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"Rubygate"-Prozess Berlusconi soll sechs Jahre ins Gefägnis

Sechs Jahre will die Mailänder Staatsanwaltschaft Silvio Berlusconi hinter Gitter bringen - für Sex mit einer minderjährigen Prostituierten. Noch im Mai könnte in dem Prozess ein Urteil fallen.

Silvio Berlusconi soll wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit minderjährigen Prostituierten zu sechs Jahren Haft verurteilt werden. Das hat die Chefanklägerin im «Ruby»-Prozess gegen den früheren italienischen Regierungschef, Ilda Boccassini, in ihrem Plädoyer verlangt. Quelle: dpa

Der Prozess gegen Silvio Berlusconi wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten steht kurz vor dem Abschluss. Die Mailänder Staatsanwaltschaft forderte am Montag eine Haftstrafe von sechs Jahren sowie ein lebenslanges Politikverbot für den früheren italienischen Regierungschef. Ein Urteil könnte noch vor Monatsende fallen.

Staatsanwaltschaft fordert 6 Jahre Haft für Berlusconi

Berlusconi wird vorgeworfen, während einer seiner berüchtigten „Bunga-Bunga-Partys“ in seiner Villa nahe Mailand für Sex mit einer damals minderjährigen Marokkanerin namens Ruby bezahlt zu haben. Anschließend soll er versucht haben, die Sache zu vertuschen. Sowohl Berlusconi als auch Ruby leugnen jeglichen sexuellen Kontakt.

Staatsanwältin Ilda Boccassini sagte in ihrem Plädoyer am Montag, es gebe „keinen Zweifel“, dass Ruby Sex mit dem Ex-Regierungschef gehabt habe. Dafür habe sie von Berlusconi mehr als 4,5 Millionen Euro erhalten.

Berlusconis Küchenkabinett
Über seine Qualitäten als Liebhaber schwärmt er selbst am meisten. Berlusconi kann auf seinem Konto unzählige Affären verbuchen. Der ehemalige italienische Ministerpräsident sagte einmal, dass es sei besser sei, „eine Leidenschaft für schöne Frauen zu haben als schwul zu sein". Oder er begründet seine Vorliebe für schöne Frauen so: Er habe eine hohe Arbeitsbelastung, daher schaue er hin und wieder eben schöne Frauen an. Vielen von ihnen verhalf er zu einträglichen Jobs. Damit dürfte es jetzt erstmal vorbei sein. Quelle: dapd
Ruby Rubacuori: Eine Frau, ein Name, eine Affäre. Ruby, Tänzerin aus Marokko, gehört zur Frauenriege des Ex-Regierungschef und ist eine seiner berühmtesten Gespielinnen. Die junge Frau, die in Wirklichkeit nicht Ruby, sondern Karima el Marough heißt, soll Escortgirl sein. Und noch schlimmer: Bei dem Techtelmechtel mit dem Politiker, war sie noch minderjährig. Das hielt die damals 17-Jährige nicht davon ab, von Berlusconis Parties in seiner Villa zu erzählen. Die Geschichte ging für den Cavalliere nicht gut aus: Im vergangenen Jahr leitete die Mailänder Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Premier wegen Sex mit der 17-jährigen ein. Die Untersuchung führte zu einem Prozess, der momentan noch läuft. Quelle: dpa
Mara Carfagna: Die schöne Frau stieg unter Mentor Berlusconi sehr schnell auf und machte Karriere als – ausgerechnet -  Ministerin für Gleichstellungsfragen. Die Ex-Miss-Italien-Kandidatin wurde von den Medien daraufhin prompt der Titel der „Schönsten Ministerin der Welt“ verliehen. Weniger lustig fand das ganze Schauspiel Berlusconi’s Ehefrau. Und als der Politiker vor laufender Kamera dann auch noch erklärte, er würde die schöne Mara Carfagna heiraten, wenn er nicht schon eine Ehefrau hätte, war das Fass übergelaufen. Veronica Lario verlangte daraufhin von ihrem Mann eine öffentliche Entschuldigung – der Berlusconi dann auch prompt nachkam. Und es schien, als ob der Cavalliere einfach nicht dazu lernt: Auch dem Model Aida Yespica versprach Berlusconi im selben Jahr noch, dass er mit ihr „überall hinginge, sogar in die Wüste“. Die wutentbrannte Ehefrau Berlusconis verlangte von ihrem Mann erneut öffentliche Abbitte. Quelle: Reuters
Nicole Minetti: Die 26-Jährige war vorübergehend Berlusconis Zahnpflegerin - und später wahrscheinlich auch mehr. Sie wurde, dank Berlusconi, norditalienische Abgeordnete in der Lombardei. Im Gegenzug organisierte die ehemalige Zahnarzthelferin die vielbeschworenen Bunga-Bunga-Partys, bei der sie für die nötigen Frauen gesorgt haben soll. Sicher ist, dass Minetti bei fast jedem Fest in Berlusconis Villa mit dabei war. Doch wirklich Glück brachte ihr die Liaison nicht ein. Mittlerweile ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft gegen Minetti. Ihr wird Beihilfe zur Prostitution vorgeworfen – was die 26-Jährige vehement abstreitet. Quelle: Reuters
Eleonora Gaggioli: Auch diese 33-jährige blonde Italienerin schloss der Premier schnell in sein Herz. Ganz fix machte er sie zu einer seiner drei Kandidatinnen für das EU-Parlament. Dabei machte Eleonora Gaggioli wohl auch eher aufgrund ihrer äußerlichen Qualitäten auf sich aufmerksam, als ihrer fachlichen Kenntnisse. Zuvor war sie, wie viele andere ihrer Nachfolgerinnen und Vorgängerinnen, als  TV-Sternchen in Italien tätig. Quelle: picture-alliance/ dpaPR
Angela Sozio: Da capo al fine: Ein weiterer Name, eine weitere schöne Frau. Angela Sozio fällt nur aufgrund ihrer Haarfarbe aus der Reihe. Die Frau mit dem flammend roten Haupthaar war Teilnehmerin der italienischen „Big Brother Folgen“. Später wurde Sozio dabei erwischt wie sie während eines Wochenende-Trips auf Berlusconis Schoß saß. Später wurde auch diese Dame eine von Berlusconis Kandidatinnen für die Europawahlen. Berlusconis Frau meldete sich zu Wort: Sie bezeichnete die Frauen als „schamlose Luder im Dienste der Macht“. Quelle: picture-alliance/ dpapa
Noemi Letizia: Die Beziehung zu der damals 18-jährigen Schülerin Noemi Letizia sorgte für Kopfschütteln, nicht nur im Heimatland Italien. Silvio Berlusconi soll das Mädchen zum 18. Geburtstag besucht haben und sie mit einer kostbaren Halskette reich beschenkt haben. Noemi nannte den Politiker im Gegenzug stets „Papi“. Dass das Mädchen für ihn nur wie eine Tochter war, wollte jedoch keiner so recht glauben. Seine Ehefrau reichte es nach dieser erneuten Affäre – sie beendete damit das Kapitel Berlusconi. Quelle: dpa

Der Prozess war unter anderem wegen der Parlamentswahl in Italien und einer Augenentzündung Berlusconis vertagt worden und wurde am Montag nach mehr als zwei Monaten mit den Schlussplädoyers wieder aufgenommen.

Die Mädchen, die zu Berlusconis Partys eingeladen wurden, seien „Teil eines Systems von Prostitution gewesen, das zum Vergnügen Silvio Berlusconis organisiert wurde“, sagte Boccassini vor Gericht. Es gebe auch keinen Zweifel, dass Ruby schon Prostituierte gewesen sei, als sie 2010 Bekanntschaft mit dem Umfeld Berlusconis machte. Obwohl offiziell arbeitslos, sei das Mädchen in Designermode herumgelaufen und habe öfter mehr als 1000 Euro in bar bei sich getragen. Boccassini berichtete zudem, dass gegen die Marokkanerin schon mehrfach wegen Diebstahls - unter anderem von Geldbörsen und Schmuck - offiziell Ermittlungsverfahren liefen.

Zusätzliche Haftstrafe wegen Steuerbetrugs

Erst am Wochenende hatten Tausende Unterstützer Berlusconis in Brescia gegen dessen Verurteilung wegen Steuerbetrugs protestiert. Zu der Aktion hatte Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PDL) aufgerufen. Anlass ist das Urteil eines Mailänder Berufungsgerichts, das die Verurteilung Berlusconis zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen Steuerbetrugs bestätigt hatte. Danach ist dem 76-Jährigen auch die Ausübung eines öffentlichen Amts für fünf Jahre untersagt.

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Berlusconi hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Er will vor dem Kassationsgericht nochmals in Berufung gehen. Seine zahlreichen Gerichtsverfahren sieht er als politische Hexenjagd linksorientierter Staatsanwälte, die zum Ziel habe, unliebsame Gegner auszuschalten.

Sein konservatives Parteien-Bündnis ist Teil der neuen Regierungskoalition mit der Demokratischen Partei von Ministerpräsident Enrico Letta. Berlusconi selbst hat kein Ministeramt übernommen, gilt aber weiterhin als sehr einflussreich. Die neue Regierung bemüht sich, die politische Blockade zu überwinden, in der sich Italien seit dem äußerst knappen Ausgang der Parlamentswahl vom Februar befunden hatte.

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