Schulden-Krise Die Griechen leeren ihre Konten

Noch immer steht eine Einigung über die griechischen Reformpläne aus. Aus Angst vor dem Grexit hortet die Bevölkerung Bargeld. Eine weitere Chance auf Entspannung bringt das Wochenende: Da tagen die griechische Regierung und ihre Geldgeber.

Griechenland Banken Quelle: dpa

Die Griechen heben angesichts der schweren Finanzkrise des Landes immer mehr Geld von ihren Konten ab. Die Einlagen sanken nach Angaben von Geldinstituten auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Schuldenkrise. Die Banken „verbluten“, schrieben griechische Medien am Freitag.

Die griechischen Kreditinstitute sind wegen der starken Mittelabflüsse weiter auf Notkredite (Ela) von der Zentralbank des pleitebedrohten Landes angewiesen. Die Europäische Zentralbank (EZB) muss den Umfang regelmäßig neu bewilligen.

Zwischen Streit und Einigung: Die Griechenland-Krise

Wie die konservative Athener Zeitung „Kathimerini“ berichtete, horten die Griechen mittlerweile rund 15 Milliarden Euro an Bargeld. Die Angst nehme zu, dass sich die dramatische Finanzlage noch weiter zuspitzen könnte, wenn sich die neue Regierung unter dem linken Ministerpräsident Alexis Tsipras und die EU nicht bald über die griechischen Reformpläne einig werden.

Noch im Dezember erreichte das Volumen der Geldeinlagen der Griechen mehr als 160 Milliarden Euro. Bis Ende März schrumpften die Einlagen auf rund 135 Milliarden Euro. Die umfangreichsten Abhebungen gab es im Januar (12,8 Milliarden Euro) und im Februar (7,6 Milliarden Euro). Im März zogen die Griechen weitere 5,5 Milliarden Euro von ihren Konten ab.

Ab Samstag tagt die "Brüssel-Gruppe"

Entspannung könnte das Wochenende bringen. Experten der griechischen Regierung und der internationalen Geldgeber wollen dann in Brüssel wieder über Wege aus dem Schuldenstreit beraten.

Was droht Griechenland und seinen Banken?

Die sogenannte "Brüssel-Gruppe" komme zu Beratungen ab Samstagnachmittag zusammen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag. In dem Gremium sind Fachleute aus Griechenland sowie von EU-Kommission, EZB und Internationalen Währungsfonds (IWF) vertreten. Sie sollen die politischen Aspekte einer möglichen Einigung auf die griechischen Reformpläne erörtern, die Voraussetzung für die Auszahlung von weiteren Hilfen für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland ist.

In Athen sollen sich zugleich Experten der Institutionen, der bisherigen Troika, Daten sammeln und sich einen Überblick über die Haushaltslage des Landes verschaffen. Zuletzt hatte es in Athen und Brüssel laut EU-Kommission kaum Fortschritte gegeben.

"Grexit ist Entscheidung Griechenlands"

Allerdings sollte die griechische Regierung nicht zu viel erwarten – IWF-Chefin Christine Lagarde versetzte Hoffnungen Griechenlands auf einen Aufschub von Kreditrückzahlungen an den IWF einen Dämpfer. Sie machte am Donnerstag in Washington deutlich, dass das Euro-Krisenland kaum mit einer solchen Entlastung für seine angespannte Finanzlage rechnen kann. "Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass uns ein entwickeltes Land um einen Zahlungsaufschub gebeten hat", sagte sie.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wollte indessen nicht über eine Euro-Zone ohne Griechenland spekulieren. Zur Möglichkeit eines Ausscheidens des südeuropäischen Landes sagte er: "Das ist allein eine Entscheidung von Griechenland."

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Es gebe Voraussetzungen, die Griechenland erfüllen müsse, um Hilfen zu erhalten, sagte Schäuble. "Sie brauchen einen Primärüberschuss." Wichtig sei zudem, dass das Land in absehbarer Zeit wieder Zugang zum Kapitalmarkt erhalten sollte. Von solchen Punkten hänge eine Entscheidung über Hilfen ab. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schloss aus, dass die griechische Regierung frisches Geld erhalte, ohne die entsprechenden Reformauflagen zu erfüllen. Das sei "sehr abwegig", sagte Weidmann am Freitag am Rande der IWF-Frühjahrestagung in Washington.

Hoffnungen auf eine baldige Verständigung mit Griechenland dämpfte er: Er sei sich nach wie vor nicht sicher, ob es bis Ende des Monats eine Lösung geben werde, sagte Schäuble in Washington. "Es gibt nichts Neues." Es sei unklar, ob beim Treffen der Euro-Finanzminister am 24. April in Riga Fortschritte erzielt werden könnten. Gelassen äußerte sich der Minister zur Option, dass sich Griechenland etwa in Russland um Hilfen bemühen könnte. "Niemand in Europa ist böse, wenn jemand anders sich an der Finanzierung der Probleme ... beteiligt."

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%