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Schuldenkrise Dem Euro hilft nur noch Plan B

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Abgestempelte Euro-Scheine

Vor dem G20-Gipfel in Cannes am 2.11.2011: Krisensitzung im Fall Griechenland Quelle: dpa

Setzen sich die Spannungen fort, muss sich die EZB entscheiden: Doch wozu sie sich auch entschließt, den Euro wird sie nicht mehr retten können.

Verweigert die EZB den Kauf von Staatsanleihen in großem Stil, erhalten die Krisenländer kein frisches Geld. Die Mittel aus dem Rettungsfonds EFSF von insgesamt 440 Milliarden Euro reichen nicht, um Rettungsaktionen für alle Länder zu finanzieren, zumal allein Italien im nächsten Jahr neue Kredite von über 370 Milliarden Euro benötigt. Bekommen die Krisenländer kein Geld, endet die Währungsunion im kollektiven Staatsbankrott.

Neuer Hartwährungsblock

Dann müssen die Euro-Länder in Windeseile zu nationalen Währungen zurückkehren und sich übergangsweise mit abgestempelten Euro-Scheinen behelfen, bis neue Münzen und Scheine fabriziert sind. Ein solch eruptives Auseinanderbrechen der Euro-Zone dürfte die Finanzmärkte ins Chaos stürzen, Banken brächen zusammen, der Welthandel geriete ins Stocken, die Weltwirtschaft stürzte in die Rezession.

Um die Kapitalflucht aus den Weichwährungsländern in die Hartwährungsländer zu stoppen, müssten vorübergehend umfangreiche Kapitalverkehrskontrollen verhängt werden. Mittelfristig bildete sich wieder ein Hartwährungsblock um Deutschland, dem neben den Niederlanden Luxemburg, Dänemark, Österreich und Finnland angehören dürften. Frankreich und die anderen Länder blieben außen vor.

Knickt die EZB dagegen ein und kauft Staatsanleihen der Krisenländer in großem Stil, dürften die Märkte zunächst jubeln. In der Bundesbank und der Bundesregierung aber nähme der Widerstand gegen das Anwerfen der Notenpresse zu.

Die von der EZB künstlich nach unten gedrückten Zinsen würden die Sparanstrengungen der Krisenländer erlahmen lassen. Um deren Zinsen nicht wieder nach oben schießen zu lassen, wäre die EZB zu Dauerinterventionen gezwungen. Dann aber dürfte es ihr nicht mehr gelingen, die großen Volumina an Zentralbankgeld abzuschöpfen, die sie mit ihren Käufen in den Bankensektor pumpt. Folge: Die Liquidität treibt die Verbraucherpreise spätestens im nächsten Aufschwung in die Höhe.

Raus aus der EU, rein in die EU

Der Widerstand der Bevölkerung in den Nordländern gegen die Euro-Inflation dürfte dann schnell größer werden. Unter dem Druck radikaler populistischer Parteien von rechts und links, die bei den Wahlen hohe Stimmanteile gewinnen, könnten sich die stabilitätsorientierten Länder gezwungen sehen, die Währungsunion zu verlassen. Zwar gibt es derzeit rechtlich keinen Weg, der Euro-Zone Adieu zu sagen, ohne zugleich die EU-Mitgliedschaft aufzukündigen. Ansgar Belke, Währungsexperte an der Universität Essen-Duisburg, hält es jedoch für möglich, dass sich ein Hartwährungskern um Deutschland entschließt, die EU und die Euro-Zone zu verlassen, um danach sofort wieder der EU beizutreten.

Um einen Run auf die Banken zu verhindern, müsste eine Kernunion durch Geheimverhandlungen aller beteiligten Staaten vorbereitet werden. „Bevölkerung und Märkte müssen von der Entscheidung überrascht werden, dafür bieten sich Wochenenden oder Feiertage wie das Weihnachtsfest an“, sagt Voth, der darauf hinweist, dass in der Vergangenheit alle Währungsreformen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion über die Bühne gegangen sind.

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