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Regulierung EU nimmt Ratingagenturen in den Schwitzkasten

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Wehklagen der Branche

Nicolas Sarkozy Quelle: dpa

„Der Zugang europäischer Länder und Unternehmen zum Kapitalmarkt würde abgeschnitten“, heißt es in dem Brief, „die Volatilität an den Kreditmärkten würde erhöht“.

Nun ist das Wehklagen einer Branche, der neue Regulierung droht, nicht überraschend.

Entscheidend ist, ob Barniers Vorschlag wirklich für mehr Wettbewerb und Transparenz in der Branche sorgt – und sich dadurch die Qualität der Ratings erhöht. Denn letztendlich ist das der entscheidende Faktor, um den sich der Gesetzgeber kümmern sollte. Nicolas Véron vom Brüsseler Thinktank Bruegel warnt, dass Regulierung im Allgemeinen Markteintrittschancen verschlechtert. „Es gibt keinen Grund zu glauben, dass der Markt für Ratings eine Ausnahme darstellt“, betont Véron.  

Richtung strenge Auflagen

Bisher ist der Markt für Ratings stark konzentriert, die drei großen Player Moody´s, Standard & Poor´s und Fitch haben weltweit einen Marktanteil von 90 Prozent. Seit beinahe einem Jahrhundert haben sie verhindern können, dass ein weiterer wichtiger Spieler das Feld betreten hat. Entsprechend einträglich ist das Geschäft. Véron berechnet für Standard & Poor´s eine Gewinnrendite für das abgelaufene Geschäftsjahr von 45 Prozent, für Moody´s von 38 Prozent und für Fitch von 30 Prozent.

Allerdings ist auch klar, dass der Gesetzgeber keine andere Marktstruktur gesetzlich verordnen kann. Pläne, eine eigene europäische Rating-Agentur zu gründen, wie es beispielsweise das Europäische Parlament in der Vergangenheit gefordert hatte, gab Barnier auf. Einer solchen Einrichtung würde es schlicht an Glaubwürdigkeit fehlen.

Barniers aktuelle Vorschläge benötigen die Zustimmung der Europa-Abgeordneten und der Mitgliedsstaaten. Mit Sicherheit wird es dabei noch zu Veränderungen kommen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte Ende Oktober, also noch vor der Panne von Standard & Poor´s, die Rating-Agenturen in einem Interview in Schutz genommen. „Das Problem sind nicht die Rating-Agenturen“, hatte er betont, „sondern dass wir zu viel ausgeben. Es seien die Schulden, die „den Rating-Agenturen erst Macht verliehen haben“. Nach dem jüngsten Patzer dürfte die Stimmung in der Politik allerdings wieder in Richtung strenge Auflagen tendieren.

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