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Russland vs. Ukraine So reich sind Putin und Poroschenko

Petro Poroschenko & Wladimir Putin: So reich sind sie Quelle: imago

Während die Menschen in Russland und der Ukraine mit wenigen hundert Euro im Monat überleben müssen, schwelgen ihre Staatslenker im Luxus. Vor allem das Vermögen von Wladimir Putin sorgt für Spekulationen.

2017 war ein gutes Jahr für Wladimir Putin. Sein offizielles Gehalt wurde den Angaben des Kreml zufolge verdoppelt. Statt 8,68 Millionen Rubel, also 115.000 Euro, stieg das Salär des russischen Präsidenten auf 280.000 Euro, 18,73 Millionen Rubel. Damit lägen er und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Gehalt von 310.800 Euro etwa gleichauf.

Der Unterschied zeigt sich im Verhältnis zum Einkommen der Bürger: In Deutschland verdient eine Lehrerin im Gymnasium ungefähr 42.000 Euro jährlich. In Moskau liegt der Lohn einer Lehrerin etwa bei 2400 Euro. Wobei die Gehälter in der Metropole verglichen mit den ländlichen Regionen häufig doppelt so hoch ausfallen.

Denn hier sind auch die Lebenshaltungskosten höher. Die Mieten und Lebensmittel kosten nur geringfügig weniger als in Deutschland. Das Gehalt einer Lehrerin würde also kaum ausreichen. Daher hat sich mit dem Umbau vom sozialistischen zum kapitalistischen System eine Art Schattenwirtschaft entwickelt. Viele Russen, vor allem mit Jobs in der freien Wirtschaft, verdienen sich eine gewisse Summe „im Umschlag“ dazu. Heißt: Sie bekommen das Geld bar ausgezahlt und sparen so Steuern und Abgaben.

Mit ähnlichen Mitteln aber weit höheren Summen soll auch das Staatsoberhaupt Putin handhaben. Auch wenn es keinen Beweis gibt, deuten Recherchen über die Schwarzgeldkonten in Steueroasen (Panama Papers) darauf hin, dass Wladimir Putin über etwas mehr Geld verfügt, als der Kreml offiziell zugibt. Zur Diskussion stehen:

  • 20 Villen
  • 4 Yachten
  • 58 Hubschrauber
  • Eine Uhrensammlung im Wert von einer halben Million Euro
  • Eine hochwertige Kunstsammlung
  • 4,5 Prozent Unternehmensanteile an der Erdgasfirma Gazprom
  • 37 Prozent Anteile an der Erdgasfirma Surgutneftegaz
  • Anteile an der Ölhandelsfirma Gunvor, was das Unternehmen bestreitet

Die Angaben über die Unternehmensanteile stammen aus einem Interview mit dem Politikwissenschaftler Stanislaw Belkowski aus dem Jahr 2007 und sind nicht anderweitig bestätigt.

Einbruch nach Recherche

Bestätigt ist bisher nur, dass der Präsident eine 77 Quadratmeter große Wohnung mit einer 18 Quadratmeter großen Garage besitzt. Er soll noch eine weitere Wohnung mit einer Fläche von knapp 154 Quadratmetern nutzen. Hinzu kommen zwei Oldtimer der Marke Gaz M21 und ein Geländewagen der Marke Niwa. Er gibt sich also recht bescheiden. Gemutmaßt wird jedoch, dass Putin 40 Milliarden Dollar besitzt.

Die verschiedenen Immobilien, Firmenanteile und Aktien sollen aber keineswegs auf seinem Namen gelistet sein. Sie laufen scheinbar über Mittelsmänner, denen er vertraut. Einer davon soll Sergej Roldugin sein.

Der Cellist und Jugendfreund Putins habe im Mai 2014 ein Konto bei der Schweizer Gazprombank in Zürich eröffnet und dort mehr als zehn Millionen Schweizer Franken eingezahlt, heißt es in den Panama Papers. Außerdem gab er beim mittlerweile standardisierten Anti-Geldwäsche-Fragebogen der Bank an, keinem VIP nahe zu stehen. Angesichts seiner öffentlich bekannten Freundschaft mit Walodja, wie Wladimir umgangssprachlich heißt, wirft diese Aussage Fragen auf.

Doch wer ihnen nachgeht, muss sich auf etwas gefasst machen. So berichten die russischen Journalisten, die an den Recherchen der Panama Papers beteiligt waren, dass sie nach Recherchen zu Putins Vermögen plötzlich Steuerprüfungen unterzogen wurden oder es Einbrüche in ihren Wohnungen gab.

An einen Zufall glauben wenige. In den russischen Medien ist das Thema daher selten zu finden. Die europäischen Medien müssen spekulieren. Bleibt also nur, bei den offiziellen Summen zu bleiben.

Wohltäter Poroschenko?

Demnach lebt der Staatsmann Putin im Vergleich zu seinem Amtskollegen Petro Poroschenko in der Ukraine ziemlich bescheiden. Denn dieser hat allein 2017 16,3 Millionen Hrywnja, umgerechnet etwa 600.000 Euro (1 Euro zu 27 Hrywnja) verdient, gibt die Regierung an.

Davon kamen aber nur 336.000 Hrywnja vom Staat. Diese landeten aber erst gar nicht auf Poroschenkos Konto, sondern wurden für gute Zwecke gespendet, heißt es von offizieller Seite. Der Rest des Gehalts stammt den Unterlagen zufolge aus seinen Unternehmensanteilen am Roshen-Konzern, einem globalen Süßwarenhersteller.

Die Ukrainer nennen ihn daher auch „Schokoladenkönig“. Fraglich ist aber, ob sich der Präsident mit diesen Angaben von seiner Schokoladenseite zeigen will. Denn im kommenden Frühjahr sind Wahlen und er steht unter Druck. Nachdem der Internationale Währungsfonds das Land vor fünf Jahren vor dem Bankrott gerettet hat, legt die Organisation der Regierung strenge Auflagen vor, um die Hilfstranchen zu verlängern. Das bedeutet auch, dass die Parlamentarier ihre Einkommen offen legen müssen.

Poroschenko versichert zudem, sein gesamtes Vermögen vor seiner Präsidentschaft erworben und seit seinem Amtsantritt 2014 keine Dividenden mehr kassiert zu haben. Laut Forbes hält er noch Anteile an etwa 100 anderen Firmen und ist mit einem Vermögen von insgesamt 858 Millionen US-Dollar der sechstreichste Ukrainer.

Der durchschnittliche Ukrainer hingegen muss mit 260 Euro im Monat auskommen. Seit der gescheiterten Revolution 2013 ist die Wirtschaft eingebrochen. Die Löhne sind die niedrigsten in ganz Europa. 1,5 Millionen Ukrainer pendeln oder leben im Nachbarstaat Polen, um ihre Familien zu ernähren. Denn Lebensmittel kosten nur ein bisschen weniger als in Deutschland. 40 Prozent der Einkommen müssen für Wasser, Strom und Gas gezahlt werden. Das Land ist verarmt.

Dieses Schicksal will der Unternehmer Poroschenko unter keinen Umständen mit seinen Landsleuten teilen. Dafür hat er den Ergebnissen der Panama Papers zufolge auf dem Höhepunkt des Krieges 2014 über einen zypriotischen Mittelsmann eine Briefkastenfirma eröffnet, wo er vermutlich sein Geld gesichert hat. Das Image des Wohltäters hätte ihm wohl sowieso niemand abgenommen.

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