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Roundtable Griechenland braucht eine Agenda 2025

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"Früher gab es in Griechenland keine Obdachlosen"

Wie hat sich Ihr Alltag in der Krise verändert?

Maria: Ich bin als Verbraucherin viel kritischer geworden. Bei Lebensmitteln oder Kleidern schaue ich, dass ich mehr für mein Geld bekomme.

Tina: Das geht mir genauso. Und ich habe vor fünf Jahren aufgehört, Fernsehen zu sehen. Das war einfach nur noch deprimierend, ich hatte keine Lust mehr auf die Propaganda. Ich bin sehr viel wählerischer geworden, was meine Informationsquellen angeht. Heute informiere ich mich auf Websites und Blogs.

Die deutschen Protagonisten im Krisen-Countdown
Wolfgang Schäuble: Der RealistDer Bundesfinanzminister (CDU) spricht von „gegenseitigem Vertrauen“ und von „anstrengenden“ Verhandlungen mit Griechenland. Er will das Land im Euro halten, er sagt aber auch zu einem möglichen Grexit: Das sei eine “Entscheidung des griechischen Volkes“. So klingt einer, der einen Grexit nicht mehr für eine Katastrophe hält. Quelle: AP
Angela Merkel: Die VerhandlerinDie Bundeskanzlerin pflegt ihre Marke und vermeidet öffentliche Aussagen zu Griechenland. Wenn sie etwas sagt, steht sie fest zu Griechenland im Euro-Raum. Alles andere verbietet sich. Dabei setzt die Kanzlerin weiter auf die Kraft der Verhandlungen - im Zweifel auch ohne den griechischen Ministerpräsidenten. Beim Treffen von IWF, EZB, Jean-Claude Juncker und Francoise Hollande Anfang der Woche blieb Tsipras außen vor. Quelle: AP
Sigmar Gabriel: Der VorsichtigeDer Bundeswirtschaftsminister (SPD) hält sich mit öffentlicher Kritik an Griechenland zurück, sieht den Ball aber nun in Athen. Die Gläubiger hätten ihre Vorschläge gemacht. „Es hängt jetzt von Griechenland ab", so Gabriel. Gleichzeitig warnte er vor „gigantischen“ Konsequenzen einer Insolvenz. Die Wahrheit sei: "Wenn der erste Stein aus dem europäischen Haus herausbrechen würde, dass dann Europa in einem anderen Aggregatzustand wäre." Quelle: dpa
Jens Weidmann: Der MahnerDer Bundesbank-Präsident ist der Mahner der Bundesregierung. Er macht hinter den Kulissen Druck. Vor allem die Bankenfinanzierung in Athen macht ihm Sorgen. Denn die griechische Zentralbank hilft den klammen Geschäftsbanken im Land mit Notfallkrediten, um sie mit Liquidität versorgen. Doch mit dem Geld kaufen die Banken vor allem kurzlaufende Staatsanleihen oder verlängern diese – das gleicht einer monetären Staatsfinanzierung. Weidmann warnt vor einer Destabilisierung des Finanzsystems und fordert, dass Banken Staatsanleihen künftig mit Eigenkapital in der Bilanz absichern müssen. Quelle: dpa
Martin Schulz: Der UngeduldigeEr ist kein direkt Beteiligter, aber einer, der Tacheles redet. Griechenland habe gegenüber Europa „eine Bringschuld“, so Schulz, „weil es viel Solidarität von der EU erfahren hat". Deshalb müsse Athen Reformen voranbringen, bei der Reform seiner Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung, bei einer gerechteren Verteilung der Lasten, besonders auch bei der Besteuerung der großen griechischen Vermögen. Dann wird der SPD-Politiker noch deutlicher: "Leider sehen wir da bisher noch nicht das, was sich viele auch in Griechenland vorgestellt haben." Quelle: dpa
Bernd Riexinger: Der VerteidigerDer Linken-Chef nimmt seinen Parteifreund Tsipras aus Griechenland in Schutz. Schuld an der Misere seien die alten Eliten und Vorgängerregierungen. Die Linke fordert einen Schuldenschnitt und mehr Zeit für Reformen. Entlastung der kleinen Leute müsse durch eine Millionärssteuer finanziert werden. Zudem müsse Deutschland „die Zwangsanleihe, die Nazi-Deutschland Griechenland abgepresst hat“ zurückzahlen. Quelle: dpa
Simone Peter: Die VerständnisvolleGrünen-Parteichefin Simone Peter forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, den Konfrontationskurs gegenüber der griechischen Regierung zu beenden. "Es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um einen guten Kompromiss, der Griechenland endlich wieder Luft zum Atmen gibt und mit sozial-ökologischen Investitionen das Wirtschaftswachstum ankurbelt." Quelle: dpa

Nikos: Früher gab es in Griechenland keine Obdachlosen. Wir kannten das Problem nur aus amerikanischen Filmen. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich mich an den Anblick von Obdachlosen gewöhnt habe. Ich ging an jemandem vorbei, der in einer Mülltonne wühlte, und es kam mir normal vor. Das hat mich selbst sehr erschreckt.

Fratzeskos: Ich habe gemerkt, dass es schwer ist, glücklich zu sein, wenn um einen herum die Menschen leiden. Ich höre einfach so viele unschöne Geschichten. Eine Bekannte von mir erfuhr kürzlich am selben Tag von ihrer Schwangerschaft und ihrer empfindlichen Gehaltskürzung.

Alexis Tsipras hat im Wahlkampf angekündigt, dass die Generation der 20jährigen ohnehin verloren sei. Er wolle sich darauf konzentrieren, die Zukunft der Kinder aufzubauen. Was empfinden Sie, wenn sie das hören?

Tina: Ich versuche, solche Aussagen nicht ernst zu nehmen. Viele meiner Freunde sind ins Ausland gegangen, die meisten davon nach Großbritannien. Sie waren gut ausgebildet und sind ein Verlust für das Land. Aber ich glaube immer noch, dass es auch hier noch Chancen gibt. Nicht viele, aber es gibt sie.

Sie alle investieren Zeit und Geld in Ihre Bildung. Wo sehen Sie Ihre berufliche Zukunft?

Tina: Ich möchte promovieren und strebe eine Karriere in der Wissenschaft an. Ich würde das wirklich gerne in Griechenland machen. Meine Familie ist hier, meine Freunde sind hier.

Nikos: Die Krise dauert ja schon viel länger, als wir uns das je hätten vorstellen können. Aber das Leben geht weiter. Die Menschen arbeiten und konsumieren immer noch. Ich sehe in diesem Land weiterhin Chancen.

Maria: Ich habe meinen Job als Journalistin aufgegeben, weil mein Arbeitgeber mir acht Monate lang kein Gehalt gezahlt hat. Das kommt hier ja leider häufiger vor. Ich bin optimistisch, dass sich mir einem MBA neue Türen öffnen werden.

Fratzeskos: Ich habe von klein auf bei uns im Familienunternehmen mitgeholfen, das gibt man nicht eben mal auf. Ich muss allerdings zugeben, dass ich schon darüber nachgedacht habe wegzugehen. Aber ich finde, dass ich als Grieche hierbleiben sollte, und etwas für das Land tun sollte.

Wie lange wird es dauern, bis sich die Situation Griechenlands tatsächlich verbessert?

Nikos: Zehn Jahre.

In Arbeit
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Maria: Wenn jetzt wirklich angepackt wird, wird man die ersten Ergebnisse sehr schnell sehen. Ein Aspekt, der mich positiv stimmt, ist das griechische Talent zum Improvisieren. In meinem früheren Job habe ich erlebt, dass die Griechen flexibler und anpassungsfähiger als andere Nationalitäten sind. Wenn wir das mit einem langfristigen Plan verbinden, kann hier wirklich etwas Neues entstehen.

Tina: Ich gehe auch davon aus, dass es ein Jahrzehnt dauern wird, bis sich die Dinge grundlegend verbessern. Allerdings sollte niemand Versprechen in diese Richtung machen. In Marketing gibt es das Prinzip, dass man geringfügig weniger verspricht, als man halten kann. An diese Methode sollten sich unsere Politiker mal halten.

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