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Schulden Wie Staaten die Zinsen manipulieren

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Nur etwas mehr Inflation

EZB Quelle: dpa

Kapitalverkehrskontrollen und -begrenzungen wie vor einigen Jahrzehnten gibt es heute nicht. Damit kann privates Kapital ins Ausland fließen und so Maßnahmen finanzieller Repression zum Großteil – noch – umgehen. Würde aber die Finanzierung von Staatsdefiziten zukünftig erschwert, etwa bei einem nachhaltigen Rückgang der Anleihennachfrage durch Schwellenländer, könnte die Politik bei der finanziellen Repression zu weiteren Maßnahmen greifen. Sinkende Leistungsbilanzüberschüsse und abnehmende Kapitalzuflüsse in stark wachsende Ländern lassen den Aufbau an Währungsreserven in Staatspapieren, die von Industrieländern emittiert wurden, bereits zurückgehen. Das könnte den Druck auf westliche Regierungen erhöhen, inländisches Kapital stärker in heimische Staatsanleihen zu lenken – auch durch neue regulatorische Eingriffe.

Druck auf die EZB

Darüber hinaus steigt der Druck auf Zentralbanken, etwas mehr Inflation zuzulassen und eine entsprechende Niedrigzinspolitik zu betreiben. Die immer lauter werdenden Forderungen von Politikern, die EZB stärker dem Wachstumsziel in der Euro-Zone zu verpflichten, gehen eindeutig in diese Richtung. Die Fed hat ohnehin bereits erklärt, die Zinsen bis 2014 auf einem äußerst niedrigen Niveau zu halten – und in Großbritannien wird das Inflationsziel schon jetzt regelmäßig übertroffen.

Was aber bedeutet eine wachsende finanzielle Repression für Anleger? Im Rentenbereich dürfte das Zinsniveau nominal relativ niedrig bleiben. Wir erwarten auf Sicht der nächsten Jahre keine massiven Zinserhöhungen durch die Zentralbanken. Somit ist auch das Kursrisiko für Staatsanleihen begrenzt – zumindest von Emittenten höchster Qualität. Bereinigt man den Ertrag einer Rentenanlage allerdings um die Inflationsrate, so droht ein deutlich unterdurchschnittlicher Wert.

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Für Aktieninvestoren ist der Ausblick besser. Ein verzerrtes Zinsniveau kann zwar zu Fehlallokationen von Ressourcen in einer Volkswirtschaft führen, die mittelfristig das Wachstum dämpfen. Aber: viele Unternehmen in den Industrieländern sitzen derzeit auf Rekordsummen an freier Liquidität, die sie in Projekte investieren können, die von der starken Nachfrage aus und in Schwellenländern profitieren. Auch in den durch finanzielle Repression gekennzeichneten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte das weltweite Wachstum von Aufbauinvestitionen. Da ein niedriges reales Zinsniveau typischerweise mit unterdurchschnittlichen Bewertungen einhergeht, kommt Dividenden in diesem Umfeld eine hohe Bedeutung zu.

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