WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Post aus Harvard

Europas Einfluss in der Welt sinkt

Seite 2/2

Lage ist inzwischen Hoffnungslos

S&P droht Italien, Irland wird hochgestuft
Für Frankreich zeigt sich S&P etwas zuversichtlicher, obwohl sich am Rating („AA“) und dem stabilen Ausblick nichts änderte. Die Regierung habe Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitskosten und Unternehmensbesteuerung ergriffen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern, schreibt S&P. Zudem deuteten staatliche Ausgabenkürzungen darauf hin, dass die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft ihr Haushaltsdefizit schrittweise reduzieren werde. Die Staatsverschuldung bleibe aber hoch und werde bis 2017 noch wachsen. Rating (S&P): AAAusblick: stabil Quelle: dpa
Zypern wurde von der Wirtschaftskrise enorm mitgenommen, gerade der aufgeblähte Bankensektor des Inselstaats machte ihm in der Dynamik der Krise schwer zu schaffen. Die Bewertung des Krisenlands wurde von S&P nun um eine Stufe auf „B“ erhöht, Fitch hob den Ausblick für das Rating („B-“) auf positiv an. Bei beiden Agenturen liegt die Kreditnote klar im sogenannten Ramschbereich, der spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Die positiven Ausblicke lassen aber Aufstufungen erwarten - vorausgesetzt, das Land erfüllt weiterhin die Auflagen der internationalen Geldgeber, die Zypern seit dem vergangenem Jahr finanziell stützen. Rating (S&P): BAusblick: positiv Quelle: AP/dpa
Standard & Poor's (S&P) hat das lang- und kurzfristige Fremdwährungsrating für die Ukraine gesenkt. Die Bewertung sei von „B-/B“ mit einem negativen Ausblick herabgestuft worden, teilten die US-Bonitätswächter mit. Hintergrund sei die derzeitige politische Instabilität in dem Land. Seit Wochen demonstrieren Regierungsgegner gegen die Regierung. Präsident Viktor Janukowitsch steht unter anderem wegen eines harten Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in der Kritik. Auslöser war die kurzfristige Ablehnung eines über Jahre hinweg vorbereiteten Abkommens zwischen der Ukraine und der Europäischen Union. Janukowitsch will das Land stattdessen enger an Russland binden. Rating (S&P): „CCC+/C“Ausblick: negativ Quelle: AP
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat Irland gute Bonitätsnoten in Aussicht gestellt. Der Ausblick für das Rating bleibt positiv. S&P begründete die positive Haltung mit verbesserten Wachstumsaussichten des Landes. Im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016 erwartet die Agentur ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Bisher war sie nur von 2,0 Prozent ausgegangen. S&P lobt die Reform- und Sparpolitik des Landes. Die Agentur erwartet eine weiterhin starke Auslandsnachfage und eine anhaltende Erholung der Binnenwirtschaft. Die hohen Investitionen aus dem Ausland stützten die Binnenwirtschaft. Gefahren sieht S&P vor allem noch im Bankensektor. Rating (S&P): A+Ausblick: positiv Quelle: dpa
Portugal droht erst einmal keine weitere Abstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Die Bonitätsnote des Landes stehe nicht mehr unter verschärfter Beobachtung, teilte S&P mit. Portugal dürfte trotz einiger politischer Probleme 2013 das Ziel einer Neuverschuldung von 5,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erreicht haben, schreiben die Experten. In diesem Jahr will Portugal dann die neuen Schulden auf vier Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung senken. Dies halten die S&P-Experten für möglich. Derzeit bewertet Standard & Poor's Portugal mit der Note „BB“. Das ist die zweite Stufe des sogenannten Ramsch-Niveaus, das spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Der grundsätzliche Ausblick bleibe negativ. Rating (S&P): BBAusblick: negativ Quelle: dpa
Alenka Bratušek, seit Anfang 2013 Ministerpräsidentin von Slowenien, muss sich nach wie vor mit einer Bankenkrise und den hohen Schulden ihres Landes befassen. Ein Hilfsprogramm ist nach Einschätzung der EU-Kommission aber nicht von Nöten, solange das Bankensystem reformiert und das Reformtempo hoch gehalten wird. Im Rating von Standard & Poor's schneidet der osteuropäische Staat von den kriselnden noch mit am besten ab. Die Agentur bleibt bei ihrer Einschätzung, dass Sloweniens Kreditwürdigkeit auch künftig stabil bleiben wird. Rating (S&P): A+Ausblick: stabil Quelle: AP
Als Malta 2008 den Euro einführte, war das Land eines der kreditwürdigsten unter den neuen Mitgliedsstaaten. Auch heute gibt es für die Insel noch immer relativ gute Noten. Ratings: BBB+ Ausblick: stabil Quelle: REUTERS

Dann aber führte die Schaffung des Euro zu einem deutlichen Rückgang der Zinsen in den Ländern an der Euro-Peripherie. Das führte zu schuldenfinanzierten Blasen auf dem Immobilienmarkt und verleitete die Regierungen, sich zu verschulden, um so die Staatsausgaben in die Höhe treiben zu können. Erstaunlicherweise ignorierten die globalen Finanzmärkte die Ausfallrisiken dieser Staatsschulden. Sie gaben sich mit sehr geringen Zinsaufschlägen für Staatsanleihen aus Griechenland und anderen Peripheriestaaten gegenüber deutschen Bundesanleihen zufrieden.

Damit war es 2010 vorbei, nachdem Griechenland zugegeben hatte, dass es bezüglich seiner Haushaltsdefizite und  Verschuldung gelogen hatte. Die Finanzmärkte forderten jetzt viel höhere Zinsen von Ländern mit hoher staatlicher Verschuldung und Bankensystemen, die durch exzessive Hypothekenvergabe geschwächt waren. Drei kleine Länder – Griechenland, Irland und Portugal – waren daraufhin gezwungen, Hilfe vom Internationalen Währungsfonds anzunehmen und ihre Haushalte einschneidend und schmerzhaft zu kürzen.

Die Lage in Griechenland ist inzwischen hoffnungslos und wird wahrscheinlich zu weiteren Zahlungsausfällen und zum Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone führen. Spanien ist ebenfalls in großen Schwierigkeiten: Das liegt an den Haushaltsdefiziten der traditionell weitgehend unabhängig agierenden Regionalregierungen, an der Schwäche der spanischen Banken und an der Notwendigkeit, Jahr für Jahr viel neues Geld zur Bedienung fällig werdender Staatsanleihen aufzunehmen.

Eine leere Geste

Der jüngst beschlossene “Fiskalpakt” der EU wird nicht zu sinkenden Haushaltsdefiziten und staatlicher Verschuldung führen. Die spanische Regierung hat als erste insistiert, sie könne nicht die Bedingungen erfüllen, denen sie selbst gerade erst zugestimmt hatte; andere Staaten werden bald dasselbe fordern. Der französische Staatspräsident François Hollande schlägt vor, Verschuldungsgrenzen durch Wachstumsinitiativen auszugleichen – genau wie Frankreich vor einiger Zeit schon dafür gesorgt hat, dass aus dem EU-Stabilitätspakt ein „Stabilitäts- und Wachstumspakt“ wurde. Der Fiskalpakt ist eine leere Geste – vielleicht der allerletzte Versuch, so zu tun, als bewegten sich die EU-Mitglieder in Richtung einer politischen Union.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Das europäische Projekt hat offensichtlich das Ziel verfehlt, das Frankreichs politische Führer von Anfang an damit verbanden. Monnet und Schuman hatten von Freundschaft  und gemeinsamer Orientierung in Europa geträumt. Statt dessen beobachten wir Konflikt und Auflösung. Die weltweite Rolle Europas geht zurück. Und wenn die deutsche Bundeskanzlerin jetzt den Mitgliedern der Euro-Zone ihr Handeln vorschreibt, bleibt auch nichts mehr von Frankreichs Anspruch, die europäische Politik zu beherrschen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%