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Projekt „Herkules“ Griechenland räumt faule Kredite der Banken weg

Eine Herkules-Aufgabe: Griechenland will die faulen Kredite der Banken wegräumen. Quelle: imago images

Mit dem „Projekt Herkules“ will Griechenland sein Rating verbessern. Und hofft zugleich, dass dadurch eine gemeinsame europäische Einlagensicherung näher rückt.

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Der Arbeitstitel war nüchtern. Unter der Überschrift „Hellenic Asset Protection Scheme“, abgekürzt HAPS, begann die im Juli gestartete griechische Regierung an einem Projekt zur Sanierung griechischer Banken zu arbeiten. Doch um der Welt zu zeigen, wie ernsthaft Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und sein Team im griechischen Bankensektor aufräumen wollen, wurde das Projekt „Herkules“ getauft, nach dem Sagenheld, der erfolgreich einen Rinderstall ausgemistet hat. „Es war nicht schwer, den Ministerpräsidenten von dem Namen zu überzeugen“, sagt Giorgos Zavvos, Vizefinanzminister und geistiger Vater des Projekts.

Nach Jahren der Krise sollen Griechenlands Banken dank des Projekts Herkules endlich wieder auf die Beine kommen. Noch verzeichnen sie so viele faule Kredite in ihren Büchern wie kein anderes Land in der EU. Über 40 Prozent der griechischen Kredite sind notleidend. Im EU-Durchschnitt liegt der Wert bei nur 3,3 Prozent.

Ministerpräsident Mitsotakis hat ein ehrgeiziges Ziel. Bis Ende 2021 soll der Anteil fauler Kredite in Griechenland einstellig sein, verkündete er kürzlich öffentlich. Dabei soll kein Steuergeld eingesetzt werden, es soll zu keinem Haircut kommen, und die Bankbilanzen sollen nicht geschwächt werden.

Projekt „Herkules“ soll all dies erreichen. Notleidende Kredite im Volumen von 30 Milliarden Euro, ungefähr 40 Prozent des Bestands, sollen verbrieft und in eine Zweckgesellschaft transferiert werden. Für rund ein Drittel der Papiere, die vorrangigen, wird der Staat mit neun Milliarden Euro haften.

Das griechische Parlament wird das Gesetz zu „Herkules“ im November beschließen. Alle vier systemrelevanten Banken werden mitmachen. „Die Banken brauchen einen neuen Business-Plan“, sagt Zavvos. „Wir müssen da System ein wenig aufrütteln, das gefällt nicht allen.“ Mitsotakis hatte die Chefs der vier Großbanken in seinen Amtssitz gebeten und ihnen klargemacht, dass nach dreimaliger Rekapitalisierung mit Steuergeldern neue Zeiten anbrechen.

Projekt „Herkules“ soll 18 Monate laufen und kann verlängert werden, so nötig. „Wir bekommen eine phantastische Rückmeldung vom Markt“, sagt Zavvos, der mit seinem Team alle großen Investmentbanken getroffen hat. Auch bei der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds verzeichnete Zavvos viel positives Feedback. „Griechenland wird schon ein wenig wie das nächste Portugal gehandelt“, so Zavvos. Die Verbriefungen seien eine der „besten Anlagemöglichkeiten, die man in der Eurozone finden kann“, unterstreicht er.

Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben das Projekt genehmigt, weil es keine Elemente von staatlicher Beihilfe enthält. Elke König, Chefin der Europäischen Bankenabwicklungsbehörde SRB, lobt „Herkules“ als Schritt in die richtige Richtung.

Mit dem Projekt verfolgt Harvard-Absolvent Mitsotakis, der für die Unternehmensberatung McKinsey und mehrere griechische Banken gearbeitet hat, gleich drei Ziele. Der Bankensektor soll saniert werden, damit er der Realwirtschaft verstärkt Kredite zur Verfügung stellen kann. Gleichzeitig soll Griechenland für seine Staatsanleihen ein besseres Rating erreichen. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat gerade erst ihre Note auf BB- von B+ hochgestuft und weitere Verbesserungen vom Abbau der faulen Kredite abhängig gemacht. Griechenland hofft, in absehbarer Zeit zurück zu einem Investmentgrade zu kommen, und für seine Staatsanleihen wieder eine gute Bonität bescheinigt zu bekommen.

Indem Griechenland faule Kredite abbaut, hofft es nicht zuletzt auch, dass die stockenden Verhandlungen zu einer gemeinsamen Einlagensicherung (Edis) in Europa wieder Fahrt aufnehmen. „Sobald der Bankensektor saniert ist, würden wir gerne mit der Bankenunion fortfahren“, sagt Zavvos. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte die dritte Stufe der Bankenunion genauso wie schon sein Vorgänger Wolfgang Schäuble vom Abbau der faulen Kredite abhängig gemacht. Sollte der tatsächlich gelingen, fehlt Berlin künftig ein Argument gegen das ungeliebte Projekt Einlagensicherung. „Der Markt ist fragmentiert, wir müssen handeln“, unterstreicht Zavvos. Diese Botschaft dürfte man in Berlin nicht gerne hören.

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