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Post aus Harvard

Der Nachteil der Gemeinschaftswährung

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Die wirtschaftliche Lage Frankreichs ist aktuell besser als die Englands. Trotzdem ist das schlechtere Rating gerechtfertigt.

Britische Pfundnoten Quelle: dpa

Der Leiter der französischen Notenbank, Christian Noyer, zürnte, als er im vergangenen November von einer möglichen Herabstufung Frankreichs durch die Rating-Agentur Standard&Poor’s hörte.

Die Herren sollten doch erst einmal Großbritannien abwerten, bevor man sich Frankreich zuwende. Der Finanzminister, Francois Baroin, erklärte: „In wirtschaftlicher Hinsicht sollten Sie lieber Franzose als Brite sein.“ Und selbst der französische Ministerpräsident Francois Fillar merkte an, dass Großbritannien mehr Schulden und höhere Defizite aufweist als Frankreich.

Vorteil: eigene Währung

Sie alle verkennen anscheinend die Bedeutung der Tatsache, dass Großbritannien seine eigene Währung hat. Wenn Zinsen und Kapital der britischen Staatsschulden fällig werden, kann die Regierung immer zusätzliche Pfund drucken, um diese Verpflichtungen zu erfüllen. Die französische Regierung und die französische Notenbank dagegen können keine Euros schöpfen.

Wenn die Anleger nicht bereit sind, das französische Haushaltsdefizit zu finanzieren und die Anleihen des Landes zu vertretbaren Sätzen zu kaufen, gerät Frankreich zwangsläufig in Zahlungsverzug. Dies ist der Grund, warum der Markt französische Anleihen als riskanter einstuft und höhere Zinsen dafür verlangt, obwohl das französische Haushaltsdefizit bei 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt, während das britische Haushaltsdefizit 8,8 Prozent beträgt.

Es hat noch einen zweiten Grund, warum Großbritannien in einer weniger riskanten Lage ist als Frankreich. Großbritannien kann sein Leistungsbilanzdefizit verringern, indem es eine Schwächung des Pfundes gegenüber dem Dollar und dem Euro herbeiführt. Auch dies können die Franzosen ohne eigene Währung nicht. Tatsächlich ist dies genau, was Großbritannien geldpolitisch in letzter Zeit gemacht hat: Es hat den Wechselkurs des Pfund gegenüber dem Euro und dem Dollar auf ein wettbewerbsfähigeres Niveau gebracht.

Frankreich verschärft europäische Spannungen

Die Franzosen setzen auf den Euro. Quelle: dapd

Präsident Nicolas Sarkozy und andere französische Politiker sind zweifellos unglücklich, dass der jüngste europäische Gipfel die Sache einer weitergehenden politischen Union der EU nicht vorangebracht hat.

Es waren die französischen Regierungsvertreter Jean Monnet und Robert Schuman, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die Initiative zur politischen Vereinigung Europas einleiteten. Die Franzosen betrachteten die Schaffung des Euro als ein wichtiges Symbol des in Bezug auf dieses Ziel erreichten Fortschritts.

In den Sechzigerjahren drängte Jacques Delors, damals französischer Finanzminister, in einem Bericht mit dem Titel „Ein Markt, ein Geld“ auf eine gemeinsame Währung. Er prophezeite, dass ein europäisches Freihandelsabkommen nur funktionieren werde, wenn seine Mitglieder eine gemeinsame Währung nutzen würden.

Für die Franzosen ist das Erreichen einer politischen Union innerhalb Europas eine Methode, Europas Rolle in der Welt und Frankreichs Rolle innerhalb Europas zu stärken. Umso schwerer fällt es ihnen mitanzusehen wie dieses Ziel in immer weitere Ferne rückt. Durch seine Angriffe auf Großbritannien stärkt Frankreich jedoch nicht die Währungsunion sondern verschärft nur den Konflikt mit Großbritannien und erhöht so die Spannungen innerhalb Europas.

Eigene Verantwortung

Das schadet einerseits beiden und kaschiert nur unzureichend die tatsächliche Erkenntnis der Krise: Deren Lösung erfordert keine politische Union oder deutsche Finanzhilfen. Es liegt an den einzelnen Euroländern – insbesondere Italien, Spanien und Frankreich –, Veränderungen in ihrer nationalen Ausgabe- und Steuerpolitik umzusetzen und so die globalen Finanzinvestoren zu überzeugen, dass diese Länder auf dem Weg hin zu Haushaltsüberschüssen sind und ihre Schuldenquoten reduzieren.

Frankreich sollte sich auf seine nationalen Fiskalprobleme und die trostlose Lage seiner Handelsbanken konzentrieren, statt auf Großbritannien einzudreschen oder nach politischen Veränderungen zu rufen, die nicht kommen werden.

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