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"Podemos"- Mitgründer Juan Carlos Monedero "Deutschland agiert undemokratisch und wenig empathisch"

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"Wir empfinden das deutsche Auftreten in Europa als vorschreibend"

Statt auf Deutschland zu schimpfen, könnten Sie sich ja auch an der demokratischen Reife der Bundesrepublik orientieren: der soziale Dialog funktioniert, Tarifparteien regeln die Löhne, die Justiz ist unabhängig, und die Bürger nehmen am politischen und gesellschaftlichen Leben teil, die Korruption ist gering.

Deutschland ist eine Demokratie, die nach innen, für die eigenen Leute sehr gut funktioniert. Und ich bewundere das Bewusstsein des Einzelnen für die ganze Gesellschaft, die  grundsätzliche soziale Verantwortung jedes Deutschen dem Staat gegenüber.  Diese ist verankert in der Kultur. Ich bewundere auch die intellektuellen Debatten, die es in Deutschland gibt.

Die Kanzlerin Angela Merkel handelt auch durchaus gerecht ihrem Volk gegenüber. Die Deutschen genießen viele Sozialleistungen und Privilegien. Sie erleben Wohlstand, der Staat beschützt sie. Aber außerhalb des Landes agiert die deutsche Regierung alles andere als demokratisch und empathisch. Wir empfinden das deutsche Auftreten in Europa als vorschreibend, bestimmend und wenig solidarisch. 

 Was sind denn Ihre konkreten Konzepte gegen die Krise – oder sind Sie mit dem Status quo, immerhin gibt es Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung, zufrieden?

In Arbeit
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Wir geben uns nicht mit kurzfristigen Besserungen der wirtschaftliche Lage zufrieden, wir streben eine Systemänderung an, ähnlich der Ansätze von Christan Felbers Buch „Die Gemeinwohl-Ökonomie“.  Wir wollen auch eine neue demokratischere Entscheidungsstruktur in Brüssel. Es geht hier nicht um etwas weniger Arbeitslose oder etwas mehr Wachstum. Wir haben strukturelle Probleme, ein Auseinanderdriften von Arm und Reich, und das erleben wir nicht nur in Spanien, sondern in vielen Industrieländern, wo der Mittelstand schwindet.

Sie werden in Spanien von einigen als Hoffnungsträger für einen Wandel gefeiert,  Sie werden unterstützt aus Protest gegen das etablierte Parteiensystem. Was erhoffen Sie sich von den Parlamentswahlen am Ende des Jahres in Spanien?

Wir wollen aktiv die Politik in Spanien bestimmen. In Partnerschaft mit anderen Parteien oder aus der Opposition heraus. Ohne irgendwo in der Regierung zu sein, haben wir in Spanien schon viele Dinge verändert. Die Menschen sind aufgerüttelt und akzeptieren nicht mehr alles, sie haben die Volksparteien bei den Europawahlen und den regionalen Abstimmungen bereits abgestraft. Die Krise ermöglicht Spanien seit langer Zeit erstmal wieder, durchgreifende Änderungen in unserer Gesellschaft durchzusetzen. Die Krise ist damit eine einmalige Chance, die wir haben.

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