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Raus aus dem Rettungsschirm Irlands riskanter Rückzug

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Erhebliches Überangebot

Marode Staatshaushalte und Krisenbanken
frau auf einem Balkon mit portugiesischer Flagge Quelle: dapd
SpanienNotleidende Kredite: 10,7 Prozent der Gesamtkredite (Stand: September 2012) Sparer ziehen Einlagen ab, marode Immobilien bringen die Banken ins Wanken Quelle: dpa
Bank of Ireland Quelle: dpa
Bank Societé Générale Quelle: REUTERS
Gebäude der Dexia-Bank Quelle: dpa
Eine niederländische Flagge und Gebäude der ING Quelle: dapd
Rettungsring und Banken Quelle: AP

Risikolos ist das nicht. Denn aus den Zeiten der exzessiven Bautätigkeit gibt es immer noch ein erhebliches Überangebot. Tausende Häuser in Geistersiedlungen draußen auf dem Land gelten als unverkäuflich, niemand will dort hinziehen. Dazu kommt die Sorge, die Immobilienpreise könnten landesweit wieder fallen, wenn sich die Banken mehr als bisher zur Zwangsenteignung säumiger Schuldner entschließen sollten, worauf der IWF drängt.

Denn viele Iren sind mit den Raten ihrer Hypotheken im Rückstand. Nach Angaben der irischen Zentralbank wird mittlerweile auf rund zwölf Prozent des gesamten Hypothekenbestandes seit sechs Monaten oder mehr kein Schuldendienst geleistet, die Banken schieben einen Berg an faulen Krediten vor sich her.

Das ist eine schwere Hypothek, denn bis Jahresende soll Irland wieder auf eigenen Füßen stehen. Die Grüne Insel, die 2010 ein Haushaltsdefizit von 30,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufwies, hat gute Fortschritte beim Schuldenabbau gemacht: Drei Viertel der bis 2015 geplanten Haushaltseinsparungen im Umfang von 33,4 Milliarden Euro wurden umgesetzt. Bei den vierteljährlichen Kontrollen durch die Troika aus EU, IWF und EZB erhielt es bisher stets gute Zensuren. „Das Ausmaß der Defizitreduktion und die Entschlossenheit, mit der das Sparprogramm umgesetzt wurde, sind außergewöhnlich“, lobte IWF-Chefin Christine Lagarde jüngst bei ihrem ersten Irland-Besuch.

Die irische Wirtschaft konnte ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder zurückgewinnen. Außerdem hat das Land erfolgreich die Rückkehr an die Kapitalmärkte getestet – zuletzt mit einer zehnjährigen Anleihe, für die so viel Nachfrage bestand, dass die irische Schuldenagentur das Volumen von drei Milliarden auf fünf Milliarden Euro aufstockte. Die Rendite lag mit 4,15 Prozent unter den Staatsanleihen Spaniens und Italiens. 82 Prozent der Anleihe gingen an institutionelle Investoren im Ausland; ein Viertel davon stammte aus Großbritannien, zwölf Prozent aus Deutschland. Die erfolgreiche Auktion war ein klarer Vertrauensbeweis der Finanzmärkte.

Trotzdem weist Irland mit einem Haushaltsdefizit von 7,1 Prozent des BIPs das dritthöchste Defizit in der Euro-Zone auf, und der Schuldenstand ist mit rund 120 Prozent des BIPs erdrückend hoch. Bis 2015 soll das Haushaltsdefizit unter drei Prozent des BIPs sinken, es bleibt also noch einiges zu tun. Mit der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich die Iren zwar auf günstigere Tilgungsmodalitäten geeinigt, und die EU-Finanzminister haben dem Land die Laufzeiten der Hilfen aus den Rettungsfonds gestreckt. Doch der IWF drängt Irland zu weiteren Einsparungen. Konkret soll die Regierung eine neue Steuer für Hausbesitzer einführen wie auch die Ausgaben im Gesundheitswesen senken. Auch die Installierung von Messgeräten für den Wasserverbrauch von Privathaushalten steht noch aus.

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