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Rettungspolitik Die Eskalation der Krise

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Die Retter sind nicht zu retten

10 Gründe gegen den Euro
Das Portemonnaie ist schwerer geworden Quelle: dapd
Lieb gewonnene Sprichwörter sind nicht mehr gültig Quelle: AP
Eine Sammlung der im Dezember 2010 erhältlichen Ein-Euro Münzen der 17 Eurostaaten Quelle: dpa
Unser Vermögen wurde halbiert Quelle: dpa/dpaweb
Den politischen Talkshows gehen die Themen aus Quelle: REUTERS
Die Deutschen zahlen noch mit der Mark Quelle: AP
Keiner hat uns mehr lieb Quelle: dpa

Das Problem dabei ist nur, dass die Akteure auf der höheren Vertrauensstufe durch die Übernahme der Schulden selbst an Vertrauenswürdigkeit verlieren. Anstatt die Lage gründlich zu beruhigen, springt der Zweifel eine Stufe höher und steckt die Helfer an.  

Die geretteten Banken waren ab 2009 schnell aus dem Schneider. Die Banken genossen bald wieder Kredit. Sie können mittlerweile weitestgehend weitermachen, als sei nichts geschehen.

Die Befürchtung, dass die Schulden zu groß sind, um sie dauerhaft tragen zu können, ging seit der zweiten Jahreshälfte 2009 auf die Staaten an der Peripherie der Euro-Zone über, vor allem auf Griechenland. Seit zwei Jahren erleben wir nun, wie auch deren Kreditwürdigkeit durch das Einspringen einer höheren Vertrauensinstanz wiederhergestellt werden soll – die Rettungsschirme der Eurozone und damit letztlich Deutschland und einige andere vertrauenswürdige Länder in der Eurozone.

Wir nähern uns vermutlich bald der dritten Phase: Deutschland und die anderen Retter-Staaten werden durch die Übernahme riesiger Garantien selbst an Vertrauen einbüßen. Dass über Deutschland und anderen großen Volkswirtschaften keine höhere Instanz mehr kommt, die einen Schirm des Vertrauens aufspannen kann, liegt auf der Hand. Die letzten Reserven an Kreditwürdigkeit sind dann verbraucht.

Die Chronik der Schuldenkrise

Deutschland und die anderen Retter müssen also, da sie sich nicht von einer höheren Instanz retten lassen können, die Rechnung selbst begleichen - und die der Geretteten noch obendrauf. Das geht im Prinzip auf vier Wegen:

  • Sparen und Wirtschaftswachstum

  • Steuererhöhungen

  • Einstellung des Schuldendienstes

  • Inflation

Die offizielle Lösung – und die attraktivste – ist die erste. Allerdings machen die historischen Erfahrungen mit der Sparsamkeit  von Regierungspolitikern und die offensichtlichen Grenzen des Wachstums in entwickelten Volkswirtschaften wenig Hoffnung auf Erfolg. Die zweite Lösung ist – wie man im politischen Betrieb so schön sagt – politisch nicht durchsetzbar. Die dritte Lösung, also die Bankrotterklärung, würde bei einer großen Volkswirtschaft das Weltfinanzsystem aus den Angeln heben. Bleibt die vierte. Eine Geldvermehrung durch die EZB scheint, wenn sie durch geschickte Beigaben der drei anderen Lösungen gemildert wird, die bequemste Lösung zu sein – zumindest für die politischen und wirtschaftlichen Entscheider.

Für die Inflationslösung spricht auch, dass die Eliten in Deutschland und Europa offenbar fest entschlossen sind, die Eurozone um jeden Preis komplett zu erhalten. Die drei ersten Lösungen sind schwerer mit dem Erhalt der  Eurozone in ihrer Gesamtheit zu vereinbaren, weil sie nationales Handeln erfordern. Für die Geldvermehrung jedoch gibt es eine gemeinsame, übernationale Instanz, die EZB.

Auch in der Finanzbranche scheint man mit dieser Lösung zu rechnen: „Inflation ist ein Preis, den wir für Europa zahlen werden müssen“, sagte Anshu Jain. Als Vorstandschef der Deutschen Bank, die von der Rettungspolitik profitiert und sich vor allem vor Lösung 3 fürchtet, sagt sich das leicht.

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