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Sanktionen Krim-Krise bremst Finnland aus

Kein EU-Land ist wirtschaftlich so mit Russland verbunden wie Finnland. Die Finnen setzen deshalb auf Diplomatie. Als einer der wenigen europäischen Staatschefs warnte der finnische Präsident vor Sanktionen.

Das Atomkraftwerk in Olkiluoto/Finnland sollte Unabhängigkeit von Russland schaffen. Wegen Mängeln ist es immer noch nicht am Netz Quelle: dpa

Auch in Helsinki ließ sich der Frühling in diesem Jahr schon Anfang März ein erstes Mal blicken. Man erkennt ihn an den vereinzelten Eisschollen im Hafenbecken, die stündlich kleiner werden, am allgegenwärtigen Matsch, in den sich der gefrorene Boden verwandelt hat. Und an der Sprache.

Auf der Esplanade, dem Einkaufsboulevard der Stadt, spricht man in diesen Tagen Russisch. Zwei Stunden sind es mit dem Auto bis zur russischen Grenze, vier bis St. Petersburg. Machbar für einen Tagesausflug, perfekt für ein Wochenende. Jetzt, wo zudem die Sonne scheint, sind viele Hotels der Stadt voll belegt.

Kaum ein anderer Staat in der Europäischen Union ist so eng mit Russland verbunden wie Finnland. Russland ist der wichtigste Handelspartner, ein Viertel aller Importe kommt aus dem Osten. 1300 Kilometer lang ist die gemeinsame Grenze. Mehr als ein Fünftel des finnischen Energiebedarfs wird durch Importe aus Russland gedeckt. Das Erdgas kommt zu 100 Prozent aus dem Osten. Anders als in den baltischen Staaten hat man hier wenig Angst vor Moskau, sondern setzt vielmehr Hoffnungen auf den Absatzmarkt um die Ecke. Doch wenn die Europäische Union jetzt Sanktionen gegen Moskau beschließt, wird auch Finnland nichts anderes übrig bleiben, als mitzumachen.

Finnen setzen auf Diplomatie

Petri Lehmus weiß das, und er legt die Stirn in tiefe Falten. „Wir blicken mit Sorgen in die Ukraine.“ Lehmus ist Vorstandsmitglied des halbstaatlichen Ölkonzerns Neste Oil. Der Konzern wird international für seine Innovationsfähigkeit gefeiert, sein Biosprit aus Abfällen und Palmöl ist einzigartig. Aber das wichtigste Geschäft des Unternehmens ist ein ziemlich simples: Öl aus Russland importieren und an Zapfsäulen verkaufen. In Finnland, den anderen skandinavischen Ländern, dem Baltikum und Russland verdient Neste rund 18 Milliarden Euro pro Jahr. Noch lodern die ewigen Fackeln auf den Spitzen der Raffinerie von Porvoo, der größten in ganz Nordeuropa. „Wir können nur hoffen, dass sich die Krise bald entspannt“, sagt Lehmus.

Wissenswertes über Finnland

Die Finnen setzen deshalb auf Diplomatie. Als einer der wenigen europäischen Staatschefs warnte der finnische Präsident Sauli Niinistö: „Die Sanktionen würden keine andere Wirtschaft in der Europäischen Union so hart treffen wie unsere.“ Auch Premierminister Jyrki Kaitanen ist skeptisch, was Sanktionen gegen Russland betrifft. Im Zweifel müsse man Sanktionen zwar in Erwägung ziehen. „Aber keiner hofft, dass es so weit kommt“, sagte Kaitanen vor dem jüngsten Treffen mit seinen europäischen Kollegen – und meinte damit vor allem sich selbst.

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