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Referendum Managern in der Schweiz droht Ungemach

Abfindungen sind schon verboten, am Sonntag stimmen die Schweizer nun ab, ob Managergehälter generell gedeckelt werden sollen. Verabschiedet sich das Land mit der 1:12-Initiative von seiner liberalen Tradition?

Die „1:12-Initiative“ will die Höhe der Gehälter in Unternehmen generell deckeln. Der bestbezahlte Mitarbeiter eines Unternehmens soll höchstens zwölfmal so viel verdienen wie der am schlechtesten bezahlte. Hier wurden zur Unterstützung Flaggen an Fenstern und Balkonen angebracht. Quelle: REUTERS

Am Anfang sah alles nach einer historischen Ausnahme aus. Im Frühling stimmten die Schweizer einer ziemlich restriktiven Gesetzesinitiative zu, die Abfindungen für Manager verbot und Gehälter der Kontrolle durch die Hauptversammlung unterwirft. Doch dass diese „Abzockerinitiative“  durchkam, verstanden das die meisten Beobachter als Ergebnis eines ganz speziellen Wahlkampfverlaufs.  Da gab es einen eigensinnigen, unabhängigen und damit auf eine sehr schweizerische Weise charismatischen Anführer der Initiative, den parteiunabhängigen Ständerat Thomas Minder. Auf der anderen Seite stand die breite Phalanx der Wirtschaftsverbände, der von Beginn an alles falsch machte: Millionen wurden in plumpe Werbevideos investiert, kurz vor der Abstimmung veröffentlichten die großen Schweizer Unternehmen dann neue Rekordsaläre ihrer Vorstände. Kein Wunder, dass all das die Volksseele kurzfristig zum Kochen brachte. Aber die meisten gingen auch davon aus, dass diese sich genauso schnell wieder beruhigen würde.

Weit gefehlt: Aus dem kurzfristigen Aufkochen droht ein neuer Aggregatzustand zu werden. Denn an diesem Sonntag stimmen die Bürger über eine weitere Gesetzesvorlage ab, die noch einmal deutlich weiter geht. Die „1:12-Initiative“, angestoßen vom sozialdemokratischen Nachwuchs, will die Höhe der Gehälter in Unternehmen generell deckeln. Der bestbezahlte Mitarbeiter eines Unternehmens soll höchstens zwölfmal so viel verdienen wie der am schlechtesten bezahlte. Und damit nicht genug: Im kommenden Frühjahr steht ein gesetzlicher Mindestlohn zur Debatte, auch eine Erbschaftssteuer soll per Volksentscheid erzwungen werden. Es scheint, als drohe die liberale Schweiz Deutschland links zu überholen. 

In diesen Ländern gehen die meisten Firmen pleite
ItalienInsgesamt sind im letzten Jahr 178.000 Insolvenzanträge bei den entsprechenden Gerichten in Europa eingegangen. Das ist ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2011. Besonders schlimm hat es die Krisenstaaten in Südeuropa getroffen. Allein in Italien erhöhte sich die Zahl der Insolvenzen um 13,5 Prozent. Quelle: dpa
SpanienAuch für spanische Unternehmer sieht es düster aus: Laut einer Erhebung von Creditreform gingen dort vergangenes Jahr rund ein Drittel mehr Firmen pleite als noch im Jahr zuvor. Quelle: dpa
PortugalIm Nachbarland Portugal stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sogar um 41,6 Prozent. Besonders häufig erwischt es Firmen aus den Branchen Dienstleistung (38,2 Prozent), Handel, Hotel- und Gaststätten (30,4 Prozent), Bau (20,8 Prozent) und Verarbeitendes Gewerbe (10,5 Prozent). Quelle: dpa
NiederlandeAber nicht nur im krisengeschüttelten Süden haben Unternehmen einen schweren Stand: Auch in den Niederlanden ist die Zahl der Firmenpleiten seit 2011 um 19,4 Prozent auf 7.373 Insolvenzen gestiegen. Quelle: dpa
SchwedenAuch in Schweden ist die Zahl der Insolvenzen mit 7.737 zwar noch relativ gering. Trotzdem ist der Zuwachs mit sieben Prozent recht hoch. Quelle: dpa
IrlandIn Irland ist die Zahl der Insolvenzen moderat gestiegen. Im Jahr 2012 gingen dort 2,8 Prozent mehr Unternehmen pleite als noch im Jahr 2011. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
KerneuropaDoch es gibt auch positive Entwicklungen: Nicht nur Deutschland mit rund fünf Prozent weniger Insolvenzen (2012: 28.720; 2011: 30.120), auch Frankreich (minus 2,4 Prozent) und Großbritannien (minus 3,9 Prozent) zeigen eine stärkere Stabilität der Unternehmen. Quelle: dpa/dpaweb

Dabei hat es abseitige Gesetzesinitiativen, auch aus dem linken Spektrum, in der Schweiz immer schon gegeben. Doch es war gerade eine Stärke der Schweizer Demokratie, dass sie Platz für viele Spinnereien lies – die Bürger am Ende aber doch immer recht vernünftig entschieden und meist alles beim alten ließen.

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