Ratsentscheidung EZB veröffentlicht ab 2015 ihre Protokolle

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent. Dafür plant sie ab dem kommenden Jahr eine Transparenzoffensive.

Die höchsten Inflationen aller Zeiten
Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993Währung: Manat Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore Quelle: AP
Armenien, Oktober 1993 - Dezember 1994Währung: Rubel Tägliche Inflationsrate: 5,77 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,5 Tage Quelle: REUTERS
China, Oktober 1947 - Mitte Mai 1949Währung: Yuan Tägliche Inflationsrate: 14,1 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 5,34 Tage
Griechenland, Mai 1941 - Dezember 1945Währung: Drachme Tägliche Inflationsrate: 17,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 4,27 Tage
Deutschland, August 1922 - Dezember 1923Währung: Papiermark Tägliche Inflationsrate: 20,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 3,70 Tage
Republika Srpska, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,3 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage
Jugoslawien, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,6 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage Quelle: dpa

Mit Spannung wurde der EZB-Sitzung am Donnerstag entgegengefiebert. Der Rat der Europäischen Zentralbank hat nun beschlossen, dass der Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent bleibt. Künftig will die Europäische Zentralbank aber nur noch alle sechs Wochen über ihre Zinspolitik entscheiden. Die neue Regelung gilt ab Januar 2015, wie EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt sagte. Bisher trifft sich der EZB-Rat zwei Mal im Monat und entscheidet jeweils zu Monatsanfang über die Geldpolitik. Auch die US-Notenbank berät nur alle sechs Wochen über ihre Leitzinsen. Die EZB will ab nächstem Jahr zudem Protokolle ihrer Sitzungen veröffentlichen, wie Draghi sagte.

Bis zu einer Billion Euro

Weiterhin teilte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt mit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte mit Geldspritzen von bis zu einer Billion Euro versorgen wolle. Auf diese Summe könnten sich die Anfang Juni angekündigten Maßnahmen belaufen. Banken könnten einzeln oder in Gruppen von der Liquidität mittels sogenannte Langfristtender profitieren. Dabei sollen Institute dann frische Gelder erhalten, wenn sie überdurchschnittlich Kredite vergeben, wie Draghi hinzufügte. Er hatte bereits für September und Dezember zwei Geldspritzen über rund 400 Milliarden Euro angekündigt. Zudem soll es zwischen März 2015 und Juni 2016 sechs weitere solcher Maßnahmen geben.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

Die Währungshüter hatten vor einem Monat ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt, erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt und zudem milliardenschwere Geldspritzen angekündigt, mit denen die Kreditvergabe angekurbelt werden soll. Zahlreiche Details zu letzteren Maßnahmen stehen aber noch aus - etwa welchen Umfang die Kreditvergabe der Banken erreichen muss, damit sie das billige Geld nicht nach zwei Jahren vorzeitig zurückzahlen müssen.

Es ist unklar, ob EZB-Präsident Mario Draghi die Details der im September und Dezember anstehenden ersten beiden Geldspritzen bereits nach der Juli-Sitzung des EZB-Rats bekanntgeben wird oder ob sich Banken, Analysten und Beobachter noch bis August gedulden müssen. Feststeht nur, dass sich die Banken bis zu 400 Milliarden Euro bei der EZB abholen können, wenn sie es wollen.

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Es werde wahrscheinlich bis zum Jahresende dauern, bevor die jüngsten EZB-Maßnahmen sich deutlich bemerkbar machen, vermutet ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski: „Wir erwarten, dass die Ruhe nach dem Sturm für einige Zeit anhält.“ Gegen schnelle weitere Schritte spricht auch, dass die Währungshüter ihr Pulver schon weitgehend verschossen haben. Beim Leitzins sei nun „der untere Rand erreicht“, hatte EZB-Präsident Mario Draghi eingeräumt.

Vor dem EZB-Entscheid und den US-Jobdaten haben die europäischen Börsen am Donnerstag zugelegt. Der Dax gewann am Vormittag 0,4 Prozent auf 9948 Punkte, der EuroStoxx50 stieg um 0,3 Prozent auf 3261 Zähler. Anleger rätselten, ob die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrem geldpolitischen Feuerwerk nochmals aktiv wird. "Zumindest hoffen einige Marktteilnehmer darauf, dass EZB-Präsident Mario Draghi die Türen für weitere Lockerungen offen lässt", sagte ein Händler.

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