeinsame Haftung für die Schulden der Föderalstaaten gibt es aber auch dort bis heute nicht – auch nicht in der Schweiz. Ich meine, wir sind in Europa noch lange nicht so weit, dass die Bevölkerungen einen solchen Souveränitätsverzicht billigen. Dass wir in Europa Schulden vergemeinschaften können, halte ich für eine unhistorische Überlegung.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Was folgt daraus?

Mayer: Man müsste zu Maastricht zurückkehren. Dort war die EWU angelegt wie eine Art Goldstandard.

Bofinger: Aber was reden Sie denn da? Wenn das stimmt, was Sie sagen, dann bliebe doch nur die Rückkehr zu nationalen Währungen. Das sehe ich aber nicht so. Es stimmt. Wir stecken im Tunnel fest. Den Ausgang nach vorne müssen wir uns erst noch bohren, auch wenn es mühsam wird. Aber die Rückkehr zum Eingang ist für mich unmöglich.

.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%