Ranking des Weltwirtschaftsforums Frankreich und Italien bleiben auf der Strecke

Die Kluft zwischen den Volkswirtschaften in der Euro-Zone wird größer. Nicht nur Deutschland und Finnland ziehen Frankreich und Italien davon. Inzwischen werden Paris und Rom auch von Spanien und Portugal düpiert.

Finnland und Deutschland sind bei der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaftet weit vorne, Frankreich und Italien fallen immer weiter ab. Quelle: Getty Images

Das Weltwirtschaftsforum (WEF), bekannt durch das jährliche Gipfeltreffen der Elite im Januar in Davos, ist nicht für Panikmache bekannt. Vielmehr versucht die internationale Organisation, die viele Studien betreibt, Brücken zu bauen. Vordenker, Politiker und Wirtschaftsbosse sollen zusammengeführt werden, um den „Zustand der Welt zu verbessern“, wie das WEF über sich selbst sagt. Umso erstaunlicher ist es, mit welch deutlichen Worten die Schweizer in ihrem neuesten Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit, dem „Global Competitiveness Report, der am Mittwochmorgen präsentiert wird, die Reformverweigerer zum Handeln auffordern.

„Die Gesundung der Weltwirtschaft in gefährdet“, so die Studienautoren um Xavier Sala-i-Martin, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Columbia University in den USA, „da bestimmte Länder mit der Umsetzung der nötigen strukturellen Reformen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums zu kämpfen haben“. Gemeint sind damit auch und insbesondere zwei der größten Volkswirtschaften in der Euro-Zone, Frankreich und Italien. Während „eine Reihe von europäischen Ländern“, die Rede ist von Spanien, Portugal und auch Griechenland „beachtliche Fortschritte bei ihren Bemühungen zur Ankurbelung ihrer Märkte erzielt“ haben, seien Paris und Rom „noch nicht voll in diesem Prozess eingebunden“, so die WEF-Studie.

Hintergrund

Frankreich, nach Deutschland die zweitgrößte Wirtschaft im Euro-Raum, liegt auf Rang 23 der 144 untersuchten Länder. Damit konnte der vierjährige Abwärtstrend, seit 2009 ging es jährlich bergab, gestoppt werden. Doch Stillstand bedeutet im Fall von Frankreich Rückschritt. Denn nicht nur, dass der Abstand zu Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Schweden immer größer wird. Selbst Katar, Neuseeland und Belgien liegen in Sachen Wettbewerbsfähigkeit vor Frankreich.

Das Land zehrt von seiner Infrastruktur, die zu den besten der Welt gehört, und dem Bildungssystem, das in der Breite wie in der Spitze top ist. Ganz anders sieht es auf dem Arbeitsmarkt und bei den öffentlichen Finanzen aus. Ersterer ist viel zu unflexibel und starr, Platz 109 (!). Zweites Sorgenkind ist die öffentliche Verschuldung: Der Schuldenstand ist hoch, der Haushalt weit davon entfernt, ausgeglichen zu sein. Das Spitzenrating haben die drei großen Ratingagenturen Frankreich längst erzogen. Im internationalen Vergleich landet Frankreich bei den öffentlichen Finanzen nur auf Rang 82, neun Plätze schlechter als im Vorjahr.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Auch in Italien bleiben wichtige Strukturreformen links liegen. Der Stiefelstaat, der auf der europäischen Ebene derzeit dafür plädiert mehr Schulden machen zu dürfen, landet im Vergleichsranking insgesamt auf Rang 49, weit hinter Spanien (Platz 35) oder Portugal (Platz 36), oder auch Mauritius und Aserbaidschan. Die Probleme sind vielschichtig: Die Steuern sind zu hoch (Rang 134), die Behörden korrupt, ineffizient oder gleich beides (Rang 106), der Arbeitsmarkt zu starr (Rang 136). Probleme, die längst bekannt sind. Doch weder ein Silvio Berlusconi, noch ein Mario Monti, Enrico Letta oder aktuell ein Matteo Renzi haben im Amt des Ministerpräsidenten die nötigen Reformen auf den Weg gebracht, um die verkrusteten Strukturen zu beseitigen. So fällt Italien weiter zurück.

Mit neuen Schulden sind Italiens Probleme nicht zu lösen

Das Land lechzt nach Erneuerung. Mit neuen Schulden aber sind die Probleme nicht zu lösen. Das macht die WEF-Studie deutlich. Studienleiter Xavier Sala-i-Martin bilanziert: „In letzter Zeit hat sich die Kluft zwischen Schwellenländern und Industrieländern geschlossen, welche die Jahre nach der weltweiten Rezession kennzeichnete. Stattdessen hat sich eine neue Kluft aufgetan, und zwar zwischen schnell und langsam wachsenden Volkswirtschaften, von der Schwellenländer und Industrieländer gleichermaßen betroffen sind. Der entscheidende Faktor, der hier den Unterschied macht und schnelles Wachstum ermöglicht, lautet Wettbewerbsfähigkeit durch strukturelle Reformen."

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