PEW-Studie Das Vertrauen der Deutschen in die Nato sinkt

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Deutschen sind nicht bereit, Bündnispartner im Angriffsfall militärisch zu unterstützen, wollen der Ukraine keine Waffen liefern und haben kaum noch Vertrauen in die Nato.

Flagge der NATO Quelle: REUTERS

Die Ukraine finanziell unterstützen? Ja. Die Ukraine der Nato beitreten lassen? Bloß nicht. Die Ukraine militärisch unterstützen? Erst recht nicht. Das ist – vereinfacht zusammengefasst – das Ergebnis einer Studie des amerikanischen PEW-Instituts. Untersucht wurde die Haltung von unter anderem Deutschland, den USA und Polen zur Ukraine-Krise, zur Nato und zu Russland. Im Detail geben die Ergebnisse einiges über die Haltung der Deutschen zu militärischen Krisen und ihre Art der Unterstützung preis.

So gaben nur vier von zehn Deutschen an, militärische Unterstützung zu befürworten, sollte ein benachbartes Nato-Land mit Russland in einen militärischen Konflikt geraten.

Die Eskalation der Ukraine-Krise
21.2.14Nach blutigen Protesten geht Ukraines Präsident Viktor Janukowitsch auf die Demonstranten zu, sie lehnen seine Vorschläge ab. Quelle: dpa
 Der ukrainische Staatspräsident Viktor Janukowitsch Quelle: dpa
Russische Fahne über dem Regionalparlament
Das russische Parlament
6.3.Warnung an den Kreml: Die EU und USA beschließen erste Sanktionen. Russland reagiert mit Importverboten.
15.3.Die Bürger der Krim stimmen in einem Referendum für den Beitritt zu Russland. Der Westen erkennt das Ergebnis nicht an.
Beginn der Anti-Terror-Operation in Slovyansk, Ukraine Quelle: dpa

Zur Hilfe verpflichtet

Laut Artikel fünf des Nato-Vertrags wäre Deutschland jedoch in diesem Fall dazu verpflichtet. Dort steht: „Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen alle angesehen wird.“ Dementsprechend ist jeder zu militärischem Beistand verpflichtet.

Nahezu sechs von zehn Deutschen geben trotzdem an, Deutschland sollte dem Verbündeten nicht zu Hilfe eilen. In keinem anderen der befragten Länder war der Wert so hoch. In Frankreich und Italien lag er bei rund 50 Prozent, in den USA bei 37 Prozent – der Nato-Schnitt betrug 42 Prozent.

Die USA intervenieren, wenn Russland angreift

Eine ähnliche Haltung spiegelt sich auch in Deutschlands Haltung zur Nato im Allgemeinen wieder. Befürworteten 2009 noch 73 Prozent die Nato, sind es heute noch 55 Prozent. In Polen dagegen lag der Wert 2009 bei 75 Prozent und sank bis 2015 auf 74 Prozent. In den USA sank der Anteil der Befürworter im selben Zeitraum von 53 auf 49 Prozent.

Besonders in Bezug auf die Ukraine klafft zwischen Deutschland und den anderen Nato-Mitgliedern eine große Lücke.

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