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Proteste gegen Arbeitsmarktreform Frankreich ist auf dem Weg ins Chaos

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Tourismus leidet noch unter Terroranschlägen

Denn Frankreichs Tourismus- und Luxusindustrie leidet immer noch unter den Folgen der islamistischen Terroranschläge von November. In Paris büßte der Luxuskonzern LVMH seit den Attentaten zehn Prozent seiner Umsätze der Mode- und Ledermarke Louis Vuitton ein, weil kaufkräftige Kundschaft ausbleibt. Auch Dior leidet, und Hermès erwartet ein „schwieriges“ Jahr. Seit Januar sind die Buchungen in Hotels der gehobenen Preisklasse um ein Fünftel zurückgegangen. Die Reservierungen für die Sommermonate Juni bis August sind gegenüber dem Vorjahr um bis zu 50 Prozent eingebrochen.

„Die Streiks, die Benzinverknappung, die Blockaden und die gewaltsamen Auseinandersetzungen bei den Demonstrationen vermitteln jetzt ein Image von Frankreich, das für den Tourismus desaströs ist“, klagt der französische Hotel- und Gaststättenverband UMIH. Restaurants und Hotels hätten bereits Lieferprobleme und verzeichneten erneut Stornierungen.

Ölkonzern erwägt, Investitionen in Frankreich zu beenden

Nachteilig seien die gewalttätigen Protestaktionen auch für das Investitionsklima, warnt Denis Ferrand, Direktor des Konjunkturforschungsinstituts Coe-Rexecode. Zumal diese ein Indiz für einen nicht funktionierenden sozialen Dialog im Land seien. Der Ölkonzern Total überlegt, keinen Cent mehr in das ohnehin nur durch politischen Druck aufrechterhaltene Geschäft mit Raffinerien in Frankreich zu investieren. Aber auch kleinere Unternehmen leiden unter den Streiks und Blockaden. „Zwei Drittel müssen die Produktion zurückfahren, wenn die Störaktionen anhalten“, fürchtet der Chef der Mittelstandsvereinigung CGPME, François Asselin.

Was deutsche Unternehmen an Frankreich nervt
Die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer und EY haben 181 deutschen Unternehmen in Frankreich nach ihrer Zufriedenheit befragt. Das Ergebnis ist gar nicht rosig: 2014 beurteilen 73 Prozent der befragten Unternehmen die wirtschaftliche Situation auf dem französischen Markt als schlecht, neun Prozent sogar als sehr schlecht. Vor zwei Jahren sahen 57 und sechs Prozent die Aussichten ähnlich finster. Für das kommende Jahr rechnen 33 Prozent der Befragten mit einer weiterhin schlechten Wirtschaftslage. Heißt: Die Mehrheit sieht ein Licht am Ende des Tunnels. "Zwei Drittel der befragten Unternehmen bekräftigen, dass ihre Muttergesellschaft wieder in Frankreich investieren würde", sagt Nicola Lohrey, Executive Director bei der Rechtsanwaltsgesellschaft EY. Quelle: dpa
58 Prozent der befragten Unternehmen stören sich daran, dass der Arbeitsmarkt nicht flexibel genug ist (2012: 50 Prozent). Quelle: dpa
Auf die Frage, welche Faktoren am meisten Einfluss auf ihre Geschäftslage ausüben, nannten 43 Prozent die Lohnkosten und 35 Prozent Steuern und Abgaben. Letztere halten 56 Prozent der befragten Unternehmen für zu hoch. 2012 waren es noch 60 Prozent. Quelle: dpa
Auch das Arbeitsrecht wird als zu rigide empfunden. 47 Prozent halten die arbeitsrechtlichen Normen für zu kompliziert (2012: 50 Prozent). Die Unternehmen würden sich folglich mehr Flexibilität in diesem Bereich wünschen. Dasselbe gilt für die Komplexität und andauernde Zunahme gesetzlicher Reglementierungen. Quelle: dpa
Die Steuern auf das Arbeitseinkommen in Frankreich halten 37 Prozent der befragten Unternehmer für zu hoch. Quelle: dapd
23 Prozent empfinden die französischen Steuerregelungen allgemein als zu kompliziert. Im Jahr 2012 sagten das noch 35 Prozent. Quelle: dpa
Im Bereich der Politik wünschen sich die befragten deutschen Unternehmer Strukturreformen, die zwar häufig angekündigt, aber nicht immer umgesetzt werden. Sie wünschen sich langfristige Berechenbarkeit und eine klare Linie, an der sie sich orientieren können. "Die Unternehmen brauchen eine Vision auf lange Sicht, die ihnen die französische Politik derzeit nur unzureichend vermittelt", sagt Damien Schirrer, Geschäftsführer von Orbis, der in der Studie zitiert wird. Quelle: AP

Dabei hatten sich der Geschäftsklimaindex und das Verbrauchervertrauen gerade etwas verbessert. Nach einem Wachstum von 0,6 Prozent im ersten Quartal stufte zudem der Internationale Währungsfonds seine Prognose für das Gesamtjahr 2016 von 1,1 auf 1,5 Prozent hoch.

Etwa 0,2 Prozentpunkte könnten die Protestaktionen Frankreich nun kosten. Das ist exakt so viel, wie Experten an Stimulation durch die EM erwartet hatten. Allein die ausländischen Besucher der Stadien und Fanzonen sollen – Eintrittskarten nicht mitberechnet – knapp 1,3 Milliarden Euro im Land lassen und sich dabei nicht von den um 21 Prozent gestiegenen Hotelpreisen abschrecken lassen. Mittlerweile aber ist es durchaus möglich, dass die EM ein Minusgeschäft für Frankreich wird. Zahlreiche an Fußball weniger interessierte Touristen verzichten womöglich auf ihre Frankreichreise, weil sie brennende Autoreifen auf Hauptstraßen ebenso wenig schätzen wie grölende Fangruppen auf überfüllten Plätzen.

Gestiegene Ausgaben für Sicherheit drücken die Bilanzen

Eine vom Europäischen Fußballverband Uefa in Auftrag gegebene Studie spricht zwar von rund 26.000 Arbeitsplätzen als Folge des Neubaus und der Renovierung der Stadien, was sich Staat und private Investoren 1,7 Milliarden Euro kosten ließen. Die Studie wurde allerdings vor den November-Attentaten verfasst. Sie berücksichtigt bei der Kosten-Nutzen-Analyse nicht die gestiegenen Ausgaben für die Sicherheit. Allein die Polizeipräsenz und die Videoüberwachung auf den Fanmeilen vor dem Eiffelturm in Paris oder an den Stadtstränden in Marseille kosten mit 24 Millionen Euro doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt.

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